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Kaffee : Der Espresso aus der Kapsel

Die Maschinen müssen immer mit den Kapseln des gleichen Herstellers beladen werden
          6 Min.

          Die Urlaubserinnerung an das Genießen von Cappuccino oder Espresso auf der Piazza wollen sich besonders gern die Deutschen ins eigene Haus holen. Seit Jahren ist den deutschen Fans von Espresso, Cappuccino oder Latte macchiato das Beste gerade gut genug: Von den geschätzt 1,5 Milliarden Euro, die jährlich in ganz Europa für die Ausstattung privater Haushalte mit Espressoautomaten ausgegeben werden, entfällt gut ein Drittel auf den deutschen Markt. Dort dienen Vollautomaten, etwa mit Mahlwerk für die Kaffeebohnen und Milchschaum nach Wunsch, längst als Prestigeobjekt für den gehobenen Haushalt, damit nach einem gepflegten Abendessen die Gäste mit einem Kaffeegetränk nach italienischer Art beeindruckt werden können. Dass die echten Italiener nach dem Abendessen nur noch Espresso, aber keinen Cappuccino oder Milchkaffee trinken, braucht in Deutschland niemanden zu stören.

          Tobias Piller
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nachdem der Kaffeegenuss nach italienischer Art in deutschen Heimen jahrelang auch ein wenig Luxus darstellte, kann er nun mit der Verbreitung neuer Technologie zum Mode- und Massenphänomen werden. Während ein Espressovollautomat derzeit zwischen 500 und 2000 Euro kostet, gibt es inzwischen auch schon italienische Kaffeestimmung für deutlich weniger Geld: Die Renner in den Elektromärkten sind nun Geräte zu Preisen von 130 bis 300 Euro. Diese funktionieren nicht mehr mit gewöhnlichen Kaffeebohnen, sondern mit gemahlenem Kaffee in Kapseln. Damit sind die Kunden zwar nicht mehr frei, jede Woche eine andere Kaffeemarke zu wählen, sondern müssen ihre Maschine immer mit Kapseln des gleichen Herstellers laden. Doch die relativ günstigen Einstandspreise für die Geräte machen das Risiko der Markenbindung inzwischen überschaubar.

          Die „Crema“ als Qualitätsmerkmal

          Die Technik der Kapseln zu perfektionieren und zudem immer preiswerter werden zu lassen hat mehr als zwanzig Jahre gedauert. Die Rolle des Pioniers schreibt sich dabei der Schweizer Nestlé-Konzern zu. Schon 1986 wurde die Tochtergesellschaft Nespresso SA gegründet, um Büros mit italienischem Kaffeeflair zu versorgen. Nach Angaben von Nestlé kam zehn Jahre zuvor einem Mitarbeiter auf einer Italien-Reise die zündende Idee, Espresso auch in Büros und Wohnungen zu bringen.

          Wer hat die beste „Crema”?
          Wer hat die beste „Crema”? : Bild: ddp

          Italiener selbst konnten schwerlich eine ähnliche Intuition entwickeln. Vielen von ihnen genügt noch heute die "Moka"-Kanne, die unten mit Wasser befüllt auf den Herd gestellt wird, um Wasser durch eine Kaffeeschicht nach oben zu pressen. Allerdings entwickelt die traditionelle Form des heimischen italienischen Kaffees nicht die "Crema", die Creme- und Schaumschicht, die für den Kenner ein wichtiges Qualitätsmerkmal darstellt. Doch in Italien gibt es zum Frühstück ohnehin nur einen flüchtigen Kaffee mit ein paar Keksen. Den Rest erledigen die 150 000 Bars, von denen jeder eine an der nächsten Straßenecke findet. Selbst für das Büro schien in Italien lange Zeit die Kaffeemaschine unnütz: Entweder der Kaffee wird vom Laufburschen einer nahe gelegenen Bar gebracht, oder aber der Wunsch nach einem Espresso wird zum willkommenen Anlass für eine Pause oder ein informelles Treffen außerhalb des Büros genommen - gelegentlich in einer Atmosphäre, um die Ausländer ihre italienischen Kollegen beneiden.

          Nespresso dominiert den Markt

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