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Strafen nach der Finanzkrise : So viel mussten Banken schon zahlen

Der Deutschen Bank droht eine Milliardenstrafe. Bild: Lukas Kreibig

Der Deutschen Bank droht in Amerika eine Milliardenstrafe. Es wäre nicht die erste schmerzhafte Geldbuße für das Geldhaus in der jüngsten Vergangenheit. Und sie ist in guter Gesellschaft.

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          Die jüngste Milliardenstrafe, die der Deutschen Bank in Amerika droht, macht einmal wieder deutlich, wie schmerzhaft die so genannten Rechtsrisiken die Geldhäuser bisweilen treffen können. Die Summe liest sich gewaltig: Seit der Finanzkrise haben die Banken in Amerika und Westeuropa rund 260 Milliarden Dollar an Strafen und Rechtskosten gezahlt, ergab eine Auswertung der Ratingagentur Morgan Stanley im August 2015. Das entspricht etwa dem Exportüberschuss, den das Ifo-Insitut China für 2016 prognostiziert. Die Summe dürfte noch weiter ansteigen - und auch die Deutsche Bank dürfte einen ordentlichen Teil dazu beitragen.

          Benjamin Fischer

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Denn jetzt fordert das amerikanische Justizministerium 14 Milliarden Dollar (12,5 Milliarden Euro) von Deutschlands größer Bank -  als Strafe für ihre Hypothekengeschäfte auf dem Häusermarkt in den Vereinigten Staaten. Das wäre die höchste Strafsumme, die in den Vereinigten Staaten jemals gegen eine ausländische Bank verhängt wurde.

          Die Rückstellungen der Deutschen Bank für juristische Risiken beliefen sich zuletzt nur auf 5,5 Milliarden Euro, eine Erhöhung hatte Vorstandschef John Cryan mehrfach ausgeschlossen. Die Strafe ist freilich nicht spruchreif, sondern nur ein erster „Vergleichsvorschlag“, wie die Deutsche Bank mitteilte. Sie geht man davon aus, die Strafe noch deutlich drücken zu können: „Die Deutsche Bank erwartet ein Verhandlungsergebnis, das im Bereich ihrer Wettbewerber liegt, die sich mit dem amerikanischen Justizministerium schon auf deutlich niedrigere Beträge geeinigt haben.“

          Auch die Royal Bank of Scotland im Visier

          Viele Großbanken hatten in Amerika bis 2007 unzählige Immobilienkredite vergeben, selbst wenn die Kreditnehmer offensichtlich überhaupt nicht kreditwürdig waren. Beide Seiten vertrauten auf stetig steigende Immobilienpreise. Die Banken reichten obendrein die Risiken an Investoren weiter, indem sie die Darlehen bündelten und in Form von Wertpapieren weiterverkauften. Als die Immobilienpreise dann allerdings einbrachen, gerieten viele Investoren unter enormen Druck.

          Für dieses Gebaren, das die globale Finanzkrise mitverursachte, sind schon viele Geldhäuser zu empfindlichen Strafzahlungen verpflichtet worden. Jüngstes Beispiel ist Goldman Sachs. Erst zu Beginn dieses Jahres einigte sich die sich die amerikanische Großbank mit dem Justizministerium auf ein Bußgeld in Höhe von 5,1 Milliarden Dollar.

          Auch die Royal Bank of Scotland ist wegen dubioser Hypotheken-Deals vor der Finanzkrise im Visier der amerikanischen Justiz. Etwa vier Milliarden Dollar sind vorsorglich schon zurückgelegt. Die bislang höchste Strafe als Folge der Immobiliengeschäfte vor der Finanzkrise wurde 2014 der Bank of America aufgebrummt. 16,65 Milliarden Dollar musste das Geldhaus zahlen. JP Morgan rangiert mit 13 Milliarden Dollar auf dem unrühmlichen zweiten Platz.

          2,5 Milliarden Dollar für Libor-Manipulation

          Gehörig zur Kasse gebeten wurden die Banken in den vergangenen Jahren aber auch unabhängig von den Immobiliengeschäften vor der Finanzkrise. Die Deutsche Bank etwa hat ihre bislang höchste Strafe im Frühjahr 2015 berappen müssen. Anlass war die Manipulation des Libor (der Zinssatz zu dem sich Großbanken untereinander Geld leihen können). 2,5 Milliarden Dollar kostete das Fehlverhalten einiger Händler die Bank damals nach der Einigung mit den Behörden in Amerika und Großbritannien.

          Ende 2013 hatte schon die EU-Kommission Strafzahlungen im Zuge der Manipulaitonen verhängt. Rund 725 Millionen Euro waren damals für die Deutsche Bank fällig. Die französische Société Générale bekam knapp 446 Millionen Euro aufgebrummt, die Royal Bank of Scotland 391 Millionen Euro.

          Ebenfalls eine empfindliche Strafe musste in der jüngsten Vergangenheit auch die Commerzbank zahlen: 1,45 Milliarden Dollar kosteten die Bank Geldwäsche und Verstöße gegen die Iran-Sanktionen Anfang 2015, nachdem die Bank lange mit der Finanzaufsicht in New York verhandelt hatte. Die Credit Suisse wurde 2012 wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung von den amerikanischen Behörden gar zur Zahlung von 2,6 Milliarden Dollar verdonnert.

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