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Arzneikonzern : Stada im Visier von Aktivisten

Jahrelang warfen auch Finanzinvestoren ein Auge auf Stada – jetzt ist das Arzneiunternehmen im Visier von Aktivisten. Bild: dpa

Ein Investor mit Hintergedanken bringt den Vorstand des Arzneikonzerns in Nöte. Ein Aktienpaket hat er schon erworben. Was ist nun der Plan?

          3 Min.

          Aktivistische Investoren planen nach Informationen der F.A.Z. einen Vorstoß gegen das Management des Arzneiunternehmens Stada. Die Gesellschaft Active Ownership hat mit einem Partner-Investor ein Aktienpaket über 5 Prozent erworben – und bastelt nun an einer Strategie, den Vorstand unter Führung von Hartmut Retzlaff unter Druck zu setzen, wie aus Finanzkreisen zu erfahren ist. Derzeit bemühe sie sich, Unterstützung von edge-Fonds zu bekommen, auch in London. Wie zu hören ist, versuchen Investmentbanker daher gerade, von Retzlaff das Mandat für eine Verteidigungsstrategie zu erhalten.

          Klaus Max Smolka
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der M-Dax-Konzern wird seit Jahren als Kandidat für eine Übernahme oder Aufspaltung gehandelt. Er betreibt zwei etwa gleich große Sparten: Nachahmermedikamente (Generika) und rezeptfreie Arzneien (OTC-Produkte).

          Active Ownership ist eine bisher wenig bekannte Frankfurter Gesellschaft, die ihr Selbstverständnis schon im Namen verrät. Solche Investoren sehen sich selbst als „aktiv“, im Markt werden sie als „aktivistisch“ bezeichnet: Sie sehen ihre Rolle darin, bei der Strategie des Unternehmens ein großes Wort mitzureden. Oft fordern sie Konzerne zum Beispiel dazu auf, sich aufzuspalten, sich zum Verkauf zu stellen oder aber auch Vorstandsmitglieder abzusetzen. Bislang fielen die „Aktivisten“ vor allem in angelsächsischen Ländern auf.

          Investitionen in „attraktive Unternehmen unter ihrem Wert“

          Active Ownership hat über seine Gründungspartner Florian Schuhbauer und Klaus Röhrig zusammen mit dem Investor BNY Mellon Service ein beachtliches Aktienpaket an Stada aufgekauft. Laut einer Meldung nach dem Wertpapierhandelsgesetz vom 1. April halten sie 5,05 Prozent der Stimmrechte an Stada sowie 1,92 Prozent Optionen. Nach eigenem Bekunden investiert die Gesellschaft in „attraktive Unternehmen, die deutlich unter ihrem fairen Wert notieren“. Schuhbauer erläutert zudem in einem Eintrag im beruflichen Netzwerk Linkedin: „Wir erwerben signifikante Minderheitsanteile in unterbewerteten, börsennotierten, kleinen und mittelgroßen Unternehmen in deutschsprachigen und den nordischen Ländern  – und wenden unseren Private-Equity-Werkzeugkasten an, um Wert zu schaffen durch operative, strategische oder auf die Unternehmensführung bezogene Verbesserungen.“ Schuhbauer war früher Partner beim Finanzinvestor Triton.

          „Die arbeiten an einer Strategie, um Stada öffentlich ins Gespräch zu bringen“, sagte am Montag ein Insider zum Vorgehen von Active Ownership. Ein zweiter Kenner erläuterte konkret, es gehe ihnen zum einen um Fragen der Unternehmensführung – zum anderen darum, das Unternehmen eventuell für eine Fusion oder Übernahme zu öffnen und so Wert zu schaffen: „Die wollen das Thema Corporate Governance und Merger Value Creation auf den Tisch bringen.“

          Allerdings sieht sich der Investor in der Eigendarstellung als „langfristig und konstruktiv“ orientierter Partner, der „gemeinsam mit dem Management“ Strategien definieren wolle. Er stehe für Aufsichtsratsmandate bereit. Das erinnert an das Vorgehen von Cevian.

          Stada seit Jahren Ziel von Übernahmeplänen

          Was die Unternehmensführung angeht, dürfte Active Ownership auf die dominante Rolle Retzlaffs zielen, der seit 1993 den Konzern führt; vorigen Herbst wurde sein Vertrag vorzeitig um fünf Jahre verlängert, bis kurz vor seinem 68. Geburtstag. Retzlaff erregt Aufsehen durch sein hohes Gehalt und üppige Pensionszusagen,  die er vom Aufsichtsrat zugebilligt bekommen hat. Auf der jüngsten Hauptversammlung entlud sich der Unmut der Aktionäre: Sie verweigerten ihre Zustimmung zu mehreren Tagesordnungspunkten. Der als Experte für Unternehmensführung bekannte Aktionär Christian Strenger beantragte eine Sonderprüfung wegen Retzlaffs Bezügen und Rentenansprüchen – und erhielt dafür eine hohe Zustimmung von 42 Prozent.

          Zum anderen ist Stada seit Jahren Ziel von Übernahmeplänen. Ende vergangenen Jahrzehnts bemühte sich der israelische Wettbewerber Teva eine Zeitlang darum, das Unternehmen aus Bad Vilbel zu erwerben. Er gab das Vorhaben aber auf, weil er stattdessen den deutschen Wettbewerber Ratiopharm kaufte. 2012 war die indische Gesellschaft Sun nach Informationen dieser Zeitung interessiert.  Stada wurde einst von Apothekern gegründet, heute gehören nach Schätzung der Abteilung Investor Relations 10 Prozent der Aktien Apothekern und Ärzten. 68 Prozent liegen bei institutionellen Investoren. Stada-Anteilsscheine sind vinkulierte Namensaktien, sie können nur mit Zustimmung der Aktiengesellschaft übertragen werden. Das soll die Übernahme durch unliebsame Konkurrenten erschweren.

          Jahrelang warfen auch Finanzinvestoren ein Auge auf Stada – überwiegend getrieben von der Perspektive, das Unternehmen in einen OTC- und einen Generika-Teil aufzuspalten und dann weiterzuverkaufen. Das könnte zusammengenommen einen höheren Wert erbringen als der Gesamtkonzern Stada. Der Vorstandsvorsitzende soll sich aber gegen einen Verkauf an Beteiligungsgesellschaften gestemmt haben. „Retzlaff will kein Private Equity“, sagt ein Kenner des Unternehmens und des Managers.

          Seitdem die aktivistischen Aktionäre das Stada-Paket kauften – oder zumindest aufstockten –, ist der Aktienkurs gestiegen: Am 24. März, als Active Ownership und BNY die 3-Prozent-Schwelle überschritten, notierte das Stada-Papier knapp unter 34 Euro. Inzwischen ist es beinahe 38 Euro wert, das Unternehmen jetzt knapp 2,4 Milliarden Euro. Am 9. Juni hält Stada die Hauptversammlung ab; da dürfte der Vorstoß ein Thema werden. Active Ownership und Stada lehnten eine Stellungnahme ab.

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