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Aus für Aldi-Zulieferer : Die Kreppel-Party ist vorbei

  • -Aktualisiert am

Ausgebacken: Noch ein paar Wochen arbeiten die Mitarbeiter alte Aufträge ab, dann ist Schluss. Bild: Funke Foto Services

Stauffenberg, eine der größten Bäckereien in Deutschland, ist insolvent. Aldi hat dem Unternehmen die Verträge gekündigt. Dabei hatte der Vater der Aldi-Gründer dort einst Bäcker gelernt.

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          Krapfen, Kreppel, Berliner, Fastnachtskuchen – das „Siedegebäck mit und ohne Füllung“ hat im Karneval Konjunktur. Für Bäckereien, zumal wenn sie darauf spezialisiert sind, verspricht die fünfte Jahreszeit eigentlich gute Geschäfte. Einen der größten „Berliner“-Macher Deutschlands, der mit den klebrigen Ringen jahrelang die Regale von Lebensmittelketten und Discountern füllte, hat es jetzt trotzdem erwischt.

          Bernd Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Ludwigshafen.

          Die Stauffenberg-Bäckerei GmbH & Co. KG, mit Produktionsstätten in Gelsenkirchen und Daun in der Eifel steht vor dem Aus. Schnittbrot und Brötchen und Toast und Baguettes und Ciabatta und Süßes hat Stauffenberg gebacken, in großem Stil. Bis zu 500 000 Kreppel liefen in der Hochsaison in der Eifel Tag für Tag vom Band. Damit ist es jetzt vorbei.

          Denn der größte Kunde ist weg. Der Handelsriese Aldi hat dem Traditionsunternehmen das Vertrauen entzogen. Damit endet nicht nur eine über viele Jahrzehnte intakte Geschäftsbeziehung – es endet auch eine alte Liebe. Lange haben die Aldi-Gründer Karl und Theo Albrecht der Bäckerei die Treue gehalten, haben sie groß gemacht und mitgenommen, selbst nach der Trennung in Aldi Süd und Aldi Nord blieben die Stauffenbergs mit beiden im Geschäft.

          Bäcker Stauffenberg ist insolvent

          Die Beziehung ist älter als Aldi selbst. Der Vater der Aldi-Gründer, Karl Albrecht sen., hatte einst bei den Stauffenbergs Bäcker gelernt. Später belieferte die Bäckerei aus Essen-Katernberg das kleine Lebensmittelgeschäft von Albrechts Frau Anna in Essen-Schonnebeck. Lange soll es nicht einmal einen Vertrag zwischen Aldi und der Bäckerei gegeben haben. Doch seit Dezember ist es aus. Aldi hat gekündigt, diesmal endgültig. Das Fass war voll. Die Schieflage hätte Aldi vielleicht noch akzeptiert, Betrug aber nicht.

          Im Dezember, nach der Kündigung, musste Stauffenberg Insolvenz anmelden, zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres. Das Insolvenzgeld ist Ende Januar ausgelaufen. Am Montag informierte Insolvenzverwalter Rolf Weidmann erst in Daun und dann in Gelsenkirchen die Belegschaft. Die Investorensuche ist gescheitert. 50 Mitarbeiter können noch ein paar Wochen alte Aufträge abarbeiten, dann ist auch für sie Schluss. Alle verbliebenen 226 Arbeitsplätze gehen verloren, nach 110 Jahren ist das Unternehmen Geschichte.

          Manager Ostendorf versenkt den Kahn

          Die Beziehung zwischen Aldi und Stauffenberg hat vor gut zehn Jahren den ersten Knacks bekommen. Damals verkauft die Eigentümerfamilie ihre Bäckerei an Klaus Ostendorf. Ostendorf gilt Anfang des neuen Jahrtausends als Revolutionär im Backgeschäft: Keiner, der klein denkt. Kein Krämer. Ein Stratege, Gestütsbesitzer und eloquenter Macher. Ostendorf hat sich mit den großen Händlerketten eingelassen und so aus einer kleinen Bäckereikette eine große gemacht und diese dann mit erheblichem Gewinn an Heiner Kamps verkauft, den damals größten aller deutschen Bäcker.

          Ostendorf ist nach dem Verkauf ein gemachter Mann. Die Stelle als Kamps-Vorstand füllt ihn nicht aus, er will bald wieder auf zu neuen Ufern, diesmal mit seinen beiden Söhnen Frank und Peter. 2001 übernimmt Frank Ostendorf Stauffenberg und macht die Bäckerei im Stil und Sinne des Vaters über Zukäufe immer größer.

          Vater Ostendorf selbst steigt 2003 bei dem bayerischen Großbäcker Hans Müller ein. Müller ist seit der Übernahme der österreichischen Ankerbrot angeschlagen, zusammen mit Ostendorf will er das Schiff wieder flott kriegen. Doch das Gegenteil geschieht, der Tanker versinkt im Morast.

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