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Aus für Aldi-Zulieferer : Die Kreppel-Party ist vorbei

  • -Aktualisiert am

In der Backstube krabbelt das Ungeziefer

„Müller-Brot“ – einst einer der größten Backwarenhersteller Europas – wird zum Synonym für Schlampereien und Hygienemängel. Über Jahre schon hat die Münchner Lebensmittelaufsicht die Produktion in Neufahrn bei Freising moniert. Müller und Ostendorf halten die Untersuchungen trotz Produktionsstopps und Rückrufaktion so gut es geht unter dem Teppich, um die Kunden nicht zu verlieren. Doch irgendwann kommen die Schaben, Motten und Käfer ans Licht. Die unappetitlichen Berichte über Kot und Dreck in der Produktion reißen nicht ab – es dauert nur Tage, bis die Kunden die Reißleine ziehen.

Nachdem Lidl und Aldi die Verträge gekündigt haben, stellt Müller 2012 Insolvenzantrag. Die alte Stauffenberg-Bäckerei wird davon scheinbar nicht getroffen. Doch bald beginnt das gesamte von Ostendorf aufgebaute Bäckerei-Reich zu wanken. Die Leipziger Löwenbäckerei folgt, die Mehrheit der österreichischen Ankerbrot – bis heute geleitet von Peter Ostendorf – wird an Investoren verkauft. Schließlich rutscht auch Stauffenberg in die Insolvenz. Ostendorf, einst einer der erfolgreichsten Backunternehmer, hat sein Backimperium selbst zerlegt.

Chef muss wegen Betrug vor Gericht

„Wir wurden in Sippenhaft“ genommen, wird sein Sohn Frank Ostendorf später vor Gericht sagen. Das ist freilich nur die halbe Wahrheit. Denn der Stauffenberg-Chef hat, wie sich jetzt zeigt, erhebliche kriminelle Energie an den Tag gelegt. Um sein Unternehmen trotz der schweren Lage liquide zu halten und weiter investieren zu können, ergaunert er über Scheinverträge 6 Millionen Euro von einer Stuttgarter Factoring-Firma. Geld für Rechnungen, die es gar nicht gab.

Für Betrug in 25 Fällen verurteilt ihn das Landgericht Essen im Dezember zu drei Jahren und neun Monaten Freiheitsentzug. Eine Strafe, die erahnen lässt, wie tief die Abgründe waren. Anders als im Fall von Arcandor-Chef Thomas Middelhoff – verurteilt übrigens ebenfalls vom Landgericht Essen – kann Ostendorf auf freiem Fuß bleiben, bis der Bundesgerichtshof über eine Revision entschieden hat.

Trennung der Geschäftspartner war absehbar

Anfang Dezember, nach Wochen der Verhandlungen, sagt Frank Ostendorf der „Lebensmittel-Zeitung“ noch, die Kündigung von Aldi sei für ihn nicht nachvollziehbar. Stauffenberg stehe schließlich seit Februar gesund und sauber da, man habe die Strukturen bereinigt, die Zahl der Mitarbeiter sei gestiegen. Da ist es aber schon zu spät.

Aldi hat von den Vorwürfen angeblich erst aus der Presse erfahren. Ostendorf selbst habe sich nie selbst an die Kunden gewandt, nie das Gespräch gesucht, so aber macht man in einer Familie keine Geschäfte. Aldi sieht sich in seiner Ehre, aber auch in seinen Ansprüchen verletzt. Da die Beendigung der Geschäftsbeziehung absehbar gewesen sei, sei die Warenversorgung im Bereich Brot, Kuchen und Gebäck jedoch über andere Lieferanten zu jeder Zeit sichergestellt, teilte eine Unternehmenssprecherin mit. Herber könnte eine Abfuhr kaum sein.

Ostendorf will nicht mehr ins Geschäft einsteigen

Nach der ersten Insolvenz von Stauffenberg, vor gut einem Jahr, hatte der damalige Insolvenzverwalter aus Mangel an Alternativen das Unternehmen am Ende doch wieder an die Ostendorfs verkauft. Das wird diesmal nicht mehr passieren. Frank Ostendorf jedenfalls will sich „definitiv nicht mehr engagieren“. 

Die erniedrigenden Stunden vor Gericht haben offensichtlich Wirkung gezeigt. Wie es um den Elan seines Vaters steht, ist offen. Im Frühjahr 2012, nach der Insolvenz, hatte er gemeinsam mit Investoren vergeblich versucht, Müller-Brot wieder zurückzukaufen.  Auch er muss sich dieses Jahr vor Gericht verantworten -  die Müller-Pleite lässt ihn nicht los. Die Staatsanwaltschaft Landshut wirft ihm vor,  große Mengen nicht zum Verzehr geeigneter Lebensmittel in den Verkehr gebracht zu haben.

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