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Arzneimittel : Bayer mit Lieferengpass für Johanniskraut

So schön schaut Johanniskraut aus. Bild: Rainer Wohlfahrt

Ein Standardmittel für Depressive ist derzeit vielerorts ausverkauft. Der Pharmakonzern Bayer kann nicht ausreichend liefern, weil das zur Herstellung eingekaufte Johanniskraut momentan zu wenig Wirkstoff hergibt.

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          Ungewöhnlicher Lieferengpass bei Bayer: Der Konzern kann ein Hauptprodukt der zugekauften Tochtergesellschaft Steigerwald nicht wie gewohnt liefern: das Depressionsmittel Laif 900 auf Pflanzenbasis. Entsprechende Informationen der F.A.Z. bestätigte das Unternehmen. „Laif 900 ist in der Tat vorübergehend nur eingeschränkt lieferfähig“, teilte der größte deutsche Arzneianbieter auf Anfrage mit. Grund sei das pflanzliche Ausgangsmaterial Johanniskraut: „Die Beschaffenheit eines solchen Rohstoffs kann schwanken.“ Im Kern ist die Schwierigkeit, dass das eingekaufte Johanniskraut momentan nicht ausreichend Wirkstoff hergibt, sagt ein Sprecher des Unternehmens.

          Klaus Max Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Johanniskraut wird in verschiedenen Konzentrationen eingesetzt: Als Kapsel, Tablette oder Saft soll es beruhigen, Angst lösen und die Stimmung aufhellen. Die meisten Produkte sind frei verkäuflich, einige aber für die Anwendung gegen mittelschwere Depression rezeptpflichtig. Laif 900 - die Zahl steht für 900 Milligramm Johanniskraut-Trockenextrakt je Tablette - gehört zur zweiten Gruppe. Das Mittel ist in dieser Kategorie mit Abstand das Standardprodukt. Laut Arzneiverordnungsreport für Patienten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) wurden 2014 gut 30 Millionen Tagesdosen verschrieben. Es folgen Neuroplant des Herstellers Willmar Schwabe mit 2,4 Millionen Dosen und Jarsin (Klosterfrau) mit 0,9 Millionen Dosen. Bayer macht keine Angaben zu den Umsätzen.

          Bayer hatte sich Laif 900 mit der im Jahr 2013 erworbenen Steigerwald eingekauft, deren zweites Hauptprodukt das Magenmittel Iberogast ist. Es habe zuvor keine Engpässe mit einem Steigerwald-Produkt gegeben, sagte der Sprecher. „Das ist das erste Mal, dass wir diese Thematik zu besprechen haben.“ Anfang des Jahres hatte Bayer die Marke Steigerwald aufgegeben, die Produkte erscheinen nun mit dem Bayer-Kreuz.

          Bayer teilte mit, es beziehe Johanniskraut „aus verschiedenen Ländern“. Der Konzern sieht die Schwierigkeiten nur bei Laif 900, nicht aber bei der rezeptfreien Variante Laif 900 Balance. Online-Apotheken melden aber auch für diese Version Ausverkauf. „Leider sind diese Produkte derzeit wegen eines Engpasses beim Hersteller nicht erhältlich“, heißt es bei Doc Morris. Medpex berichtet: „Dieser Artikel ist derzeit leider nicht lieferbar.“

          Eine Patientin, die mit Laif 900 gegen ihre trübsinnigen Gedanken angehen will, seufzte: „Die Deutschen kämpfen gegen die Winterdepression und die Firmen kommen nicht nach?“ Laut Bayer ist allerdings kein übermäßiger aktueller Bedarf die Schwierigkeit: „Die Nachfrage nach Laif 900 befindet sich im marktüblichen Rahmen“, teilte das Unternehmen mit. Es arbeite „mit Hochdruck daran, bald wieder lieferfähig zu sein“.

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