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Demonstrationen in Frankfurt : Piloten-Streik treibt Keil in die Lufthansa-Belegschaft

Die Pilotenfraktion auf dem Weg zum Lufthansa Aviation Center am Frankfurter Flughafen Bild: Helmut Fricke

In Frankfurt demonstriert das Bodenpersonal gegen die Piloten und die wiederum gegen den Konzern. Wieder zusammenbringen soll die Parteien ein gemeinsames Feindbild.

          Größer kann die Druckkulisse für die Lufthansa-Piloten wohl kaum sein: Auf der Protestveranstaltung der Vereinigung Cockpit (VC) am Mittwoch in Frankfurt waren die etwa 200 Teilnehmer umringt von einer ebenso großen Anzahl an Demonstranten, die sich gegen den Arbeitskampf der VC stellten. „Diese Streiks zerstören unser Unternehmen“, wettert Andreas Scholz, der als Betriebsrat für die rund 6500 Beschäftigten des Bodenpersonals am Frankfurter Flughafen tätig ist. Er fordert die Führung und die in der VC organisierten Lufthansa-Piloten auf, „endlich in die Schlichtung zu gehen und so weiteren Schaden von uns und den Passagieren abzuwenden“.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Vertreter der VC reagierten auf den internen Widerstand des Bodenpersonals verärgert: „Wir sind sehr traurig über das Verhalten unserer Kollegen“, sagte VC-Präsident Ilja Schulz. Gewerkschaften wie Ufo oder Verdi, die Teile des fliegenden Personals vertreten, sprachen indessen von einem „Armutszeugnis für die Solidarität von Arbeitnehmern“.

          Scholz, der die Gegenveranstaltung der Bodendienste vor der Lufthansa-Zentrale mitorganisierte, sprach jenen drei Lufthansa-Vorständen aus der Seele, die sich anfangs als Zuhörer unter die protestierenden Piloten mischten, um dann – zum direkten Schlagabtausch mit VC-Präsident Ilja Schulz und seinen Kollegen – nacheinander ans Mikrofon zu treten.

          Dialog-Bühne zwischen Managern und Piloten

          Das eigentlich als Anklagebank gedachte VC-Podium verwandelte sich so in eine Dialog-Bühne zwischen Managern und Piloten. Die Spitzenvertreter beider Parteien starteten am Mittwoch somit wieder einen Versuch , den seit April 2014 schwelen Tarifkonflikt nach tagelangen Streiks wieder in den Griff zu bekommen.

          Während Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister an die Berufsehre der Piloten appellierte, die durch Streiks schwer beschädigte „Reputation einer Traditionsmarke zu retten“, beschwor der für Eurowings zuständige Kollege Karl Ulrich Garnadt ein gemeinsames Feindbild: „Die Gegner der Lufthansa sind Preisbrecher wie Ryanair und nicht unsere Piloten“. Jede Streikaktion von Mitarbeitern führe nicht nur zur Erosion von Kunden und Marktanteilen bei der Lufthansa, sondern gefährde auch den Aufbau von Eurowings, warnte Garnadt.

          Mit der neuen Billigflug-Plattform, deren Stückkosten um bis zu 30 Prozent unter denen der Muttergesellschaft liegen, wollen die Lufthanseaten Ryanair und Easyjet die Stirn bieten. Auch die Personalkosten in Cockpit und Kabine müssen in ähnlichem Umfang schrumpfen.

          Lufthansa geht auf Piloten zu

          Der Zwang zum Einlenken ist vor diesem Hintergrund größer denn je. Personalchefin Bettina Volkens wagte auf dem Podium der VC einen neuen Anlauf zur Schlichtung, indem sie für die Annahme der jüngsten Lufthansa-Offerte warb. Danach ist die Gesellschaft bereit, die Bezüge der Piloten in zwei Stufen um insgesamt 4,4 Prozent zu erhöhen. Im einzelnen bietet die Lufthansa für 2016 eine Vergütungserhöhung um 2,4 Prozent und für 2017 um weitere 2,0 Prozent. Dieses Angebot sei nicht an weitere Bedingungen geknüpft, sagte Volkens am Mittwoch weiter.

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            © Reuters, Deutsche Welle Geschäfte am Flughafen leiden unter Pilotenstreik bei Lufthansa

            Die Lufthansa gehe damit auf eine zentrale Forderung der Pilotengewerkschaft ein. Zuletzt hatte die Fluggesellschaft bei der Lösung weiterer offener Tariffragen zu Betriebsrenten und Altersversorgung 4,4 Prozent plus einer Einmalzahlung von 1,8 Monatsgehältern geboten. Die VC verlangt für einen Zeitraum von fünf Jahren Tariferhöhungen von 22 Prozent bis April 2017.

            Die VC reagierte auf den jüngsten Vorstoß der Lufthansa-Führung verhalten. Auf den ersten Blick seien noch Fragen offen, hieß es. Die 5400 Piloten der Lufthansa hatten in der jüngsten Streikwelle seit Mittwoch an sechs Tagen die Arbeit niedergelegt. Lufthansa musste daraufhin rund 4450 Flüge mit 525.000 Fluggästen streichen.

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