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Wirtschaftsprüfer und Berater : Die „Big Four“ ziehen sich aus Russland zurück

Die Logos der „Big Four“ Bild: Reuters

Erst KPMG und PWC, dann EY und schließlich auch Deloitte. Alle vier global tätigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften trennen sich von ihrem Russlandgeschäft.

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          Der Krieg in der Ukraine zwingt auch die großen Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen zum Handeln. Die vier großen global tätigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Deloitte , KPMG , PWC und EY – die sogenannten „Big Four“ – haben alle angekündigt, sich von ihrem Russlandgeschäft zu trennen. Bislang hat KPMG in Russland und Belarus zusammen 4500 Mitarbeiter, Deloitte 3000, PWC beziffert die Zahl seiner Mitarbeiter in Russland auf 3700, EY auf 4700.

          Tillmann Neuscheler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Weil die Prüfungsunternehmen nicht als hierarchisch gegliederte Konzerne organisiert sind, sondern als globale Netzwerke unabhängiger Landesgesellschaften, werden die bisherigen russischen Mitgliedgesellschaften aus den Netzwerken der jeweiligen Prüfgesellschaften ausgeschlossen, haben damit auch keinen Zugriff mehr auf interne IT-Systeme. Zumindest in Teilen werden die Landesgesellschaften aber vermutlich unter neuer Flagge für lokale Kunden weiterarbeiten. Sie dürfen dann aber nicht mehr unter dem jeweiligen Markennamen auftreten. Zu den bisherigen Kunden von PWC gehören unter anderem die Sberbank und der Ölkonzern Gazprom .

          Auch die großen Unternehmensberater ziehen sich zurück

          Nach kurzem Zögern fahren auch etliche große Unternehmensberatungen ihr Geschäft in Russland zurück. Das weltgrößte Beratungsunternehmen Accen­ture kündigte schon vergangene Woche an, das Geschäft in Russland komplett einzustellen. „Accenture steht an der Seite des ukrainischen Volkes“, heißt es in der Mitteilung des Konzerns: „Wir danken unseren fast 2300 Kollegen in Russland für ihr Engagement und ihre Dienste, die sie Accenture über die Jahre hinweg erwiesen haben.“ Die Beratungsunternehmen Boston Consulting Group , Roland Berger und Bain kündigten ebenfalls an, die Arbeit für russische Unternehmen zu beenden.

          Der Chef der Unternehmensberatung McKinsey, Bob Sternfels, musste seine erste Aussage präzisieren: Vergangene Woche hatte er auf ­Linkedin seine Bestürzung über den Konflikt geäußert und angekündigt, McKinsey werde nicht mehr für staatliche Stellen in Russland arbeiten. Weil dabei aber offenblieb, ob McKinsey weiterhin staatlich kontrollierte russische Unternehmen berät, hagelte es intern Proteste. Sternfels sah sich zur Klarstellung gezwungen: „Wir werden die bestehende Arbeit mit staatlich kontrollierten Unternehmen einstellen“, teilte er mit. Zudem werde McKinsey kein neues Geschäft in Russland mehr annehmen, nach Abschluss der laufenden Projekte werde man die gesamte Kundenbetreuung in Russland einstellen.

          Ihre Büros in Moskau wollen viele Beratungsunternehmen aber noch nicht endgültig schließen. Das Beratungsunternehmen Capgemini teilte auf Nachfrage mit, man arbeite in Russland nur für internationale Unternehmen, aber nicht für russische Organisationen.

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