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Delivery Hero : „Wir haben nicht unendlich Geld“

  • -Aktualisiert am

Foodpanda wird in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, München und Stuttgart eingestellt. Bild: Reuters

Nur ein halbes Jahr nach dem Start gibt Delivery Hero sein Deutschlandgeschäft wieder auf. Das Geld sei anderswo besser angelegt, sagt Vorstandschef Niklas Östberg der F.A.Z.

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          Niklas Östberg wird es wohl erst im Laufe des Freitags zu seiner Familie nach Zürich schaffen. Denn statt sich auf Weihnachten zu freuen, muss sich der Vorstandschef des Lieferkonzerns Delivery Hero an seinem Arbeitsplatz in Berlin-Mitte in dieser Woche noch um unangenehme Entscheidungen kümmern. Wie das Unternehmen am Mittwochmorgen bekanntgab, gibt Delivery Hero sein Liefergeschäft in Deutschland wieder auf – nur ein halbes Jahr, nachdem der Konzern im Juni in seinen Heimatmarkt zurückgekehrt war.

          „Wir haben nicht unendlich Geld“, sagte Östberg im Gespräch mit der F.A.Z. zu den Gründen für die Entscheidung. Er sei weiterhin überzeugt, dass der hier aufgebaute Lieferdienst sich langfristig durchsetzen könnte – doch das würde dauern und Geld kosten. Und: „Kapital aufzunehmen ist teuer“, sagte Östberg. „Wir müssen bei der Auswahl unserer Gelegenheiten wählerisch sein.“ Es gebe zahlreiche Märkte, denen das Geld besser angelegt sei, zum Beispiel in Asien und Osteuropa.

          Das sind fast unbekannte Töne von dem 41 Jahre alten Dax-Chef, der sich einst darüber mokierte, dass man es speziell in Deutschland nicht möge, „Geld ohne klares Ergebnis zu verbrennen“. Doch andererseits hat Delivery Heros Aktienkurs im vergangenen Monat auch 26 Prozent verloren. Vieles spricht dafür, dass das weiterhin defizitäre Unternehmen am Kapitalmarkt demnächst höhere Zinsen zahlen muss, wenn es sich per Wandelanleihe mit frischem Geld versorgen will. Zuletzt hatte es im September auf diese Weise 1,25 Milliarden Euro aufgenommen.

          Mini-Lieferdienst in Berlin bleibt

          Bleiben soll in Deutschland nur ein kleiner Lieferdienst rund um den Hauptsitz in Berlin. Die Dienste in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, München und Stuttgart – alle unter der pinkfarbenen Marke „Foodpanda“ – werden geschlossen. Schon ab diesem Mittwoch werden keine Bestellungen mehr angenommen. In Berlin sollen als „Innovation Hub“ technische Neuerungen wie eine mögliche Lieferung mit Robotern getestet werden – den Anspruch, einen profitablen Lieferdienst aufzubauen, gibt Delivery Hero auf. Hauptsächlich soll der Mini-Lieferdienst die eigene Belegschaft in den Büros des Konzerns versorgen. Auch für private Bestellungen in den Stadtteilen Mitte und Prenzlauer Berg bleibe er aber geöffnet, hieß es.

          DELIVERY HERO SE NA O.N.

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          Östberg wird mit der Entscheidung seinem Ruf gerecht, erfolglose Versuche konsequent und schnell wieder abzustoßen. Der Rückzug aus Deutschland ist nicht die einzige Nachricht in dieser Hinsicht: Zeitgleich kündigte Delivery Hero an, auch sein Geschäft in Japan zum Verkauf zu stellen. In diesen Markt war das Unternehmen vor eineinhalb Jahren eingetreten. Erratisches Verhalten will er in den Rückzügen nach so kurzer Zeit aber nicht sehen: „Dies ist eine sehr seltene Situation. Traditionell ist das nicht unsere Art zu arbeiten.“

          Mangel an Kurieren

          Dass das Deutschlandgeschäft nicht so läuft wie erhofft, hatte sich abgezeichnet. Zu den Quartalsergebnissen im November hatte Östberg zwar noch prognostiziert, der deutsche Markt werde in fünf Jahren einen positiven Beitrag zum Konzernergebnis liefern. Doch er räumte auch ein, der führende deutsche Lieferdienst Lieferando sei „sehr stark“ – Marktführer hierzulande zu werden, werde mindestens zehn Jahre dauern.

           „Wir müssen bei der Auswahl unserer Gelegenheiten wählerisch sein“, sagt Niklas Östberg.
          „Wir müssen bei der Auswahl unserer Gelegenheiten wählerisch sein“, sagt Niklas Östberg. : Bild: dpa

          Auch mehr Konkurrenz jenseits von Lieferando machte Delivery Hero zu schaffen. Uber Eats, die Liefersparte des amerikanischen Fahrdienstes, expandiert in immer mehr Städte und mit Doordash betrat vor kurzem in Stuttgart der US-Marktführer deutschen Boden. Doordash kündigte zudem an, den finnischen Lieferdienst Wolt zu schlucken, der in weiteren deutschen Städten ausliefert.

          Dass es immer mehr Lieferdienste gibt, hat auch dazu geführt, dass es in Deutschland inzwischen einen Mangel an Kurierfahrern gibt. Unternehmen versuchen mit Plakaten, neue Kuriere zu rekrutieren. Der Mangel mache Wachstum teuer und schwer zu skalieren, sagte Östberg. Die Knappheit freut allerdings die Fahrer, die nun nicht mehr für Delivery Hero arbeiten. Dem Vorstandschef zufolge habe man 70 Prozent der bisherigen Mitarbeiter im deutschen Lieferdienst entweder im Unternehmen versetzen oder an andere Unternehmen vermitteln können. Übrig blieben noch rund 300 Mitarbeiter, die im Falle einer Entlassung ein Abfindungspaket bekämen.

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