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Defizitäre Standorte : Hypo-Vereinsbank plant Großumbau im Filialnetz

Defizitäre Standorte sollen flottgemacht werden Bild: dpa

Die Kunden der Hypo-Vereinsbank müssen sich umstellen, wenn sie ihre Bankfiliale besuchen. In einem Gespräch mit der F.A.Z. kündigte der verantwortliche Manager einen weitreichenden Umbau an. In manchen Geschäftsstellen sollen einfache Dienstleistungen automatisiert werden.

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          Die Kunden der Hypo-Vereinsbank (HVB) müssen sich in Zukunft umstellen, wenn sie ihre Bankfiliale besuchen. In einem Gespräch mit der F.A.Z. kündigte der für das HVB-Privatkundengeschäft verantwortliche Manager Willibald Cernko einen weitreichenden Umbau des knapp 650 Standorte umfassenden Filialnetzes an. In unwirtschaftlichen Geschäftsstellen sollen einfache Dienstleistungen teilweise oder ganz automatisiert werden. „Wir wollen die Mitarbeiter von solchen Arbeiten entlasten, damit sie mehr Zeit für die Kundenberatung bekommen“, sagte Cernko. Die Kunden sollten deshalb zum Beispiel für Überweisungen und Daueraufträge Selbstbedienungsterminals verwenden.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Mit dem neuen Konzept wächst auch der wirtschaftliche Druck auf das ertrags- und wachstumsschwache Privatkundengeschäft der HVB. „Alle unsere Filialen sollen auf Sicht von zwei bis drei Jahren auf Vollkostenbasis profitabel arbeiten“, kündigte der Österreicher an. Filialschließungen seien möglich, falls es nicht gelingen sollte, die Ertragslage der problematischen Standorte ausreichend zu verbessern. Der italienische Eigentümer der HVB, die Mailänder Unicredit-Gruppe, hat bereits im Sommer die Messlatte für die deutsche Tochtergesellschaft höher gelegt. Voraussichtlich werden in Deutschland bis zu 2500 Arbeitsplätze gestrichen. Auch in Cernkos Bereich, der zurzeit rund 8000 Mitarbeiter beschäftigt, dürfte dabei ein erheblicher Anteil wegfallen. Der Bankmanager wollte den geplanten Abbau allerdings nicht beziffern. Die Einzelheiten des Kürzungsplans werden voraussichtlich erst im Oktober bekanntgegeben.

          Kassen sollen teilweise nur noch vormittags öffnen

          Nach der Neuausrichtung ihres Vertriebsnetzes will die HVB in 70 Prozent der Filialen den Kassenschalter für einfache Dienstleistungen nur noch vormittags öffnen. Die Nachmittage sollen dagegen den Kundengesprächen vorbehalten sein. „In der Beratung wird der Mehrwert geschaffen, deshalb müssen wir dort unsere Ressourcen bündeln“, sagte Cernko. In 3 Prozent der Filialen will die HVB in Zukunft den Kassenschalter sogar komplett durch Automaten ersetzen. Insgesamt will die Bank 1500 schnellere Selbstbedienungsterminals und 850 zusätzliche Geldautomaten, die auch Einzahlungen ermöglichen, anschaffen. Die Investitionskosten dafür beziffert Cernko mit rund 35 Millionen Euro.

          In einem ersten Schritt ist vorgesehen, bis Mai kommenden Jahres 200 der knapp 650 Geschäftsstellen auf das neue Filialkonzept umzustellen. Ausgewählt wurden defizitäre Kleinstandorte, die insgesamt rund 475 Mitarbeiter beschäftigen. „Die Filialen sind für uns wichtig, aber wir müssen an jedem Standort die Profitabilität im Blick haben“, sagte Cernko.

          „Es wird nicht einfach“

          Die Privatkundensparte der HVB tut sich schon seit Jahren schwer im hartumkämpften deutschen Bankenmarkt. Im ersten Halbjahr 2008 schrumpften Vorsteuergewinn und Erträge um jeweils rund 5 Prozent. Das Marktumfeld in Deutschland sei heute viel härter als noch vor zwei bis drei Jahren, sagte Cernko. „Es wird nicht einfach, aber wir wollen eine positive Ertragsentwicklung erreichen“, kündigte er an, nannte aber keine konkreten Ziele. Dabei hofft die HVB indirekt auch von der Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank zu profitieren.

          Unzufriedene Kunden könnten bei dem schwierigen Zusammenschluss abwandern, hofft Cernko: „Meine Erfahrung aus vielen vergangenen Fusionen zeigt, dass sich für Wettbewerber dabei immer gute Chancen ergeben, Kunden zu gewinnen.“ Die HVB wolle deshalb „Flagge zeigen“. Zurzeit haben die Bayern rund 3 Millionen Privatkunden. Der Kundenstamm von Commerzbank und Dresdner Bank zusammen ist etwa viermal so groß.

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