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Debatte um Managergehälter : Commerzbank-Chef verzichtet auf Millionen-Gehalt

  • Aktualisiert am

Ein Verzicht und eine Ermahnung: Klaus-Peter Müller Bild: ASSOCIATED PRESS

In Deutschland schwelt die Debatte über Managergehälter. Commerzbank-Chef Müller hat den Moment für eine symbolträchtige Verzichts-Erklärung genutzt. Und gleichzeitig diejenigen gescholten, die die Manager an den Pranger stellen: „Wenn wir Eliten schlecht behandeln, verlieren wir sie.“

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          Die Diskussion um überhöhte Managergehälter reißt nicht ab. Nun will der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, Klaus-Peter Müller, ein Zeichen setzen. Er verzichtet nach eigenen Angaben freiwillig auf sieben Millionen Euro Gehalt.

          Auf die Frage, ob es stimme, dass er beim Wechsel in den Aufsichtsrat im Frühjahr auf eine Auszahlung seines Vertrages in dieser Höhe verzichte, antwortete Müller der in Essen erscheinenden „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (Mittwochausgabe) laut Vorabbericht mit „Ja“.

          „Wenn wir Eliten schlecht behandeln, verlieren wir sie“

          In der Commerzbank gehöre er bei Weitem nicht zu den Spitzenverdienern. „Es gab ein Jahr, da war ich innerhalb der Commerzbank nicht einmal unter den 250 bestbezahlten Managern“, sagte Müller. Seine Festbezüge lägen bei 760.000 Euro im Jahr. „Damit verdiene ich deutlich weniger als deutsche Spitzenfußballer“, sagte Müller.

          Zugleich warnte Müller davor, deutsche Top-Manager wegen ihrer Millionenbezüge ständig an den Pranger zu stellen. „Wenn wir Eliten in unserem Land schlecht behandeln, verlieren wir sie. Die sind nämlich nicht auf den Standort Deutschland angewiesen“, sagte Müller. Allerdings halte er manche Managergehälter für unangemessen hoch.

          Merkel: Auch Gewerkschaften in der Pflicht

          Im Streit über Managergehälter hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Dienstag gemahnt, auch die Gewerkschaften stünden in der Pflicht. „In jedem Aufsichtsrat sitzen fast zur Hälfte Arbeitnehmervertreter“, sagte Merkel dem Magazin „Capital“ laut Vorabbericht vom Dienstag. „Insofern gibt es da eine gemeinsame Verantwortung. Es sei Aufgabe der Aufsichtsräte, gemeinsame Maßstäbe zu entwickeln.“ Ein Punkt der Prüfung könnte etwa sein, ob man eine Gratifikation stärker an das langfristige, statt an das kurzfristige Ergebnis binden kann“, sagte die Kanzlerin. Die Aufsichtsräte, auch die aus den Gewerkschaften, sollten dabei die aktuelle Debatte einbeziehen.

          Der DGB forderte, Managergehälter im Aufsichtsrat statt in der Hauptversammlung der Unternehmen zu beschließen. Der Vizevorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds, Dietmar Hexel, erklärte, Hauptversammlungen deutscher Aktiengesellschaften würden oft von wenigen Investoren, wie Hedgefonds oder Private-Equity-Gesellschaften dominiert. Dagegen säßen im Aufsichtsrat durch die Mitbestimmung demokratisch von den Belegschaften gewählte Arbeitnehmervertreter. Hexel kündigte für das Frühjahr 2008 den Vorschlag des DGB für einen Kodex zu angemessenen Vorstandsvergütungen an. Laut Entwurf sollten die Fixbestandteile gestärkt und variable Anteile begrenzt werden.

          Merkel wandte sich abermals gegen den Vorwurf, beim Streit um Managergehälter handele es sich um eine Neiddebatte. „Die soziale Marktwirtschaft hat eben immer auch von ihrer Fähigkeit zum sozialen Konsens gelebt, dass sich alles in einer gewissen Bandbreite abgespielt hat“, sagte sie. Sie bekräftigte ihre Absage an Gesetze zur Begrenzung der Managerbezüge.

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