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Nach Debatte bei Google : Wie sexistisch ist das Silicon Valley?

James Damore ist mit seinem Manifest auch auf viel Beifall gestoßen. Manche meinten, er habe lediglich unangenehme Wahrheiten ausgesprochen und sei dafür bestraft worden. Ein Investor aus der Branche twitterte, Google solle damit aufhören, seiner Tochter beizubringen, ihr Schlüssel zum Erfolg liege nicht im Programmieren, sondern darin, sich bei der Personalabteilung zu beschweren. Auch bei Google selbst gibt es offenbar verschiedene Auffassungen. In einer anonymen Umfrage über die Smartphone-Anwendung Blind gab mehr als die Hälfte der Teilnehmer aus dem Unternehmen an, Damore hätte nicht entlassen werden sollen. Unabhängig von der Sexismus-Frage gab es positive Reaktionen auf das Argument in dem Manifest, Google wie auch andere Unternehmen aus der Branche kultivierten eine progressive Einheitsmeinung, die keinen Raum für konservativere Haltungen biete. Besonders viel Beifall kam freilich aus eher fragwürdigen Kreisen wie der für ihre ultrakonservativen Positionen bekannten „Alt Right“-Szene und deren Zentralorgan „Breitbart News“. Hier wurde Damore zum Helden der freien Meinungsäußerung stilisiert. Aus dem „Alt Right“-Lager kamen auch persönliche Online-Attacken auf Mitarbeiter von Google. Vorstandschef Pichai sah sich deshalb gezwungen, aus Sorge um die Sicherheit seiner Beschäftigten eine für Donnerstag geplante Mitarbeiterversammlung kurzfristig abzusagen.

Google kann sich zugutehalten, einige sehr erfolgreiche weibliche Führungskräfte hervorgebracht zu haben. Sheryl Sandberg hat hier Karriere gemacht, bevor sie von Facebook als Geschäftsführerin rekrutiert und zur wahrscheinlich prominentesten Managerin im Silicon Valley wurde. Marissa Mayer war im Top-Management von Google, bis sie an die Spitze des Wettbewerbers Yahoo wechselte. Susan Wojcicki, eine der ersten Mitarbeiterinnen des Unternehmens, führt heute die Videoseite Youtube. Wojcicki nahm in dieser Woche öffentlich Stellung zu dem Manifest und nannte es „noch ein weiteres entmutigendes Signal an junge Frauen, die ein Informatikstudium anstreben“. Sie erzählte von Momenten in ihrer eigenen Karriere, in denen sie sich wegen ihres Geschlechts benachteiligt gefühlt habe, etwa als man sie nicht zu geschäftlichen Veranstaltungen eingeladen habe. Oder als ihre Ideen erst ignoriert, dann aber von Männern in anderer Formulierung vorgebracht worden seien. Und natürlich sei sie auch oft in Besprechungen unterbrochen worden. Vielleicht aber ja im Gegensatz zu Megan Smith zumindest nicht von Eric Schmidt. Denn den nannte sie ausdrücklich als einen ihrer Förderer.

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