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Nach Debatte bei Google : Wie sexistisch ist das Silicon Valley?

Es sind nicht nur grobe Verfehlungen, die Zweifel an der Chancengleichheit im Silicon Valley aufkommen lassen, sondern auch kleine Alltagsbeispiele. Eine interne Untersuchung bei Facebook etwa kam zu dem Schluss, dass die Programmierarbeit weiblicher Softwareentwickler im Unternehmen häufiger abgelehnt wird als diejenige von männlichen Kollegen. Insgesamt zeichnen die von Technologieunternehmen regelmäßig vorgelegten Diversity-Berichte über die Zusammensetzung der Belegschaft aus Sicht von Frauen ein ernüchterndes Bild. Bei Google waren zuletzt 31 Prozent aller Mitarbeiter weiblich, im Management waren es 25 Prozent und in technischen Positionen 20 Prozent. Die Zahlen haben sich in den vergangenen Jahren nicht allzu sehr verändert, obwohl Google mehr als eine Viertelmilliarde Dollar für Diversity-Initiativen ausgegeben hat. In anderen Unternehmen wie Facebook sind die Frauenanteile ähnlich. Eine 2016 veröffentlichte Studie der staatlichen amerikanischen Gleichstellungsbehörde EEOC kam zu dem Ergebnis, dass der Frauenanteil in der Technologieindustrie weit unter dem Durchschnitt aller Branchen liegt. Das Gleiche gilt für den Anteil von Afroamerikanern und Latinos. Warum diese ethnischen Gruppen jenseits von Voreingenommenheit und Diskriminierung unterrepräsentiert sein könnten, darauf lieferte der Google-Mitarbeiter in seinem Manifest keine Antwort.

Oft ist die Rede davon, dass im Silicon Valley eine „Bro“-Kultur herrscht. „Bro“ kommt von „Brother“, also „Bruder“. Im Sprachgebrauch ist das Wort manchmal nur eine harmlose kumpelhafte Floskel zwischen Männern, es steht aber auch für den Typus eines jungen Mannes mit machohaftem Gehabe. Von der Sorte gibt es unter den Softwareprogrammierern im Silicon Valley offenbar so viele, dass sie den Spitznamen „Brogrammer“ bekommen haben. Nach Beobachtung von Dan Lyons, einem Journalisten und Buchautoren, der zeitweise selbst für ein Start-up-Unternehmen gearbeitet hat, begünstigt eine solche Bro-Kultur vor allem junge, weiße Männer. Ein Bro-Vorstandschef rekrutiere oft Abbilder von sich selbst, also zum Beispiel Leute, mit denen er nach der Arbeit gerne ein Bier trinken würde. Ähnlich investierten Wagniskapitalgeber, die in jüngeren Jahren oft selbst Bro-Unternehmer gewesen seien, vorzugsweise in Gründer, in denen sie sich selbst wiedererkennen. Das alles erschwere die Ausgangslage für Frauen, ob als Gründerinnen oder für die Karriere in einem bestehenden Unternehmen.

„Pipeline“-Problem oder „unbequeme Wahrheit“?

Als Gegenargument, um den Vorwurf von Diskriminierung zu entkräften, wird häufig ein „Pipeline“-Problem angeführt. Damit ist gemeint, es gebe zu wenig Nachschub an Frauen mit einer Ausbildung, die sie für eine Arbeit in der Technologiebranche qualifiziert. Joelle Emerson, die mit ihrer Gesellschaft Paradigm Unternehmen in Diversity-Fragen berät, weist das nicht ganz von der Hand, sieht darin aber nicht den maßgeblichen Grund für den niedrigen Frauenanteil. Denn es erkläre nicht, warum Frauen Studien zufolge in höherem Maße als Männer die Technologiebranche wieder verlassen. Und auch nicht, dass sie in niedrigeren Hierarchieebenen besser vertreten seien als in höheren.

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