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Nach Debatte bei Google : Wie sexistisch ist das Silicon Valley?

Sexismusvorwurf erschüttert das Selbstverständnis im Silicon Valley

Die Führung von Google hat schnell erkannt, wie explosiv die Angelegenheit ist. Vorstandsvorsitzender Sundar Pichai brach seinen Urlaub ab, um sich mit Krisenmanagement zu beschäftigen. Damore wurde umgehend entlassen, Pichai sagte, das Schreiben habe gegen den „Verhaltenskodex“ von Google verstoßen. „Zu sagen, eine Gruppe unserer Kollegen hat Eigenschaften, die sie biologisch weniger geeignet für diese Arbeit macht, ist beleidigend und nicht okay.“

Der Vorwurf der Frauenfeindlichkeit erschüttert das Selbstverständnis im Silicon Valley. Hier legen die Unternehmen schließlich größten Wert darauf, dass nur die Leistung zähle und die besten Ideen gewinnen, egal von wem sie kommen. Dass in Wahrheit Machos den Ton angeben sollen, scheint sich auch nicht recht mit dem Ruf Kaliforniens als Ort der Akzeptanz und Toleranz zu vertragen. Ebenso wenig scheint es zum landläufigen Klischee zu passen, dass das Silicon Valley von unbeholfenen Strebertypen bevölkert wird.

Und doch häufen sich gerade in jüngster Zeit schlagzeilenträchtige Sexismus-Vorwürfe. Der Fahrdienst Uber wurde in diesem Jahr von einer früheren Mitarbeiterin ins Chaos gestürzt, nachdem sie sich in einem Blogeintrag über sein frauenfeindliches Umfeld beschwerte. Sie sagte auch, sie sei von ihrem Vorgesetzten sexuell belästigt worden und habe vergeblich versucht, die Personalabteilung zum Einschreiten zu bewegen. Sie erzählte bizarre Episoden, etwa dass Mitarbeiter ihrer Abteilung einmal als Aufmerksamkeit Lederjacken bekommen sollten, sie dann aber nur für die männlichen Kollegen bestellt worden seien, mit der Begründung, auf Damenjacken habe es wegen des Frauenmangels in der Gruppe keinen Mengenrabatt gegeben. Sie schrieb weiter, der Anteil von Frauen in der Abteilung sei innerhalb von nur etwas mehr als einem Jahr von 25 auf 3 Prozent geschrumpft. Der Blogeintrag war beschämend für den Fahrdienst, der ohnehin schon oft wegen seiner aggressiven Geschäftspraktiken in Verruf gekommen ist. Er setzte eine ganze Kette von Affären in Gang, an deren Ende Vorstandsvorsitzender Travis Kalanick zurücktreten musste.

Eine „tagtägliche Kultur der Geringschätzung“

Im Frühsommer wurde das Silicon Valley von neuen Enthüllungen erschüttert. Eine ganze Reihe von Frauen berichtete in amerikanischen Medien von persönlichen Erlebnissen sexueller Belästigung in der Technologiebranche. Sie gingen dabei sogar noch weiter als die frühere Uber-Mitarbeiterin und nannten die Männer beim Namen, von denen sie sich bedrängt fühlten. Oft handelte es sich dabei um Wagniskapitalgeber, eine mächtige und von Männern dominierte Gruppe im Silicon Valley, die als Geldquelle für Unternehmensgründer unverzichtbar ist. Einige der beschuldigten Investoren nahmen öffentlich Stellung und gaben Fehlverhalten zu. Chris Sacca zum Beispiel wies zwar die konkreten Vorwürfe gegen ihn zurück, sagte aber, er habe zu der „unerbittlichen tagtäglichen Kultur der Geringschätzung“ beigetragen, mit der Frauen in der Branche kämpften.

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