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Für rund 200 Millionen Dollar : Justin Bieber verkauft Musikrechte an Blackstone-Fonds

Justin Bieber im April 2022 Bild: dpa

Viele ältere Musiker wie Bruce Springsteen, Bob Dylan oder Phil Collins haben für viele Millionen Rechte an ihrem Schaffen verkauft. Jetzt gesellt sich mit Justin Bieber ein deutlich jüngerer hinzu.

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          Justin Bieber hat ein umfangreiches Rechtepaket an den von Blackstone finanzierten Fonds Hipgnosis Songs Capital (HSC) verkauft. Das Geschäft umfasst einer Mitteilung von Dienstag zufolge den ihm zustehenden Tantiemenanteil an der Vermarktung seiner Aufnahmen, die Leistungsschutz- und Aufführungsrechte („Neighbouring Rights“) sowie seine Autorenrechte. Die Rechte an Biebers Aufnahmen dürften nach wie vor bei Universal Music liegen.

          Benjamin Fischer
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Finanzielle Details wurden – wie es die Regel ist bei Katalogdeals – nicht mitgeteilt. Dem Branchenmagazin Billboard zufolge soll der Preis bei mehr als 200 Millionen Dollar liegen. Schon im Dezember hatten Billboard und das Wall Street Journal über Gespräche zwischen beiden Parteien berichtet. HSC wird wie auch der börsennotierte Hipgnosis Songs Fonds (HSF) vom Unternehmen Hipgnosis Song Management unter der Leitung des ehemaligen Künstlermanagers Merck Mercuriadis verwaltet.

          Blackstone hatte sich im Oktober 2021 an Hipgnosis Song Management beteiligt und zudem einen eine Milliarde Dollar schweren, nicht börsennotierten Fonds aufgelegt. Hipgnosis zufolge umfasst das Geschäft Rechte-Anteile an mehr als 290 Songs des 28 Jahre alten kanadischen Superstars. Sein jüngstes Album („Justice“) erschien 2021.

          Auch Dylan, Springsteen oder Tina Turner verkauften

          Der börsennotierte und 2018 aufgelegte Hipgnosis Songs Fonds hält unter anderem Rechte am Schaffen von Shakira, Neil Young oder Jack Antonoff, unter anderem bekannt als Produzent und Co-Songwriter von Taylor Swift. Während der letzte Zukauf von HSF allerdings schon eine Weile zurückliegt, übernahm Mercuriadis mit Mitteln aus dem Blackstone-Fonds zuletzt etwa die Rechte an Texten und Kompositionen an den von Justin Timberlake (mit)verfassten Songs und einen Teil der Autorenrechte von Leonard Cohen.

          Neben Blackstone hatten in den vergangenen Monaten auch andere große Finanzinvestoren (wieder) in Musikrechte investiert, darunter KKR (alleine und über eine Partnerschaft mit der Bertelsmann-Musiksparte BMG), Pimco, Blackrock oder Apollo Global Management. Mit den steigenden Zinsen hatte sich der Markt zuletzt etwas abgekühlt, große Deals aber gibt es weiterhin. Phil Collins, Tony Banks und Mike Rutherford veräußerten Ende September 2022 ein umfangreiches Rechtepaket an das US-Musikunternehmen Concord Music. Dem „Wall Street Journal“ zufolge lag der Preis bei mehr als 300 Millionen Dollar.

          Der Reiz von Katalogen ist nach wie vor groß, da allen voran der Streaming-Markt weiter wächst und sich zudem diverse weitere neue digitale Vermarktungswege anbieten, über die sich die Einnahmen ebenfalls steigern lassen. „Was aktuell passiert ist: Es gibt eine Menge Künstler, die zwar verdauen mussten, dass sie den Peak vielleicht verpasst haben, aber wenn man nicht das Niveau von 2021 als Maßstab nimmt, sondern beispielsweise das Niveau von 2011 dann sind wir 100 Prozent darüber“, sagte Bertelsmanns Musikchef Hartwig Masuch Ende Dezember der F.A.Z. Sobald sich die erste Enttäuschung gelegt habe, werde der Markt wieder Fahrt aufnehmen – „nicht zuletzt, weil so viel relevantes Repertoire heute im Besitz von Leuten ist, die zwischen 70 und 80 Jahre alt sind und beispielsweise ihr Erbe einfacher regeln wollen“. Warner Music hatte just am Montag die Übernahme von 12 Studioalben sowie Live-Aufnahmen und Compilations der Progressive Rock-Band Yes bekanntgegeben.

          Justin Bieber zählt mit aktuell mehr als 70 Millionen monatlichen Hörern auf dem Musikstreaming-Marktführer Spotify zu den derzeit beliebtesten Musikern überhaupt. Sein Debüt erschien 2009, damit ist sein Katalog deutlich jünger als viele der zuletzt besonders beachteten Rechtepakete etwa von Bob Dylan (er verkaufte an Universal und Sony), Bruce Springsteen ( Sony und Eldridge Industries), Tina Turner (BMG), Sting (Universal Music), Stevie Nicks (Primary Wave) oder David Bowie (Warner Music). Es gab und gibt auch Deals von jüngeren, beispielsweise verkaufte die 2008 gegründete Band Imagine Dragons im Sommer 2020 ihre Autorenrechte an Concord, doch Kataloge von älteren Musikern machten zuletzt den Großteil der Verkäufe aus – aus gutem Grund: Gibt es an Biebers Popularität aktuell keine Zweifel, ist der Altersunterschied dennoch ein Faktor, der bei Verkäufen eine Rolle spielt.

          Ältere Kataloge kommen in der Regel auf in Relation gesehen höhere Preise, bemessen an den jährlichen Tantiemen-Einspielungen eines Pakets (Multiples), da bei diesen die jährlichen Einnahmen durch die über viele Jahre verfügbaren Daten gut kalkulierbar sind. Jüngere Songs, zu denen auch die von Bieber zählen, müssen zunächst noch die, wie es in der Branche heißt, „Verfallskurve“ durchschreiten, um auf ein von aktuellen Entwicklungen unbeeinflusstes Niveau zu kommen. Mit rund 200 Millionen Dollar kommt Bieber trotz eines wohl geringeren Multiples als bei Verkäufen älterer Künstler dennoch auf einen stolzen Preis – für einen Künstler seiner Generation ohnehin. 

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