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DAZN-Chef im F.A.Z.-Gespräch : „Wir sind ab jetzt die Nummer eins im Fußball“

Das Stadion als Studio: Am Freitag geht die Fußball-Bundesliga wieder los. Mit dem Auftaktspiel Bayern gegen Mönchengladbach. Bild: imago images/Team 2

Der Streaming-Dienst DAZN überträgt in der neuen Saison mehr Spiele aus Bundesliga und Champions-League denn je. Das ist eine Kampfansage.

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          Seinen Kader für die neue Saison hat Thomas de Buhr nur punktuell verstärkt. Allerdings stellt die Verpflichtung von Laura Wontorra für den Streaming-Sender DAZN durchaus einen Stilbruch dar. Gehört die Moderatorin doch zu jener Riege omnipräsenter Sportjournalisten, die auch für Spiel- oder Kochshows vor der Kamera stehen. Zur DNA von DAZN hat dagegen immer gehört, sich durch fachlich kompetente Eigengewächse von der glamourösen Konkurrenz abzusetzen. „Daran hat sich auch nichts geändert“, beteuert Deutschland-Geschäftsführer de Buhr.

          Sven Astheimer
          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Die alte Mannschaft sei komplett an Bord geblieben, selbst Ex-Profi Sandro Wagner, dessen Talent als Kommentator DAZN einst entdeckt und entwickelt hat und dessen klare Worte als ZDF-Kommentator für viele Zuschauer einen der wenigen deutschen Höhepunkte während der vergangenen Europameisterschaften bedeutete. Obwohl er mittlerweile die Spielvereinigung Unterhaching trainiert, wird der einstige Mittelstürmer des FC Bayern auch in der neuen Spielzeit mit seinem fachlichen Senf die Spiele auf DAZN würzen. Den Wontorra-Transfer begründet de Buhr auch damit, „dass wir in der kommenden Saison einfach viel mehr Spiele zeigen werden und Laura dafür eine ideale Wahl ist“.

          Thomas de Buhr
          Thomas de Buhr : Bild: F.A.Z.

          DAZN stand auch wegen seines sim­plen Settings bislang bei Fußball-Puristen hoch im Kurs. Es gab weder schicke Studios noch Moderatoren in Uniformen. Daran wird sich in der kommenden Saison ein bisschen etwas ändern: Der Vorlauf vor einer Sendung wird von 15 auf 30 Minuten moderat erhöht. Mit dem neuen „DAZN Space“ wird es zudem auch eine neue Studio-Umgebung geben, aus der verschiedene Show-Formate produziert werden. Dazu gehören eine tägliche Fußball-Show sowie an Samstagnachmittagen eine Sendung mit dem sinnigen Namen „TippiTakka“, die auch Gaming­elemente enthalten wird. „Aber wir stehen weiterhin für das, was uns erfolgreich gemacht hat: Das Stadion ist unser Studio“, verspricht de Buhr, um möglichen Bedenken der zahlenden Kundschaft vorzubeugen.

          Der 53 Jahre alte Manager, der vor seinem Start bei DAZN vor drei Jahren unter anderem für Twitter, Google und RTL gearbeitet hat, gibt sich vor dem Anpfiff zur neuen Saison selbstbewusst. Wenn an diesem Freitag die Spielzeit 2021/22 mit der Partie zwischen Borussia Mönchengladbach und Bayern München beginnt, nimmt der Wachwechsel unter den Bezahlsendern für Sport in Deutschland Gestalt an. DAZN fordert den bisherigen Platzhirsch Sky – früher Premiere – offen heraus.

          „Wir sind ab jetzt die Nummer eins im Fußball“, lautet de Buhrs Kampfansage im Gespräch mit der F.A.Z. Der Emporkömmling, der am Dienstag seinen gerade mal fünften Geburtstag hierzulande feiert, stoße in eine neue Dimension vor. Der Grund für de Buhrs Zuversicht speist sich aus der jüngsten Vergabe der TV-Rechte für die Spielzeiten bis 2025. DAZN erstand dabei die exklusiven Live-Rechte für die Freitags- und Sonntagsspiele. Sky, dem nur noch die Bastion der Samstagsspiele bleibt, kommt künftig noch auf 200 Spielübertragungen, DAZN folgt mit 106 Partien.

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