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Dax-Vorstände : 650 Prozent mehr Gehalt in 20 Jahren

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Chefs der größten börsennotierten Unternehmen können eine ausgesprochen positive Gehaltsbilanz ziehen: Sie haben ihre Vergütung deutlich stärker gesteigert als andere Führungskräfte. Das hat auch damit zu tun, dass ihre Entlohnung stärker an den Firmenerfolg geknüpft wurde.

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          Wenn am Dienstag der Deutsche Aktienindex Dax sein zwanzigjähriges Jubiläum feiert, können die Vorstände der größten börsennotierten Unternehmen eine ausgesprochen positive Gehaltsbilanz ziehen. Um rund 650 Prozent sind die Gehälter der Dax-Vorstände in diesem Zeitraum gestiegen, zeigt eine Auswertung der Unternehmensberatung Kienbaum.

          Demnach verdiente ein Vorstand im Jahr 1987 im Durchschnitt insgesamt 445.800 Euro. Im vergangenen Jahr waren es 3,33 Millionen Euro. Die Millionenschwelle durchbrachen die Gehälter im Jahr 1999. In die Jubeljahre der New Economy fällt auch die bislang höchste jährliche Gehaltssteigerung: 42 Prozent von 1999 auf 2000.

          Mit den Gewinnen kletterten die Gehälter

          Weniger üppig als für die Dax-Vorstände fielen in den vergangenen zwanzig Jahren die Zuwächse für andere Führungskräfte aus. Die Geschäftsführer von nichtbörsennotierten Unternehmen konnten den Kienbaum-Datenbanken zufolge ihre durchschnittlichen Gesamtgehälter von 132.000 Euro auf 268.000 Euro steigern, also gut verdoppeln. Die Verdienste von leitenden Angestellten stiegen in den zwei Jahrzehnten um rund 80 Prozent von im Schnitt 62.000 Euro im Jahr 1987 auf zuletzt 111.000 Euro.

          DAX-Vorstände können eine positive Gehaltsbilanz ziehen
          DAX-Vorstände können eine positive Gehaltsbilanz ziehen : Bild: ddp

          Die hohen Zuwächse für die Dax-Vorstände führt Kienbaum maßgeblich auf die veränderte Vergütungsstruktur zurück. In den achtziger Jahren habe das Festgehalt meist zwischen 80 und 100 Prozent der gesamten Vergütung ausgemacht, sagt Alexander von Preen, Partner von Kienbaum Management Consultants. Doch dann seien die Grundgehälter in den angelsächsischen Ländern stärker steuerlich belastet worden, woraufhin mehr und mehr variable Vergütungskomponenten auf den Chefetagen Einzug gehalten hätten. Die Folge: Mit den Gewinnen kletterten die Gehälter. Heute machen die erfolgsabhängigen Bestandteile bis zu 80 Prozent der Gesamtvergütung von Top-Managern aus.

          Eine Laufzeit von drei bis fünf Jahren

          „Die stärkere Erfolgsorientierung ist richtig“, findet Preen. Der Vergütungsspezialist sieht aber auch Optimierungsbedarf: „Ich wünsche mir mehr unternehmerische Beteiligung und damit eine langfristigere Erfolgsorientierung.“ Nach seiner Beobachtung bemisst sich derzeit rund die Hälfte der variablen Vergütung nach kurzfristigen Kennzahlen, etwa dem Gewinn im abgelaufenen Geschäftsjahr.

          Die andere Hälfte orientiere sich an der langfristigen Unternehmensentwicklung. Wobei es meist um einen Zeitraum von fünf bis sieben Jahren gehe und nicht über Jahrzehnte – jene Größenordnung, in der selbständige Unternehmer denken. Vorstandsverträge haben in der Regel eine Laufzeit von drei bis fünf Jahren.

          In den Schriftstücken ist lediglich ein jährliches Grundgehalt festgelegt. „Eine sichere Erkenntnis, wie hoch das Gesamteinkommen ausfällt, haben Manager bei Vertragsabschluss nicht“, sagt Werner Penk, Partner der Personalberatung Heidrick & Struggles. Welche variablen Komponenten es gibt und wonach sich diese bemessen, regeln separate Zusatzvereinbarungen für die Führungsriege.

          Imageaspekte gewinnen an Bedeutung

          Die Kriterien verändern sich langsam, aber sicher, beobachten die Berater. Seit etwa anderthalb Jahren zählten nicht nur harte Zahlen wie Aktienkurs, Gewinn und Umsatzwachstum. „Etwa ein Viertel des variablen Anteils bemisst sich nach weichen, qualitativ-strategischen Faktoren wie der Korruptionsbekämpfung oder dem gesellschaftlichen Engagement eines Unternehmens“, sagt Kienbaum-Partner Preen. In einigen Unternehmen seien variable Vergütungskomponenten auch an die Auflage gekoppelt, dass ein Vorstand während seiner Amtszeit ein oder zwei interne Nachfolger für sich aufbauen müsse.

          Headhunter Penk beobachtet ebenfalls Verschiebungen. Imageaspekte gewännen an Bedeutung: „In manchen Branchen spielen plötzlich auch Faktoren wie die Markenbekanntheit eine Rolle.“ Das gelte nicht nur für Führungskräfte in der schnelllebigen Konsumgüterindustrie, in der Marken traditionell eine besonders wichtige Rolle spielen, sondern beispielsweise auch bei Autoherstellern. Dass irgendwann die weichen Kriterien die Zahlen aus dem Rechnungswesen als Maßstab ablösen, glaubt Penk aber nicht. „Kennzahlen wie Profitabilität und Aktienkurs sind die wichtigsten Stellgrößen für die variable Vergütung und werden das auch in Zukunft sein. Das motiviert die Manager, weckt ihren Unternehmergeist.“

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