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Dax-Pensionen : Fürstliche Altersvorsorge für Konzernchefs

Einen Luxusruhestand garantiert die Deutsche Bank ehemaligen Vorständen. Bild: dapd

Konzerne legen jedes Jahr Milliarden zurück für frühere Chefs. Die Pensionsverpflichtungen der Lufthansa etwa sind doppelt so hoch wie der Marktwert des Unternehmens.

          2 Min.

          Deutschlands Konzerne lassen sich die Altersvorsorge ihrer Vorstände Milliarden kosten. Einer Studie zufolge summierten sich die Pensionsrückstellungen der 30 Dax-Unternehmen für ihre früheren Vorstände im vergangenen Jahr auf 2,8 Milliarden Euro. Jeder Konzern zahlte im Durchschnitt Pensionen in Höhe von 7,4 Millionen Euro an seine einstigen Spitzenmanager, das sind fast 6 Prozent mehr als im Jahr davor. Hinzu kamen 2,9 Millionen Euro, die jeder Konzern im Schnitt für das spätere Ruhegeld seiner heutigen Führungsmannschaft zurücklegte.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie des Vergütungsberaters Heinz Evers im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Der Betrag, den die Konzerne als Pensionen an ihre früheren Vorstände zahlen, entspricht mehr als einem Drittel jener Summe, mit der die Unternehmen ihre aktiven Vorstandsmitglieder entlohnen. Um für deren Alter vorzusorgen, stellten die Konzerne durchschnittlich 450.000 Euro je Manager zurück, was 54 Prozent des Festgehalts entspricht.

          Die Zahlen kommen in einer Zeit, in der das Thema Altersbezüge in der öffentlichen Debatte immer bedeutender wird. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat gerade erst im Fernsehduell mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einen Vorstoß gemacht, den Zuwachs bei den Beamtenpensionen zu begrenzen. Zudem ergab eine Auswertung von FAZ.NET, dass die Ausgaben des Bundes in den vergangenen Jahren vor allem deshalb gestiegen sind, weil der Bund immer mehr Geld zur gesetzlichen Rentenversicherung zuschießen muss. Dabei sind die Beträge je Rentner überschaubar: Ein gewöhnlicher Arbeitnehmer, der 45 Jahre Beiträge eingezahlt hat, erhält monatlich 1266 Euro in den alten und 1158 Euro in den neuen Bundesländern.

          Gestiegene Gehälter - gestiegene Pensionen

          Dass die Dax-Konzerne für ihre Vorstände Summen zurückstellen, die im Vergleich dazu astronomisch anmuten, führt Vergütungsberater Evers auf zwei Effekte zurück: Zum einen müssen die Konzerne wegen des niedrigen Zinsniveaus höhere Rückstellungen bilden, um ihre einst getroffenen Versorgungsversprechen einzuhalten. Zum anderen sind die Pensionszusagen in der Regel an die Festgehälter der Manager geknüpft - und die sind seit den neunziger Jahren deutlich nach oben geklettert.

          Nach Evers’ Einschätzung ist nun gleichwohl ein Ende des Aufwärtstrends im Bereich der Pensionen erreicht: „Der Wert der Versorgungszusagen vermindert sich infolge höherer Lebenserwartung, kürzerer Dienstzeiten und zunehmenden Kostendrucks auch bei den Vorständen tendenziell“, sagte er. Außerdem werde mit neu eingestellten Managern oft ein geringeres Leistungsniveau vereinbart, und die Altersgrenze sei vielfach über die früher üblichen 60 Jahre angehoben worden.

          Lufthansa - ein Pensionsfonds mit Flugzeugen

          Die Unternehmen, die 2012 das meiste Geld für Pensionen und Rückstellungen für Vorstände aufwendeten, waren der Studie zufolge die Deutsche Bank (30,8 Millionen Euro), Siemens (21,5 Millionen) und Thyssen-Krupp (18,3 Millionen). Die deutsche Lufthansa bewegt sich mit 7,3 Millionen Euro im Mittelfeld.

          Der Flug-Konzern hatte diese Woche angekündigt, aus Spargründen die betriebliche Altersvorsorge für die Belegschaft zu beschränken. Die aktuellen Pensionsverpflichtungen des Konzerns, der an der Börse 5,9 Milliarden Euro wert ist, belaufen sich auf 11 Milliarden Euro. Hinzu kommen 2,4 Milliarden Euro Rückstellungen für die interne Übergangsversorgung von Piloten, Flugpersonal oder Führungskräften, um die Zeitspanne zwischen einer Frühpensionierung und dem Eintritt ins Rentenalter zu überbrücken.

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