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Beiersdorfchef in Europa vorn : Dax-Chefs erhalten Rekordgehälter

Stefan Heidenreich hat sich 2018 einen großen Schluck genehmigt. Er hat so viel verdient, wie noch kein Dax-Chef vor ihm. Bild: EPA

Die Dax-Chefs haben noch nie mehr verdient. Das liegt auch am Vorstandsvorsitzenden von Beiersdorf, der so viel erhält wie noch kein Dax-Chef vor ihm. Doch vielleicht werden die Zahlen bald nicht mehr veröffentlicht.

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          Die ausbezahlten Gehälter der Vorstandsvorsitzenden der Dax-Unternehmen sind im vergangenen Jahr trotz stagnierender Unternehmensgewinne auf einen Rekordwert gestiegen. Im Durchschnitt bekamen die Chefs der größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland nach der Zuflussrechnung rund 7,5 Millionen Euro – das sind 3,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung der Vergütungsberatung HKP.

          Tillmann Neuscheler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Spitzenverdiener unter den Dax-Chefs war im vergangenen Jahr der langjährige Beiersdorf-Vorstandsvorsitzende Stefan Heidenreich, der bis zum Jahreswechsel den Chefposten inne hatte. Der 56 Jahre alte Manager hat nach der vom Corporate-Governance-Kodex empfohlenen Zuflussrechnung fast 23,45 Millionen Euro bekommen. „Einen so hohen Auszahlungsbetrag hat es im Dax bisher noch nie gegeben“, sagte der Vergütungsexperte Michael Kramarsch von der Unternehmensberatung HKP bei der Vorstellung der Studie.

          Für seine Arbeit im Jahr 2018 wurden Heidenreich zwar lediglich 5,5 Millionen Euro gewährt, doch er profitierte von der Auszahlung eines langfristigen Bonusprogramms (LTP), das über seine gesamte Amtszeit von sieben Jahren lief und nun rückwirkend fällig wurde: Allein aus diesem Programm bekam er 21 Millionen Euro – im Durchschnitt 3 Millionen Euro für jedes Jahr an der Spitze der Beiersdorf AG. Mit seinem Gehalt führt Heidenreich laut der Studie bislang auch die Liste der Spitzenverdiener in Europa an.

          Aktuelle und ehemalige Vorstände deutscher Dax-Unternehmen feiern am 2. Juli 2018 30 Jahre Dax. 2018 konnten sich die Dax-Vorstandschefs über steigende Gesamtvergütungen freuen. Bilderstrecke

          Auch Allianz-Chef Oliver Bäte übersprang in diesem Jahr die 10-Millionen-Marke, weil auch bei ihm ein langfristiger Bonus fällig geworden ist. Bäte belegt damit Rang zwei auf der Liste der bestbezahlten Dax-Chefs. Der Spitzenreiter der Vorjahre, SAP-Chef Bill McDermott, bekam im vergangenen Jahr lediglich 9,8 Millionen Euro. Insgesamt zeigt sich, dass die langfristigen Vergütungsbestandteile immer wichtiger werden. Sie seien in den vergangen fünf Jahren stetig gestiegen, sagt Kramarsch. Gemeinsam mit der Altersvorsorge machen sie inzwischen ungefähr 60 Prozent der Gesamtvergütung der deutschen Spitzenmanager aus. Demgegenüber sind die kurzfristigen Jahresboni rückläufig – auch weil sich die Konjunktur im vergangenen Jahr eingetrübt hat.

          Gut verdient haben übrigens auch Spitzenmanager außerhalb des Dax. So erhielten die drei Vorstandschefs des Online-Modehändlers Zalando im vergangenen Jahr nach der vom  Kodex empfohlenen Zuflussrechnung insgesamt gut 50 Millionen Euro: Rubin Ritter flossen 20,2 Millionen Euro zu, Robert Gentz und David Schneider jeweils knapp 15 Millionen. Auch sie profitierten von langfristigen Vergütungsprogrammen, die nach mehreren Jahren fällig wurden.

          Trotz der Rekordwerte bei den Zuflüssen hält der Vergütungsexperte Helmuth Uder von der Unternehmensberatung Willis Towers Watson die Gehälter für angemessen. Für die Öffentlichkeit irritierend ist, dass es für die Gehälter unterschiedliche Rechenmethoden gibt. Neben den Zuflüssen betrachten andere Rechenwerke lediglich die für ein bestimmtes Jahr „gewährten“ Gehaltsbestandteile – also ohne die vollen Langfrist-Boni, die für mehrere Jahre ausbezahlt werden. Nach dieser im Handelsgesetzbuch vorgeschriebenen Rechnung, liegt in diesem Jahr SAP-Chef McDermott mit einem „gewährten“ Jahresgehalt von 11,7 Millionen Euro vorn.

          „Die Vergütung ist in den vergangenen Jahren im Schnitt nicht gestiegen“, sagt Helmuth Uder mit Blick auf die gewährte Vergütung. Er hält den alleinigen Blick auf die Zuflüsse für verkürzt, weil schnell der Eindruck entstehe, jemand hätte in einem Jahr ungebührend viel verdient, obwohl sich ein Teil des Verdienstes auf mehrere Jahre bezieht. Kramarsch hält dagegen: Die Zuflussrechnung komme der „Vergütungswahrheit am nächsten“. Ohne sie wären seit ihrer Einführung 2013 knapp 47 Millionen Euro an Vergütung allein für die Chefs der 30 Dax-Unternehmen überhaupt nicht sichtbar geworden. Dass nun erwägt werde, die Zufluss-Tabellen im Zuge der Kodex-Reform zu streichen, sei ein großer Fehler.

          Streit um Mustertabellen

          Im Entwurf zur Kodex-Reform fehlen die Mustertabellen mit der Darstellung der zugeflossenen Entlohnung. Der Kodex-Vorsitzende Rolf Nonnenmacher begründet die geplante Streichung damit, dass solche Tabellen künftig schon von der europäischen Aktionärsrechterichtlinie verlangt würden, die Empfehlung im Kodex sei daher eine unnötige Doppelung. Kramarsch bezweifelt das. Er hält die Streichung für einen „erheblicher Rückschritt für die Transparenz“ und fragt sogar rhetorisch, ob das nicht ein Rückschritt in die „Transparenzsteinzeit“ sei? Mit seiner Kritik an der vorgesehenen Streichung steht der Vergütungsexperte nicht alleine da: Auch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz hat sich ausdrücklich für eine Beibehaltung der Mustertabellen ausgesprochen.

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