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David Montgomery im Gespräch : „Die Süddeutsche Zeitung passt zu uns“

  • Aktualisiert am

„Die Zeitung allein trägt nicht mehr” Bild: Christian Thiel

Seit dem Kauf der „Berliner Zeitung“, ist David Montgomery zu einem der umstrittensten Verleger im Land geworden. Im F.A.Z.-Interview unterstreicht er sein Interesse an der zum Verkauf stehenden „Süddeutschen Zeitung“ in München.

          Seit David Montgomery mit seinem Konzern Mecom im Jahr 2005 die „Berliner Zeitung“ gekauft hat, ist der 59 Jahre alte harte Sanierer zu einem der umstrittensten Zeitungsverleger im Land geworden. Im F.A.Z.-Interview unterstreicht er sein Interesse an der zum Verkauf stehenden „Süddeutschen Zeitung“ in München.

          Herr Montgomery, kein Verleger in Deutschland wird angefeindet wie Sie. Was ist da schiefgelaufen?

          Die Leute hier haben meinen Namen gegoogelt und 15 Jahre alte, tendenziöse Geschichten darüber gefunden, wie ich die Zeitungsgruppe „Mirror“ in Großbritannien restrukturiert habe. Dieses verzerrte Bild wurde ungeprüft übernommen. Dabei war der „Mirror“ damals fast pleite und ist nicht mit der „Berliner Zeitung“ vergleichbar. Wir haben heute ganz andere Herausforderungen.

          Berlin ist kein Notfall?

          Nein, natürlich nicht. Aber die Zeitungsbranche muss sich transformieren, das ist unbestreitbar, und dabei ist durchaus Eile geboten. Die Zeitungsleser werden älter, die jüngeren greifen immer weniger zur Zeitung. Wir müssen reagieren.

          Leute, die mit Ihnen zusammengearbeitet haben, sagen, Sie könnten Ihre Ideen leichter durchsetzen, wenn Sie nicht immer mit dem Kopf durch die Wand wollten. Warum sind Sie ein Hardliner?

          Diese Bezeichnung passt gar nicht. Mir ist klar, dass wir diese Transformation unseres Geschäfts nur hinbekommen, wenn die Mitarbeiter mitziehen. Ohne deren Einsatz und Kreativität geht es nicht.

          Bei Ihrer „Berliner Zeitung“ droht aber Streit mit der Belegschaft, die Kreativität abzuwürgen.

          Es gibt Mitarbeiter, die sich gegen Veränderungen sperren. Die melden sich lauter zu Wort und bekommen mehr Gehör als andere. Aber die überwältigende Mehrheit der Belegschaft sieht das anders und zieht mit.

          Warum ist dann die verkaufte Auflage der „Berliner Zeitung“ in den vergangenen zwei Jahren weiter gefallen?

          Die „Berliner Zeitung“ verzeichnete zuletzt einen minimalen Rückgang. Das ist eine ordentliche Entwicklung, verglichen mit der Vergangenheit und dem Gesamtmarktumfeld. Aber insgesamt bestätigt die Auflagenentwicklung - bei uns, bei unseren Wettbewerbern, in Berlin und darüber hinaus - natürlich unsere Grundthese, dass sich die Zeitungsbranche transformieren muss.

          Können Sie nachvollziehen, dass sich Mitarbeiter Sorgen um die journalistische Unabhängigkeit machen, weil ihr Geschäftsführer Josef Depenbrock zugleich Chefredakteur ist?

          Nein. Bei den fundamentalen Veränderungen, vor denen die Zeitungsbranche steht, ist es sehr wichtig, dass in der Geschäftsleitung Spezialisten für Inhalte sitzen. Niemand hat mir bisher Beispiele dafür genannt, dass die inhaltliche Qualität unserer Zeitungen unter Josef Depenbrock gelitten hätte. Er weiß genau, dass es bemerkt würde, wenn er versuchen würde durch Gefälligkeitsjournalismus mehr Anzeigen zu bekommen. Das würde sofort Schlagzeilen machen, und diese Kontrolle garantiert die journalistische Unabhängigkeit.

          Sie selbst hatten angekündigt, dass Redaktion und Anzeigenabteilung enger zusammenzurücken. Was heißt das?

          In den Redaktionen wurde lange die wirtschaftliche Realität verleugnet. Das war völlig in Ordnung, solange das Zeitungsgeschäft faktisch noch eine Lizenz zum Gelddrucken war. Diese Zeit ist längst vorbei, und das können wir nicht ignorieren.

          Angeblich verstößt die Doppelfunktion Depenbrocks gegen das von Ihnen selbst unterschriebene Redaktionsstatut.

          Nein, das stimmt nicht.

          Was meinen Sie damit, wenn Sie sagen, die Journalisten müssten ihr Geld selbst verdienen?

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