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Pionier auch fern der Musik : Von Bowie-Bonds und anderen Ideen

David Bowie im Jahr 1976: Der Brite schlug auch abseits der Musik gerne neue Wege ein. Bild: Picture Alliance

Warner Music besitzt nun David Bowies Autorenkatalog und wird seine Werke zu vermarkten wissen. Auch was das angeht, war der Künstler selbst seiner Zeit stets voraus.

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          Interesse haben mit Sicherheit auch diverse Finanzinvestoren gehabt, doch den Zuschlag für die Rechte an den Texten und Kompositionen der Werke von David Bowie erhielt letztlich Warner Music. Rund 250 Millionen Dollar soll die Verlagssparte des drittgrößten Musikunternehmens der Welt dafür an die Erben des am 10. Januar 2016 verstorbenen Superstars gezahlt haben. Mit Blick auf Bowies Aufnahmen arbeiten Warner und die Nachlassverwalter des Künstlers schon länger zusammen.

          Benjamin Fischer
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Erst im September schlossen beide Parteien eine neue Lizenzvereinbarung, mittels derer Warner ab 2023 die Vermarktung sämtlicher seit 1968 entstandenen Aufnahmen übernimmt. Bowies neuere Werke aus der Zeit ab dem Jahr 2000 waren über Sony Musics Label Columbia Records erschienen. Doch offensichtlich läuft die Partnerschaft mit der Nummer zwei der Branche aus, und die Erben setzen voll und ganz auf Warner. Mit einem Lizenzdeal behalten sie faktisch die Rechte an den Aufnahmen und ihre Ansprüche auf Tantiemen aus der Vermarktung dieser.

          Bowie-Bonds fanden Nachahmer

          Bowie selbst hatte im Verlauf seiner Karriere zunehmend den Fokus auf die Kontrolle seiner Rechte gelegt. Auch um diese komplett zu halten, setzte er 1997 in Zusammenarbeit mit David Pullman auf eine besondere Lösung. Besichert mit den künftigen Tantiemen aus der Vermarktung seiner alten Aufnahmen wurden die sogenannten „Bowie-Bonds“ aufgelegt, was dem Namensgeber 55 Millionen Dollar einbrachte. Dieses Instrument nutzte nicht nur der als Musiker stets innovative Bowie, um seinem ehemaligen Manager dessen Anteile an den alten Aufnahmen abzukaufen.

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          Unter anderem die Heavy-Metal-Band Iron Maiden gab in der Folge ebenfalls Anleihen aus. Allerdings sollte die nahende Krise der Musikindustrie den Ratings der Bonds schwer zu schaffen machen. Durch illegale Download-Plattformen wie Napster und die Möglichkeit, CDs zu kopieren, brachen die Verkaufszahlen von Tonträgern zusehends ein. Bowie selbst sagte angesichts dieser Entwicklung 2002 der „New York Times“, Musik werde künftig wie fließendes Wasser und Strom betrachtet werden und Urheberrechte in 10 Jahren wohl nichts mehr wert sein.

          Internetdienst als Konkurrenz zu AOL und Co

          Der anhaltende Streaming-Boom gibt ihm mit Blick auf die erste Einschätzung recht – bloß anders, als er es damals wohl gemeint haben wird. Mit Spotify und Co haben Hörer permanent Zugriff auf eine Bibliothek aus mehr als 70 Millionen Songs. Undenkbar zu den Hochzeiten etwa der CD, aber mittlerweile für viele Musikfans völlig normal.

          Das Streaming ist gleichzeitig auch der Hauptgrund dafür, dass für Rechte an bewährten Katalogen seit einiger Zeit wieder sehr viel Geld ausgegeben wird. Schließlich fällt mit jedem Stream eines Songs eine kleine Summe an – ganz zu schweigen von der Nutzung von Werken in Filmen, Serien oder anderen digitalen Kanälen wie Tiktok oder Peloton. Hier hat die Entwicklung Bowies Einschätzung aus 2002 widerlegt und seinen Erben nunmehr mit einem Schlag viele Millionen Dollar eingebracht.

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          Freilich hat Bowie das Internet keineswegs verteufelt, sondern vielmehr seine Möglichkeiten früh erkannt. Schon 1996 veröffentlichte er auf seiner Website den Song „Telling Lies“ – auf mehr als 300 000 Downloads kam das Werk. 1997 wiederum versuchte er sich an einer Liveübertragung („cybercast“ genannt) eines Konzerts in Boston, bevor er dann zum 1. September 1998 zunächst in Nordamerika seinen eigenen Internetdienst startete: Bowienet. Das Angebot fungierte als Konkurrenz zu Providern wie AOL. Zudem konnten Nutzer dort neben einem Newsfeed und Live-Chats mit Bowie beispielsweise durch eine Sammlung an Fotos, Videos und Interviews des Künstlers stöbern.

          Revival der Bonds-Idee

          Obendrein erhielten sie gegen eine monatliche Gebühr eine eigene Bowienet-E-Mail-Adresse. Mit der Idee, Künstler und Fans auf diese Weise zusammenzubringen, war Bowie seiner Zeit einmal mehr voraus. Das gerade unter Musikern lange beliebte soziale Netzwerk Myspace startete zum Beispiel erst 2003. Auch in einem Bereich, der heute mit Blick auf das Metaversum gerade von Warner Music als weiteres vielversprechendes Vermarktungselement für Musik gesehen wird, war Bowie schon früh präsent. Im Jahr 1999 steuerte er den Soundtrack zum Videospiel „Omikron: The Nomad Soul“ bei und war in diesem auch gleich noch als Figur zu sehen.

          Die Zeit von Bowienet als Internetprovider endete 2006, und auch die Seite selbst geriet zunehmend aus dem Fokus. Bowies Musik ist freilich weiterhin beliebt, und Warner wird auch in Zukunft verschiedenste Neuauflagen seiner 27 Studioalben (das postum veröffentlichte „Toy“ miteinberechnet) anbieten sowie die Werke anderweitig vermarkten.

          Derweil hat im Zuge des anhaltenden Wachstums der Musikindustrie und des Ansturms auf lukrative Rechte auch die Bonds-Idee neue Nachahmer gefunden. Wie Bloomberg zuletzt berichtete, will die Private-Equity-Gesellschaft Northleaf Capital über Asset-Backed Securities rund 304 Millionen Dollar einsammeln. Als Sicherheit dienen Einnahmen aus der Wahrnehmung der Aufnahmen- sowie Autorenrechte von 52 729 Songs – unter anderem solchen aus der Feder des The-Who-Frontmanns Pete Townshend.

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