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Deal mit Australien bedroht : Geheime U-Boot-Daten der französischen Staatswerft im Netz

Mehr als 22.000 Seiten teilweise sensibler Daten und Pläne der französischen Staatswerft DCNS sind im Internet veröffentlicht worden. Bild: Reuters

Ein französischer Konzern schnappte Thyssen-Krupp den weltgrößten Auftrag für U-Boote in Australien weg. Nun tauchen Baupläne französischer Boote im Internet auf. Betroffen ist nicht nur Australien.

          Ein riesiges Datenleck stellt den größten Unterseeboot-Auftrag der Welt in Frage: Mehr als 22.000 Seiten teilweise sensibler Daten und Pläne der französischen Staatswerft DCNS für den Bau von U-Booten in Indien sind im Internet veröffentlicht worden.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Australien hatte DCNS bei der Vergabe des Auftrages für den Bau von zwölf Booten der deutschen Werft Thyssen-Krupp Marine Services (TKMS) vorgezogen. Im Bieter-Wettstreit wurde unter anderem kolportiert, die Deutschen ließen sich von China ausspionieren, die Boote seien deshalb nicht sicher. Genau dieser Vorwurf trifft nun die Franzosen. Das Auftragsvolumen in Australien liegt bei rund 50 Milliarden Australischen Dollar (33,7 Milliarden Euro).

          Geheime amerikanische Technik

          Von dem jetzigen Leck sind Staaten rund um die Erde betroffen: In Indien werden die Boote der französischen Scorpene-Klasse für rund 3 Milliarden Dollar gerade nach vier Jahren Verzögerung fertiggestellt. Die gleiche Klasse haben die Franzosen auch an Brasilien, Chile und Malaysia verkauft, die nun auch ihre Daten bis hin zu geheimen Angaben über die Kampfkraft der Boote im Internet lesen können.

          Die Dokumente betreffen aber auch das amerikanische Waffensystem. Washington ist extrem vorsichtig, Daten aus dessen Umfeld zu veröffentlichen. So bauen amerikanische Ingenieure die Steuerung der gelieferten und mit Amerikas Flotte abgestimmten Systeme in einer „Black-Box“ ein, die auch den heimischen Technikern aus Australien oder Indien verschlossen bleibt.

          Die konservative Zeitung „The Australian“, die die Dokumente eingesehen hat, warnt an diesem Mittwoch vor dramatischen Folgen: „Jeder Tarnkappen-Vorteil der neuen Unterseeboote unsere Marine würde vollkommen  in Frage gestellt, wenn die Daten ihrer Kampfkraft und Fähigkeiten in derselben Weise herausgelassen würden, wie diejenigen der (indischen) Scorpene-Klasse.“

          Und fährt fort: „Es gibt wohl kaum einen ernsteren Bruch der nationalen Sicherheit als die Veröffentlichung der Tarnkappen-Geheimnisse der U-Bootflotte eines Landes. Ein U-Boot kann nur so effektiv sein, wie sein Geheimnis sicher ist. Australien sollte sehr ernsthaft besorgt sein.“

          Die Sorge ist offensichtlich: „Wenn Washington glaubt, nicht darauf vertrauen zu können, dass seine ‚Kronjuwelen‘ der Tarnkappentechnik geschützt werden können, könnte es sich weigern, Australien sein modernes Kampfsystem zur Verfügung zu stellen.“

          „Wir ermitteln“

          DCNS veröffentlichte zunächst eine Erklärung, in der die Werft mit dem Finger auf ihren Kunden Indien zeigt: „Es gibt innerhalb von DCNS vielfältige und unabhängige Kontrollen, um unautorisierten Zugang zu Daten zu verhindern und aller Datenverkehr wird verschlüsselt und gespeichert. Im Falle Indiens, wo ein Entwurf von DCNS von einem lokalen Unternehmen gebaut wird, ist DCNS weder derjenige, der Daten zur Verfügung stellt, noch kontrolliert.“

          Unabhängig davon, in welchem Maße dies stimmt, wird Indien sehr sensibel auf das Datenleck und den angedeuteten Vorwurf der Franzosen reagieren: Die U-Boot-Flotte ist, genauso wie die australische, gegen den ehemaligen Kriegsgegner China gerichtet.

          China seinerseits ist aufgrund seiner Spionagetätigkeit gerade gegen Industrieunternehmen weltweit gefürchtet. DCNS erklärte, „nationale Sicherheitsbehörden“ würden den Fall untersuchen. „Diese Untersuchung wird die genaue Art der Dokumente, die mögliche Beschädigung unserer Kunden und diejenigen, die verantwortlich sind, ermitteln.“

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