https://www.faz.net/-gqe-10ni1

Datendiebstahl : 17 Millionen Kundendaten gestohlen - Telekom beschwichtigt

  • Aktualisiert am

17 Millionen Kundendaten, aber kein Problem: Datendiebstahl bei der Telekom Bild: ddp

Bereits im Jahr 2006 sind persönliche Daten von 17 Millionen Telekom-Kunden gestohlen worden. Das Unternehmen sah bisher keine Anhaltspunkte, dass die Daten im Schwarzmarkt weitergegeben worden seien, hat für besorgte Kunden allerdings eine Hotline eingerichtet.

          Nur gut vier Monate nach Bekanntwerden der Spitzelaffäre erschüttert ein neuer Datenskandal die Deutsche Telekom. Der Bonner Konzern räumte am Samstag ein, dass sich persönliche Daten von Millionen Kunden der Tochter T-Mobile in fremden Händen befinden. Der Spiegel hatte zuvor berichtet, er habe bei einem Mainzer Jungunternehmer Einsicht in Datensätze von über 17 Millionen T-Mobile-Kunden nehmen können, die „ganz offenbar“ aus den Rechenzentren der Telekom-Tochter stammten.

          Es gebe keine Hinweise auf eine unerlaubte Nutzung der Daten, erklärte die Telekom. Die Daten seien schon 2006 gestohlen worden, die Telekom habe damals die Behörden verständigt. Recherchen im Internet und in Datenbörsen hätten der Telekom aber keine Anhaltspunkte geliefert, dass die Daten im Schwarzmarkt weitergegeben worden seien. Deshalb sei der Konzern davon ausgegangen, dass keine Weitergabe der Daten erfolgte. Offensichtlich habe sich aber Der Spiegel durch Dritte Zugang zu den Daten verschaffen können.

          Name, Adresse, Telefonnummer, Emailadresse

          Der Spiegel meldete, er habe bei einem 27 Jahre alten Jungunternehmer Einblick in die Daten nehmen können, die „ganz offenbar“ aus den Rechenzentren der Telekomtochter T-Mobile stammten. Dazu gehörten auch persönliche Angaben prominenter Politiker, Wirtschaftsführer und Kirchenvertreter, so dass deren Sicherheit potentiell gefährdet sei. Daher sei auch das Kanzleramt über den Datenklau informiert worden.

          Die Telekom erklärte, die Daten umfassten neben Namen und Anschrift die Mobilfunknummer, teils das Geburtsdatum und in einigen Fällen auch die E-Mail-Adresse. „Die Datensätze enthalten keine Bankverbindungen, Kreditkartennummern oder Verbindungsdaten“, beschwichtigte der Konzern. „Die Deutsche Telekom hat keine Hinweise, dass die Datensätze 2006 oder in den Folgejahren tatsächlich für Belästigungen oder anderweitig unerlaubt durch Dritte genutzt wurden.“

          Mehr als die Hälfte der Kundendaten illegal kopiert

          Mehr als 38 Millionen Menschen telefonieren in Deutschland über die Mobilfunk-Sparte T-Mobile der Telekom. Zum Zeitpunkt, als die Datensätze illegal kopiert wurden, hatte T-Mobile laut Konzern 30,4 Millionen Kunden.

          Auf dem Datenträger finden sich nicht nur viele Prominente aus Kultur und Gesellschaft wie Hape Kerkeling oder Günther Jauch, sondern auch eine große Anzahl geheimer Nummern und Privatadressen von bekannten Politikern, Ministern, Ex-Bundespräsidenten, Wirtschaftsführern, Milliardären und Glaubensvertretern, für die eine Verbreitung ihrer Kontaktdaten in kriminellen Kreisen eine Bedrohung ihrer Sicherheit darstellen würde. Das Bundesinnenministerium bestätigte, es seien Gefährdungsanalysen für die Betroffenen in Auftrag gegeben und ausgearbeitet worden.

          Kostenlos die Nummer ändern lassen

          Die Strafverfolgungsbehörden hätten bereits nach der Anzeige vor zwei Jahren Datenträger sichergestellt. „Wir gingen bisher davon aus, dass diese Daten im Rahmen der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen in vollem Umfang sichergestellt wurden“, erklärte Philipp Humm, Geschäftsführer von T-Mobile Deutschland. „Ungeachtet der Tatsache, dass die Täter mit erheblicher krimineller Energie vorgingen, bedauern wir, dass wir die Daten unserer Kunden nicht unseren Ansprüchen gemäß schützen konnten.“ Die Telekom habe die Sicherheitsmechanismen seit 2006 deutlich verstärkt. Kunden könnten kostenlos ihre Mobilfunknummer ändern lassen.

          Die Telekom hat für verunsicherte Kunden eine Hotline eingerichtet: 0800 330 034505. Außerdem können die Kunden sich an info@telekom.de wenden. Auf ihrer Homepage gibt es einen Fragen-und-Antworten-Katalog.

          Spitzelaffäre 2005

          Der Skandal wirft erneut ein schlechtes Licht auf die Telekom, deren Image durch die Spitzelaffäre arg angekratzt ist. Der Bonner Konzern hatte Ende Mai eingeräumt, dass es 2005 und möglicherweise auch 2006 zu Fällen missbräuchlicher Nutzung von Verbindungsdaten gekommen war. Ziel soll es nach Informationen aus dem Konzernumfeld hauptsächlich gewesen sein, Kontakte von Aufsichtsräten zu Journalisten auszuspähen, um die Veröffentlichung vertraulicher Informationen zu unterbinden.

          Die Telekom selbst hatte Anzeige erstattet, um das Ausmaß des Missbrauchs und den oder die Auftraggeber herauszufinden. Die Bonner Staatsanwaltschaft ermittelt im Kern gegen acht Beschuldigte, unter anderem gegen den früheren Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke und den ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Zumwinkel. Es geht unter anderem mögliche Verstöße gegen das Fernmeldegeheimnis und den Datenschutz.

          Weitere Themen

          „Shell muss sich ändern“

          Konzernchef im Gespräch : „Shell muss sich ändern“

          Ben van Beurden, der Chef von Europas größtem Ölkonzern, spricht im Interview über den Umstieg auf erneuerbare Energien, Heuchelei an der Börse und den brennenden Regenwald.

          Topmeldungen

          Der Niederländer Ben van Beurden, Jahrgang 1958, ist seit 2014 Vorstandsvorsitzender des Ölkonzerns Shell.

          Konzernchef im Gespräch : „Shell muss sich ändern“

          Ben van Beurden, der Chef von Europas größtem Ölkonzern, spricht im Interview über den Umstieg auf erneuerbare Energien, Heuchelei an der Börse und den brennenden Regenwald.
          Aktivisten der Gruppierung „Extinction Rebellion“ schütten während der Hamburg Cruise Days eine rote Flüssigkeit, die Blut darstellen soll, auf die Treppen.

          Weltweite Klimademonstrationen : Nach dem Protest ist vor dem Protest

          Aktivisten planen einen weltweiten „Klimastreik“, in Deutschland soll in Hunderten Städten demonstriert werden. Die Gruppe „Extinction Rebellion“ will mit Mitteln des zivilen Ungehorsams auf die Folgen des Klimawandels aufmerksam machen.
          Der britische Premierminister Boris Johnson vergleicht sich selbst mit dem „unglaublichen Hulk“, der sich aus seinen Fesseln befreit.

          Brexit um jeden Preis : Der wütende Hulk

          Großbritannien werde sich aus seinen „Fesseln“ befreien wie die ultra-starke Comicfigur, wenn es bis 31. Oktober keinen Brexit-Deal gebe, erklärt Johnson. Auch gegen die Anordnung des Parlaments. Vor neuen Gesprächen mit der EU zeigt er sich dennoch „sehr zuversichtlich.“

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.