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Neustart der Bundesliga : Hygienischer Fußball

David Alaba und Serge Gnabry vom FC Bayern München kämpfen bei einer Trainigseinheit des Fußball-Bundesligisten in der Allianz Arena um den Ball. Bild: dpa

Ohne Zuschauer und mit strengen Hygienevorschriften: Am Samstag startet die Fußball Bundesliga – und ein Unternehmen aus Neuwied hilft dabei.

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          Wenn am Samstag nach langer Zwangspause der Ball in der Fußball-Bundesliga wieder rollt, sitzt Peter Adelfang in einem Raum mit vielen Fernsehern. Auf vier bis fünf Bildschirmen wird der Geschäftsführer des Eventunternehmens APA aus Neuwied am Rhein das Geschehen in den Stadien verfolgen. „Ich bin dann in der Schaltzentrale und koordiniere unsere Leute vor Ort“, sagt er. APA ist am Wochenende unter anderem für die Bespielung der Werbebanden in mehreren der Fußballarenen zuständig. Außerdem ist das Unternehmen seit fast zehn Jahren Generalausstatter des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und verantwortet als solcher zum Beispiel die Werbemittel und das Projektmanagement für Spiele der Nationalmannschaft.

          Pirmin Clossé
          Sportredakteur.

          Wenn es nach Adelfang geht, könnte in den kommenden Wochen und Monaten die Rolle des Unternehmens aus dem Rheinland im deutschen Profifußball allerdings noch bedeutend größer werden. Denn APA steht zurzeit mit mehreren Bundesligaklubs wie etwa Borussia Dortmund oder Bayer Leverkusen im Austausch dazu, wie das neue Hygienekonzept der Deutschen Fußball-Liga (DFL), das die Grundlage für die Saisonfortsetzung mit Geisterspielen bildet, in den jeweiligen Stadien umgesetzt wird. Zusätzlich berät das Unternehmen die Klubs in der Frage, was künftig, besonders bei einer schrittweisen Rückkehr der Zuschauer, an Herausforderungen auf sie zukommen könnte. „Das Problem ist die Fülle an Einzelmaßnahmen“, erklärt Adelfang. „In der Sache an sich sind die Vereine gut aufgestellt. Aber in der Koordination der Aufgaben können wir helfen.“

          Situation wird komplexer

          Schon als sich im Januar die weitreichenden Folgen des Coronavirus für Veranstaltungen jeglicher Art abzeichneten, hatte APA reagiert. Ein eigens für das Unternehmen entwickeltes Administrations-System, genannt „PICS“ – Plan Implement Control System –, wurde für die neuen Voraussetzungen angepasst. Etwa darauf, dass sich die rechtlichen Vorgaben durch die Politik permanent ändern könnten – genau wie es nun in der Corona-Krise der Fall ist. „Unser System ist 24/7 aktuell“, sagt Adelfang. Unterm Strich soll das internetbasierte PICS es den Veranstaltern ermöglichen, alle Komponenten im Blick zu haben, die bei der Ausrichtung eines Events unter strengen Hygienerichtlinien anfallen.

          Das Programm erfasst, katalogisiert und visualisiert die Komponenten und erlaubt dann, sie zu verwalten und zu priorisieren. Schon bei einem „normalen“ DFB-Pokalfinale fielen 3000 Einzelpunkte an, rechnet Adelfang vor – vom zwei Zentimeter großen Schild, das an einem TV-Gerät einen falschen Sponsor überklebt, bis zum Großbanner am Mittelkreis. In der aktuellen Ausnahmesituation werde die Situation noch komplexer. „Wir sind derjenige, der den Wissenschaftler, den Sicherheitsbeamten, den IT-Spezialisten, den Hygienemanager und alle anderen am Geschehen beteiligten Gewerke zusammenbringt“, sagt Adelfang. Dabei arbeite man mit den vorhandenen Dienstleistern der Klubs zusammen, könne aber von der Konzeption bis zur Umsetzung auch alle Schritte selbst abwickeln.

          Testlauf im Kleinen

          Einen ersten Nachweis für die eigene Infektionsschutz-Kompetenz lieferte APA Anfang Mai, als das Unternehmen das Hygienekonzept für das vermutlich erste Tennisturnier der Welt nach Ausbruch der Pandemie verantwortete, welches in der rheinland-pfälzischen Kleinstadt Höhr-Grenzhausen stattfand. Etliche Vertreter der Sportwelt beobachteten gespannt, wie die Umsetzung des Schauwettkampfs gelingen würde. „Höhr-Grenzhausen war ein toller Pilot“, sagt Adelfang. „Aber es ist natürlich ein Unterschied, ob du 200 Maßnahmen hast, wie bei so einem Tennisturnier, oder 2.000 Maßnahmen bei einem Bundesliga-Spiel ohne Zuschauer.“ Das Unternehmen sieht sich dennoch, auch dank der Erfahrungen aus dem Testlauf im Kleinen, gerüstet für die Aufgaben der Veranstaltungssteuerung in Corona-Zeiten.

          Nach Adelfangs Ansicht bedeutet dies, dass man nach einer längeren Phase ohne Fans auch auf die vorsichtige Steigerung der Zuschauerzahlen vorbereitet sein muss. „Die Geisterspiele sind in gewisser Weise eine Blaupause für das, was kommt“, sagt er.

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