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Amerikanische F-35 : Das teuerste Kampfflugzeug der Welt hat Probleme

Ein gewinnbringendes Produkt „made in America“: Präsident Trump vor einem F-35-Kampfjet gemeinsam mit Vertretern von Lockheed Martin. Bild: AP

Die Pannenserie des amerikanischen F-35-Kampfflugzeugs schafft Auftrieb für Rüstungsprojekte in Europa – und könnte die Türkei dazu verleiten, doch bei den Russen einzukaufen.

          Die F-35 gilt als der Stolz der amerikanischen Streitkräfte. Noch auf den jüngsten Feierlichkeiten im amerikanischen Stützpunkt Fort Worth wurden die Flugeigenschaften dieses Flugzeugs mit einer eierlegenden Wollmilchsau verglichen, da es die unterschiedlichen Anforderungen der Marine gleichermaßen wie die der Luftwaffe erfüllen könne – ein Novum in der Entwicklung von Kampfflugzeugen, schwärmen Militärs.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auch für die Manager von Lockheed Martin zahlte sich der Bau ihres Spitzenprodukts bislang aus. Mit einem Gesamtetat von rund 1,3 Milliarden Dollar ist das F-35-Programm das teuerste Rüstungsentwicklungsprojekt der Erde, das vor allem vom Steuerzahler finanziert wird. Es lastet die Produktion des größten Waffenherstellers in den Vereinigten Staaten über Jahrzehnte aus, wobei insgesamt etwa 194.000 Arbeitsplätze in der heimischen Rüstungsindustrie gesichert werden, vermerkt Lockheed stolz.

          Doch kaum sind die ersten 320 Exemplare der F-35 an einzelne Abnehmer im In- und Ausland geliefert, mehren sich die Zweifel an der Flugtauglichkeit des Tarnkappenjets. So berichten etwa Testpiloten mehrerer Streitkräfte von Aussetzern in den elektronischen Systemen, die wohl Nachbesserungen erfordern. Vor wenigen Tagen meldeten die amerikanischen Streitkräfte sogar den Absturz einer F-35 im Bundesstaat South Carolina, wobei sich der Pilot retten konnte. Die Ursache dieses Vorfalls scheint ungeklärt oder wird unter Verschluss gehalten. Doch gerade bei den Militärs der europäischen Nato-Partner wächst jetzt die Furcht, dass es durch Überholungen oder gar den Austausch ganzer Komponenten zu teuren Verzögerungen kommt.

          Zu den größten Abnehmern auf europäischer Seite gehören Großbritannien (138 Jets), die Türkei (100), Italien (90), die Niederlande (72), Norwegen (52) und Dänemark (27). Neben der Serie an technischen Störfällen, deren Ursache Lockheed mit Hochdruck aufspüren will, belasten zudem auch die politischen Spannungen zwischen Washington und Ankara die Geschäftsbeziehungen des amerikanischen Rüstungsherstellers.

          Umstrittener Einkauf von Übersee

          Um mit der türkischen Luftwaffe ins Geschäft zu kommen, sicherte Lockheed damals fast einem Dutzend Rüstungshersteller in der Türkei Zulieferaufträge für Entwicklung und Bau der F-35 zu. Doch die Aufträge, die insgesamt rund 12 Milliarden Dollar erreichen, stehen jetzt im Feuer. Dabei reagierten die amerikanischen Militärs besonders vergrätzt auf die Ankündigung des Präsidenten Erdogan, dass der Nato-Partner Türkei künftig moderne S-400-Luftabwehrsysteme aus russischer Produktion kaufen wolle. Ob es tatsächlich zur Auslieferung der 100 bestellten F-35-Jets bis Ende nächsten Jahres kommen wird, ist seitdem fraglich.

          Die Turbulenzen des amerikanischen Prestigeprojekts werden von Politikern in Paris und Berlin mit Interesse beobachtet. Schließlich wollen auch die Militärs in den beiden Ländern über Entwicklung und Bau eines neuen Kampfflugzeugs entscheiden. Die bislang im Einsatz befindlichen Tornado-Jets und Eurofighter werden seit Jahrzehnten gebaut und müssen mittelfristig dringend ersetzt werden. Neben einem europäischen Projekt, an dem sich zunächst französische und deutsche Hersteller beteiligen werden, stand zeitweise auch zur Debatte, die F-35 anzuschaffen. Doch der Einkauf in Übersee ist bei Politikern in Europa umstritten.

          Der Druck aus Washington, die Rüstungsetats in Europa auf die Zielmarke von 2 Prozent am Bruttoinlandsprodukt zu erhöhen, hat sich mit dem Amtsantritt des amerikanischen Präsidenten Donald Trump verstärkt. Dabei verbinden die Politiker die Forderung aus Washington mit ihrem Wunsch, die Kooperation nationaler Rüstungshersteller zu forcieren und so teure Alleingänge zu vermeiden.

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