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„Vater fand es abscheulich“ : Das rät Elton John den Entscheidern von morgen

  • Aktualisiert am

Elton John hat am 5. Dezember ein Konzert in Hamburg gegeben. Bild: dpa

Der britische Popmusiker wird auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos ausgezeichnet als Führungsfigur – für sein Engagement gegen HIV. Zuvor hat er fünf Tipps für Anführer.

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          Elton John ist 70 Jahre alt und nach fünf Jahrzehnten im Musikgeschäft einer der Künstler mit den meisten verkauften Alben überhaupt. In der nächsten Woche reist er zum Weltwirtschaftsforum (WEF) nach Davon, wo sich Unternehmenslenker und Politiker treffen, um die großen Fragen der Weltwirtschaftspolitik zu besprechen. Der britische Popsänger („Rocket Man“, „Your Song“) wird dort mit dem „Crystal Award“ ausgezeichnet für seine Führung im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit HIV/Aids.

          Vor dem Forum hat er nun auf der WEF-Internetseite einen Beitrag veröffentlicht darüber, was er aus seinem Leben über Führung gelernt hat. Er betitelt ihn mit „Fünf Führungs-Lektionen aus meinen dunkelsten Stunden“ (hier geht es zum Original, auf Englisch).

          Als Lehre Nummer eins rät er zusammengefasst: Macht, was euch erfüllt, entdeckt eure Leidenschaften. Je früher, desto besser. Er selbst, schreibt John, habe glücklicherweise schon im Alter von drei Jahren seine Passion für Musik herausgefunden. „Das erste Mal, als ich Elvis PresIey hörte, wusste ich, dass es das ist, was ich tun wollte.“ Leicht war das nicht, Kritik erhielt er aus seiner Familie. „Mein Vater zum Beispiel dachte, dass es etwas abscheuliches und nicht akzeptables ist, eine Musik-Karriere zu erfolgen.“ Er ließ sich davon aber nicht verschrecken. Mit einer bekanntlich höchst erfreulichen Folge für den Sänger: „Das brachte Glück und materiellen Überfluss, der meine wildesten Träume überstieg.“

          Seine zweite Lehre lautet ungefähr so: Berühmt sein ist auch ein Fluch. Er selbst sei zu einer selbstsüchtigen nur auf sich fixierten Person geworden, „abgetrennt“. „Meine wesentliche Menschlichkeit begann sich aufzulösen in einen Exzess aus Alkohol und Drogen“, schreibt er. Und schlussfolgert: „Ein guter Anführer besitzt eine moralische Integrität, die beides überlebt, Erfolg und Niederlagen.“

          Die dritte Lektion, die er direkt daraus ableitet: Veränderung ist immer möglich. „Die Zukunft liegt immer in deinen Händen.“ Er selbst schildert dann das Schicksal eines Jungen namens Ryan White, der durch eine Bluttransfusion mit dem HI-Virus infiziert wurde. Und nicht nur das, schreibt John. Infolgedessen erlitten sowohl der Junge als auch seine Mutter Jeanne weitere Schmerzen durch die Reaktion der Gesellschaft, die sich zwischen „fieser Gleichgültigkeit“ und „bösartiger Verachtung“ zeigte. „Ich war außer mir“, schreibt John, „ich wollte ihnen helfen, aber am Ende halfen sie mir viel mehr.“ Der Umgang der beiden mit ihrer Situation habe ihm geholfen, seine eigene Drogensucht zu überwinden - und schlussendlich auch bewogen, seine Aids-Stiftung zu gründen, die nun 25 Jahre alt ist und für die er in Davos geehrt wird.

          Seine vierte Lehre lautet darauf aufbauend: „Es gibt nichts tiefgreifenderes, nichts mächtigeres als die Erkenntnis allgemeiner Menschlichkeit.“ Das sei, fügt er direkt an, „mehr als eine Plattitüde“. Es sei die „Grundlage für Fortschritt in Angelegenheiten wie HIV/Aids“. 

          Schließlich diagnostiziert der Popstar wachsende Ungerechtigkeit und erklärt, dass „Rassismus und Gewalt wieder im Aufstieg begriffen“ seien. Zum Beispiel seien die „hart erkämpfen gesellschaftlichen Freiheiten für LGBT-Menschen in Gefahr“ - Elton John ist homosexuell - wieder „zurück gedreht zu werden“. Seine fünfte Lehre schließt er an diese Feststellung an, sie enthält von allen den größten Pathos. „Hoffnung kann beantwortet werden, Fortschritt kann triumphieren.“ Er appellierte daran, dass Gruppen viel erreichen könnten, wenn sie sich engagiert zusammenschließen. Auch für seine Aids-Stiftung gebe es weiterhin viel zu tun, die Krankheit sei nach wie vor ein großes ungelöstes allgemeines Problem.

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