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Kernkraftwerke : Wie Frankreich einen Reaktor zerlegt

Im Inneren des stillgelegten Kernkrafttwerks Bild: EdF

Erstmals wird in Frankreich ein Druckwasserreaktor zerlegt. Die Anlage ging 1967 als erste dieses Bautyps in Betrieb und wurde 1991 abgeschaltet. Der Abbau symbolisiert das nüchterne Ende eines strahlenden Prestigeprojekts.

          Bleierne Hitze liegt über dem Gelände des Kernkraftwerks. Die Mitarbeiter der Nachmittagsschicht schieben sich durch die elektronisch gesicherten Eingangspforten. Heute seien es mehr als sonst, erläutert Pascal Dziopa. Einer der beiden Druckwasserreaktoren sei nicht in Betrieb und müsse gewartet werden; da seien mehr als die üblichen 600 Mitarbeiter gefordert. Tatsächlich entweichen nur aus einem der beiden Kühltürme weißliche Dampfwolken.

          Michael Stabenow

          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Beneluxländer.

          Mit einem Kleinbus geht es einige hundert Meter weiter, auf einer schmalen Brücke über die Maas hinweg, die an dieser Stelle eine Stromschnelle aufweist. Hier in Chooz, nahe der Grenze zu Belgien, befindet sich seit vier Jahren Dziopas berufliche Wirkungsstätte. Der Ingenieur, der in den neunziger Jahren für das – letztlich gescheiterte – Prestigeprojekt des „Schnellen Brüters“ im südostfranzösischen Creys-Malville gearbeitet hat, und seine rund 100 Mitarbeiter haben nun den Auftrag, Chooz A, Frankreichs ältesten Druckwasserreaktorkomplex, abzubauen.

          Schon 1991 wurden die Anlage abgeschaltet und die hochradioaktiven Brennelemente beseitigt. 99 Prozent der Strahlenbelastung sollen damit verschwunden sein. Mit einer nach heutigen Maßstäben geringen Höchstleistung von 320 Megawatt war der 1967 in Betrieb gegangene Druckwasserreaktor der erste dieses Bautyps. Der eigentliche Abbau hat erst 2008 begonnen. Zwischen 2015 und 2025 soll hier das entstehen, was Fachleute eine „grüne Wiese“ nennen.

          Die Wände sind farblich gekennzeichnet: Grün steht für Radioaktivität

          Dass schon jetzt nur einige kleine flache Gebäude herausragen, hat mit einer Besonderheit zu tun: Chooz A entstand unter der dicken, schützenden Sedimentschicht eines Ardennenhügels. Der Reaktortrakt befindet sich in einer 60 Meter tiefen Höhle. Sie ist durch einen Tunnel mit der Außenwelt verbunden. Sicherheitsschleusen sowie ein Unterdrucksystem sollen verhindern, dass Radioaktivität nach draußen entweicht. In weißer Schutzbekleidung und mit Geigerzähler gelangen Dziopa und die – selten zugelassenen – Besucher in den langen Tunnel. Wo einst der Brennstoff zum Reaktor befördert wurde, stehen heute Container, in denen Kabel, Röhren und andere Metallteile liegen. In einem Behälter sind Pakete mit der Aufschrift „Asbest“ zu erkennen. „Damals wurde auch beim Bau von Kernkraftwerken Asbest verwendet“ erklärt Projektleiter Dziopa.

          Die Brennstäbe sind längst entfernt

          Wände, Leitungen und Geräte sind in verschiedenen Farben gekennzeichnet. Grün bedeute, dass Radioaktivität vorhanden sei, blau, dass das Material unbelastet sei. Rot gekennzeichnet seien die Teile, die beim Abbau unerlässlich seien, wie zum Beispiel Lüftungsvorrichtungen, erklärt Dziopa. Zu hören ist vor allem das Gebläse von Ventilatoren. Wie in natürlichen Grotten ist die Temperatur konstant, wenn auch mit knapp 20 Grad etwas höher. Es hängt ein eigentümlicher Geruch in der Luft, eine Mischung aus Metall, Zement, aber vielleicht auch Reinigungsmitteln. Dort, wo sich der Gang weitet, sind drei Männer damit beschäftigt, Gegenstände mit einem Metallschneider zu zerlegen. Daneben befinden sich Überreste einer Stahltreppe.

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