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Das neue Modell : Fiat will mit dem Punto auch nach Golf-Kunden jagen

  • Aktualisiert am

Fiats Hoffungsträger Bild: AP

Der Turiner Fiat-Konzern will mit dem Modellwechsel in der wichtigsten Baureihe der Autosparte, dem Kleinwagen "Punto", die Krisenjahre endgültig hinter sich lassen. Bei der Entwicklung des neuen "Punto" wurden mehr als früher Akzente auf Design und Qualität gelegt.

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          Der Turiner Fiat-Konzern will mit dem Modellwechsel in der wichtigsten Baureihe der Autosparte, dem Kleinwagen "Punto", die Krisenjahre endgültig hinter sich lassen. Bei der Entwicklung des neuen "Punto" wurden mehr als früher Akzente auf Design und Qualität gelegt. Dies bietet nun aus der Sicht von Chief Executive Sergio Marchionne und von Fiat-Präsident Luca di Montezemolo Grund zum Optimismus, daß die Bilanzen des Fiat-Konzerns und seiner Autosparte mit dem "Punto" einen Wendepunkt erreichen.

          Die "Punto"-Baureihe sorgt bisher alleine für 40 Prozent des Umsatzes mit der Automarke Fiat. Deshalb ist nun die Erneuerung des 1999 vorgestellten und seither einmal aufgefrischten "Punto" die wichtigste modellpolitische Neuerung des gesamten Konzerns. Der neue Fiat ist nun mit einer Länge von 4,03 Metern eine halbe Nummer größer ausgefallen als der bisherige und soll damit auch Käufer anziehen, die bisher ein Kompaktauto der Golfklasse gefahren haben. "Wir rechnen damit, daß wir doppelt so viele Kunden aus dem höheren Marktsegment anlocken können als bisher", sagt dazu der für die Marke Fiat verantwortliche Manager Luca De Meo. Für den Absatz haben sich De Meo und Fiat dabei relativ bescheidene Ziele gesteckt: Geplant und gerechnet wurde mit einer jährlichen Verkaufszahl von 360 000 Stück, deutlich weniger als in früheren Jahren, als der im Kleinwagensegment mit Volkswagen Polo oder dem Ford Fiesta konkurrierende Fiat Punto in den neunziger Jahren eines der erfolgreichsten Autos auf dem europäischen Markt war. 1995 wurden davon mehr als 600 000 abgesetzt, 1997 erreichte der Punto mit einer Verkaufszahl von 584 000 die Position von Europas meistverkauftem Auto. Doch bis 2004 war der Absatz auf nur noch 335 000 geschrumpft, weshalb es in mehreren Autowerken von Fiat immer wieder "Kurzarbeit Null" gibt.

          Kein Zeichen von Pessimismus

          Bescheidenere Absatzziele sind aber aus Sicht von Fiat nicht Zeichen von Pessimismus, sondern Voraussetzung für die wirtschaftliche Gesundung der Autosparte. In früheren Jahren waren nämlich den Kosten- und Preiskalkulationen regelmäßig viel zu optimistische Absatzzahlen zugrunde gelegt worden, weshalb sich danach schnell Verluste einstellten. Nun gilt die Devise, daß Fiat alles daransetze, die Marke von 360 000 verkauften Fiat Punto zu übertreffen, um damit dann die Ertragslage zu verbessern. Vorsichtigere Marktprognosen gebe es bereits seit der Einführung des Kleinstwagens Fiat "Panda", von dem seit September 2003 rund 415 000 Stück verkauft wurden und damit 80 000 mehr als geplant. Auch der im September 2003 eingeführte Lancia "Ypsilon" habe mit seinem bisherigen Absatz von 157 000 Stück das Ziel um 30 000 übertroffen.

          Der Fiat-Markenverantwortliche Luca De Meo will mit dem neuen "Punto" zudem den durchschnittlich erzielten Preis anheben, indem im Vergleich zu früheren Modellen viele Extras zur individuellen Ausstattung der Autos geboten werden.

          Attraktiv vor allem bei weiblichen Käufern

          Attraktivität vor allem bei weiblichen Käufern soll die Möglichkeit von besonders vielen Kombinationen an Materialien und Farben im Innenraum bringen. Im Werbeauftritt und in der Beschreibung des neuen Autos setzt Fiat darauf, daß der neue Kleinwagen nach Jahren mit eher nutzwertorientierten Modellen wieder die Emotionen ansprechen soll. Dafür sorgt auch das Design des Turiners Giorgetto Giugiaro, der den Entwurf für die Form des "Punto" lieferte und dabei die Schnauze von seinem Entwurf für das Maserati-Coupe übernahm.

          Mit dem neuen Punto, dem vor dem Sommer vorgestellten Kombi "Croma", der neuen Alfa-Romeo-Limousine "159" sowie dem neuen Alfa-Coupe "Brera" soll die Autosparte im kommenden Jahr die Gewinnschwelle erreichen. 2006 müsse Fiat ohne die Sondereinnahmen auskommen, die 2005 eine Entschädigungszahlung von General Motors und der Verkauf von Energiebeteiligungen an Edison brachten. Zusammen mit der Umwandlung von drei Milliarden Euro an Bankkrediten in Eigenkapital bringt dies Fiat bis zum Oktober eine Verringerung der Nettoverschuldung von 9 auf weniger als 5 Milliarden Euro. Einen so niedrigen Wert, auf dem Niveau der Hälfte des Eigenkapitals, hätten die Schulden von Fiat schon lange nicht mehr gehabt, sagte Chief Executive Marchionne. Fiat habe zwar in den vergangenen Monaten in vielen europäischen Märkten Marktanteile verloren, doch stellten die nunmehr nach der Schrumpfung erreichten Zahlen gesunde Daten dar, ohne Verzerrungen durch Sonderverkäufe. Darauf könne Fiat nun solide Geschäftserfolge aufbauen.

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