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Deutsche Bank : Was der Einstieg des neuen Großaktionärs bedeutet

Kurssprung für die Deutsche Bank – Anleger finden den Einstieg des neuen Aktionärs gut. Bild: Reuters

Eine Fondsgesellschaft aus Los Angeles hat gut drei Prozent der Deutsche-Bank-Aktien erworben – der Kurs des Geldhauses klettert um 11 Prozent.

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          Die Aktie der Deutschen Bank hat am Donnerstags einen großen Sprung gemacht. Der Kurs kletterte um 11 Prozent, so dass die Deutsche-Bank-Aktie erstmals seit dem vierten Quartal 2018 mehr als 9 Euro kostet. Zuvor hatte die Anleger an der Börse die Nachricht erreicht, dass Capital Group 3,1 Prozent der Deutsche-Bank-Aktien erworben hat. Das Überschreiten der 3-Prozent-Schwelle musste die amerikanische Investmentgesellschaft nach den deutschen Gesetzen zum 31. Januar melden.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In Deutschland ist Capital Group schon mit 15 Prozent am größten deutschen Triebwerksbauer MTU Aero Engines beteiligt. Beheimatet ist Capital Group in Los Angeles. Die Investmentgesellschaft wurde im Jahr 1931 während der „Großen Depression“ gegründet, sie eröffnete im Jahr 1962 ihr erstes Büro außerhalb der Vereinigten Staaten im Schweizerischen Genf. Capital Group verwaltet nach eigenen Angaben derzeit 1,8 Billionen Dollar und beschäftigt auf der Welt rund 7000 Mitarbeiter. Mit den Fonds der Capital Group sparen Amerikaner etwa für ihre Rente oder für die Studiengebühren ihrer Kinder.

          Neben Capital Group gibt es nur noch fünf weitere Investoren, die mindestens 3 Prozent an der Deutschen Bank halten: Mit zwei Investmentvehikels gehört das Emirat Qatar zu den größten Aktionären, ebenso der amerikanische Finanzinvestor Cerberus, die Fondsgesellschaft Blackrock und die Investmentfirma Hudson Executive des früheren JP-Morgan-Managers Douglas Braunstein. Letzterer hatte im Oktober 2018 den Erwerb seines Aktienpakets gemeldet. Seitdem war kein neuer Großaktionär dazu gekommen. Im Sommer 2019 fiel der Deutsche-Bank-Aktienkurs auf das Rekordtief von 5,78 Euro.

          Die Anleger schauen nach vorne

          Insofern ist der Einstieg von Capital Group jetzt eine willkommene Stütze für den Vorstandsvorsitzenden Christian Sewing, der in der vergangenen Woche für die Deutsche Bank einen Jahresverlust für 2019 hatte mitteilen müssen. Die Deutsche Bank hat nun innerhalb von fünf Jahren ungefähr 15 Milliarden Euro Verlust angehäuft.

          Aber viele Anleger schauen offenbar nach vorne. Schon vor Bekanntwerden des neuen Großaktionärs Capital Group gehörte die Deutsche-Bank-Aktie an der Deutschen Börse in diesem Jahr zu den Gewinner. Am Donnerstag baute sie nun ihre Kursgewinne im noch jungen Jahr 2020 auf 30 Prozent aus.

          Der neue Aktionär der Deutschen Bank vertraut offenbar darauf, dass die von Sewing im Juli 2019 angestoßene Sanierung gelingt. Der Aktienhandel wird eingestellt und jede fünfte Stelle gestrichen, dennoch sollen die Erträge bis zum Jahr 2022 steigen. Trotz mehr als 7 Milliarden Euro an Sanierungskosten will die Deutsche Bank ohne Kapitalerhöhung auskommen. Finanzvorstand James von Moltke äußerte sich in der vergangenen Woche optimistisch, dass dies gelingen werde.

          Auch die Beschäftigten der Deutschen Bank wollen vom Kuchen etwas abhaben, nachdem der Vorstand trotz des Verlustjahres 2019 auf einem Teil seiner Boni, immerhin 13 Millionen Euro besteht. So folgten am Donnerstag einige Beschäftigte dem Streikaufruf der Gewerkschaft Verdi und legten für zwei Tage die Arbeit nieder. Rund 50 Mitarbeiter aus Eschborn forderten mit einem Pfeifkonzert vor der Konzernzentrale in der Frankfurter Innenstadt ein 13. Monatsgehalt, also Weihnachtsgeld.

          Organisierte Arbeitsniederlegungen sind im Kreditgewerbe selten. Die am Donnerstag Streikenden stellten etwa ein Viertel der ungefähr 200 Mitarbeiter einer Gesellschaft im Deutsche-Bank-Konzern dar, die für die Personaldienstleistungen zuständig ist.

          „Wir sehen täglich, was alle verdienen, auch der Vorstand. Uns dagegen versucht man klein zu halten“, machte Jutta Fischler, Verdi-Mitglied und Mitarbeiterin der DB HR Solutions, im Gespräch mit der F.A.Z. ihrem Unmut Luft. Auch der Verdi-Vorsitzende Frank Bsirske, der dem Aufsichtsrat der Deutschen Bank angehört, ermutigte die Beschäftigen in einer kurzen Ansprache, mit dem Streik ihren Forderungen nach Weihnachtsgeld und Gehaltserhöhungen Nachdruck zu verleihen.

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