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Germanwings-Unglück : Die Zukunft der Luftfahrt ist billig

Billigflieger im Westen: Flugzeug der Lufthansa-Tochtermarke Germanwings auf dem Flughafen Köln/Bonn Bild: dpa

Trotz des Absturzes des Germanwings-Flugs 4U9525 gelten Billigflieger als überaus sicher. Fachleute sehen das Günstigsegment vor einem Wachtumsschub.

          Was billig ist, kann nicht gut sein – das ist eine weitverbreitete Annahme. Nach dem Absturz des Germanwings-Flugs 4U9525 treten Luftfahrtfachleute allerdings entschieden der Sichtweise entgegen, dass diese Annahme ohne Einschränkungen auch im Fluggeschäft gilt. Vielmehr steht die europäische Luftfahrt vor einem Wandel, der den mit straffen Kostenstrukturen operierenden Gesellschaften von Ryanair und Easyjet bis zu Ablegern traditioneller Gesellschaften wie der Lufthansa-Tochtermarke Eurowings eine wachsende Marktbedeutung bringen wird. Das Unglück in den französischen Alpen läutet demnach nicht das Ende des Billigflugzeitalters ein – im Gegenteil.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Um ihre Sicherheit müssen Flugreisende dennoch nach Ansicht von Fachleuten nicht fürchten. „Es ist ein Reflex auf der Suche nach Schuldigen, Billigflug als unsicher zu etikettieren“, sagt Gerd Pontius von der Luftfahrtberatung Prologis. „Alle Statistiken widersprechen der Annahme, dass Billigflieger weniger sicher sind.“ Durch Unglücke und Zwischenfälle fallen die Gesellschaften nicht auf. Ihr Emporkommen auf dem europäischen Luftfahrtmarkt seit den neunziger Jahren war bislang durch keinen Absturz begleitet.

          Dafür gibt es zwei Erklärungsansätze: Wer mit niedrigen Sonderpreisen wirbt, dessen Ruf ist im Ernstfall viel stärker in Gefahr. Und wirtschaftlich zahlt es sich für Billigflieger aus, auf eine besonders akribische Wartung zu setzen. Schließlich besteht ihr Geschäftsmodell auch darin, Flugzeuge möglichst effizient mit wenigen Stand- und Ausfallzeiten einzusetzen. Jede aufgeschobene Reparatur gefährdet dann Profitabilitätsziele.

          Billigfluggesellschaften sparen nicht an der Wartung

          Ohnehin geht das im deutschen Sprachgebrauch geläufige Wort „Billigflieger“ auf eine unsaubere Übersetzung zurück. Wer schon kurzfristig einen Ryanair-Flug buchen wollte, auf das Selbstausdrucken des Tickets verzichtete und Zusatzgepäck mitnehmen wollte, hat gelernt, dass die als Prototyp des Billigflugs geltende Gesellschaft nicht nur billig kann. Im Branchenenglisch ist daher von Low-cost-Carriern die Rede, also Niedrig-Kosten-Fluggesellschaften. Und niedrige Einstiegspreise für Flugtickets, die in der Werbung hervorgehoben werden, sind vielmehr Folge des strammen Kostenbewusstseins als direktes Kennzeichen des Geschäftsmodells. Dass Ryanair, Easyjet, Germanwings und Co. mit geringeren Kosten fliegen, ist auf eine Vielzahl von Faktoren zurückzuführen – eingeschränkte Wartung der Flugzeuge zählt nicht dazu.

          „Die Kostendifferenz zwischen Billigfluggesellschaften und traditionellen Gesellschaften ergibt sich nicht aus Einsparungen bei der Sicherheit“, bestätigt Branchenfachmann Pontius. Die Gesellschaften sparen unter anderem an den Personalkosten. Das hat Ryanair immer wieder in ganz Europa zur Zielscheibe von Pilotengewerkschaften gemacht. Und die Fluggesellschaften setzen auf ein hohes Maß an Standardisierung statt auf Vielfalt. Zum Niedrigpreis gibt es nur eine Basisleistung, nämlich die Beförderung von einem Ort zum anderen.

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