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Metro : „Von höheren Milchpreisen profitiert der Handel nicht“

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Metro-Chef Hans-Joachim Körber: „Der Durchschnittskunde möchte zwar Service, will ihn aber möglichst nicht bezahlen.” Bild: dpa

Preiserhöhungen bei Milch und Butter haben Deutschland aufgeschreckt - und zu manchem Butter-Hamsterkauf geführt. Der Handel sorgt sich um seinen Ruf. „Ich kann den Aufschrei, den Populismus nur beschränkt nachvollziehen“, sagt Metro-Chef Körber im F.A.Z.-Gespräch.

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          Preiserhöhungen bei Milch und Butter haben ganz Deutschland aufgeschreckt – und zu manchem Butter-Hamsterkauf geführt. Ab dem kommenden Wochenende müssen die Verbraucher nun auch für Käse und Quark tiefer in ihre Portemonnaies greifen. Der Handel sorgt sich um seinen Ruf. „Ich kann den großen Aufschrei, den hektischen Populismus nur beschränkt nachvollziehen“, sagt Hans-Joachim Körber, der Vorstandsvorsitzende des Handelskonzerns Metro AG, im Gespräch mit der F.A.Z. Die berühmten Milchseen und Butterberge gebe es in der Europäischen Union seit langem nicht mehr. Nur hätten das viele offenbar nicht richtig realisiert. „Es war damit aber schon länger klar, dass die Nachfrage derzeit das Angebot übersteigt“, sagt Körber. Daran ändere sich auch künftig nichts. Denn weiterhin lege die Nachfrage aus Ländern wie Indien oder China zu.

          Deshalb ist der Vorstandsvorsitzende von Deutschlands größtem Handelskonzern davon überzeugt, dass sich die Kunden langfristig auf höhere Lebensmittelpreise einstellen müssen. Zumindest dann, wenn es nicht rasch zu einem Umdenken in der Agrarpolitik komme. Allein der Wunsch einer wachsenden Weltbevölkerung nach besserer Ernährung sorge für Verknappung. Zudem gehe die Förderung von Biokraftstoffen zu Lasten des klassischen Getreideanbaus und verteuere damit Nahrungsrohstoffe und Futtermittel für Nutzvieh. Hinzu kämen steigende Preise für Energie. Irgendwann werde sich wegen der auf diesem Weg erreichbaren besseren Ernten die Einstellung der Menschen zu Lebensmitteln aus genetisch veränderten Pflanzen verbessern. „Auch der Konflikt zwischen Mobilität und Ernährung wird sich verschärfen“, ist sich Körber sicher und nennt ein konkretes Beispiel: In Brasilien wird schon mehr als die Hälfte des heimischen Zuckerrohrs zu Bioethanol verarbeitet und als Brennstoff vor allem in die Vereinigten Staaten geschickt.

          Preisniveau im europäischen Vergleich sehr niedrig

          In der Europäischen Union sei der klassische Marktmechanismus, wonach die Produktion mit gewisser Zeitverzögerung dem steigenden Bedarf folge („erstes Semester Propädeutik“), durch die Quotenregelung aus den Angeln gehoben. Das sei derzeit der eigentliche Stolperstein: „Die politische Diskussion, endlich mehr Marktwirtschaft in die Landwirtschaft einfließen zu lassen, wird leider auch jetzt nicht geführt.“ Mit Kritik an der Politik hält er nicht hinter dem Berg. Das dort vielfach anzutreffende mangelnde Vertrauen in die Leistungsfähigkeit des Marktes sei schon bemerkenswert, wenn nicht sogar ziemlich starker Tobak, schimpft er. Bei den Landwirten indessen meint Körber „den Beginn einer Veränderung“ feststellen zu können. „Auch bei den Funktionären setzt sich offenbar allmählich die Einsicht durch, dass Marktwirtschaft durchaus Vorteile bringt.“

          Mit Blick auf die weitere Entwicklung der deutschen Lebensmittelpreise vertraut Körber auf den harten Wettbewerb im Einzelhandel. In dem tendenziell überbesetzten Markt seien das Preisniveau für Nahrungsmittel im europäischen Vergleich noch immer sehr niedrig, das Preis-Leistungs-Verhältnis entsprechend günstig. Am gesamten Konsum machten die Ausgaben für Lebensmittel nicht mehr als rund 10 Prozent aus. Auch nach der Erhöhung des Butterpreises auf 1,19 Euro werde immer noch 10 Cent weniger für das billigste Päckchen gezahlt als Anfang der 1980er Jahre. Der Preis für Vollmilch sei bis Anfang August 25 Jahre lang praktisch unverändert geblieben.

          „Wir richten uns auf einen scharfen Wettbewerb ein“

          Wer aber profitiert von den Erhöhungen? „Der Handel bestimmt nicht“, weist Körber die jüngste Kritik in der Öffentlichkeit zurück. Gerade bei Produkten wie Milch und Butter, deren sogenannte Eckpreise die Kunden bestens im Kopf haben, werde sich keiner der Discounter die Blöße geben, teurer zu sein als der andere. Im Gegenteil, wäre der dauerhafte Verkauf unter Einstandspreisen erlaubt, gäbe es jetzt verstärkt Sonderangebote, ist er überzeugt. Körber erinnert daran, dass Unternehmen wie Aldi und Lidl erhebliche Werbegelder investiert haben, um heute als Marke mit dem Ruf des preiswerten Anbieters dazustehen. „Ein Manager, der dieses Image lädiert, würde umgehend entlassen.“

          Eine Kaufzurückhaltung wie seinerzeit auf dem Höhepunkt der „Euro-gleich-Teuro-Diskussion“ fürchtet Körber nicht. Genauso wenig sieht er allerdings eine Wende zum Besseren. „Im gesättigten Markt richten wir uns weiterhin auf einen scharfen Wettbewerb ein, der über den Preis und innovative Konzepte geführt werden muss.“

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