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Metro : „Von höheren Milchpreisen profitiert der Handel nicht“

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Von Mehrausgaben profitiere nur der Finanzminister

Nach seinen Worten hatte der Einzelhandel im bisherigen Jahresverlauf noch keinen konjunkturellen Rückenwind. Im ersten Halbjahr lag die Branche nach Abzug der Mehrwertsteuer um 0,3 Prozent unter Vorjahr. Die Kunden haben wegen der Mehrwertsteuererhöhung zwar mehr Geld ausgegeben. „Doch ist das bislang nicht in den Kassen der Händler gelandet, sondern ausschließlich beim Finanzminister.“

Bleibt also Geiz geil? Hier wird der Metro-Chef etwas einsilbig. Der Konzern, dessen Elektromarktkette Saturn mit diesem berühmten, stark polarisierenden Werbeslogan zwar viel Kritik und Schelte auf sich gezogen, aber ungeahnte wirtschaftliche Erfolge verbucht hat, will ab Oktober mit einer neuen Kampagne antreten. Die Aussage werde modifiziert, mehr verrät Körber nicht. Er verteidigt aber nochmals die alte, in viele Sprachen übersetzt auch im Ausland eingesetzte alte Werbekampagne. „In puncto Zahlen, Marktanteil und Bekanntheitsgrad war sie unglaublich erfolgreich.“ Zudem sei sie in der Zielgruppe der 20 bis 40 Jahre alten Kunden zu jedem Zeitpunkt richtig verstanden worden. Zumindest Branchenkenner erwarten deshalb, dass nicht so ganz mit dem alten Konzept gebrochen wird.

Preis-Fixierung statt Delikatessen

Nach Körbers Beobachtungen tut sich der deutsche Durchschnittskunde grundsätzlich sehr schwer mit dem Geldausgeben, vor allem dann, wenn es um Service geht. „Er möchte zwar Service, will ihn aber möglichst nicht bezahlen.“ Dass Schüler gegen Trinkgeld beim Einpacken der Ware helfen und die Einkäufe zum Auto bringen, ist in Amerika an der Tagesordnung, hierzulande aber nicht realisierbar, meint der viel durch die Welt reisende Handelsmanager. Auch gehobene Konzepte für den Lebensmittelhandel, wie sie die amerikanische Wholefoods-Gruppe mit großflächigen Delikatess-Discountern oder die britische Kette Waitrose mit stark serviceorientierten Edelsupermärkten betreiben, hält er in Deutschland wegen der starken Fixierung auf den Preis für nicht durchsetzbar, zumindest nicht im großen Stil.

Nach Einschätzung Körbers wird Metro auch künftig vor allem im Ausland wachsen. Speziell für die Elektronikfachmärkte Media Markt und Saturn sieht er jedoch auch erhebliche Reserven in Deutschland. „Hier verfolgen wir eine Verdichtungsstrategie, die noch viel Potential hat.“ Als europäischer Marktführer werde die Gruppe von der Einführung neuer Techniken profitieren, deren Wertschöpfung nicht allein auf das im Laden verkaufte Gerät begrenzt ist. Beispiele sind Klingeltöne für Mobiltelefone, digitale Fotodienste, Softwareabonnements für Personalcomputer oder Verträge über Nutzung bestimmter Fernsehprogramme.

„Wir machen jetzt unsere Schularbeiten zu Ende“

Ansonsten erwartet er im Inland eher weitere Bereinigungen innerhalb der Handelslandschaft. Gerüchte, der Metro-Konzern werde möglicherweise seine Extra-Supermärkte im Tausch gegen die Toom-SB-Warenhäuser an Rewe abgeben, will Körber indessen nicht kommentieren. Er gibt sich zuversichtlich, die eingeleitete Neupositionierung der mit Ertragsproblemen kämpfenden SB-Warenhaussparte von Real unter neuer Leitung des ehemaligen Carrefour-Managers Joël Saveuse zum Erfolg zu bringen: „Wir machen jetzt unsere Schularbeiten zu Ende. Die Restrukturierung greift. Das ist nicht einfach, aber wir werden es schaffen.“ Zu dem Ziel, bei den inländischen Real-Filialen bis 2009 eine Umsatzrendite von 3 Prozent (bezogen auf das Ergebnis vor Zinsen und Steuern) zu schaffen, steht er weiterhin.

Aus Sicht Körbers soll sich in absehbarer Zeit am Portfolio des Konzerns nichts ändern. „Wir sind mit dem Portfolio zufrieden, das gilt auch für Galeria Kaufhof“, sagt er mit Blick auf auch in Analystenkreisen immer wieder aufgezeichnete Szenarien, wonach sich dieses für den Gesamtkonzern vergleichsweise kleine Geschäftsfeld gut abspalten und entweder an Investoren oder gar den Mitbewerber Karstadt weiterreichen ließe.

„Auf langfristige Wertsteigerung angelegt“

Wenn sich Finanzinvestoren wie KKR sogar den genossenschaftlichen Lebensmittelhandelskonzern Rewe näher angeschaut haben, wie einfach wäre dagegen der Einstieg in einen DAX-Wert? Hier wiegelt der Metro-Vorstandsvorsitzende ab. „Unsere Strategie ist in Abstimmung mit den Mehrheitsgesellschaftern (den Familien Beisheim, Haniel und Schmidt-Ruthenbeck) auf langfristige Wertsteigerung angelegt.“

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