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Daimlers Kronprinz : „Hi, ich bin der Ola“

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Kein Konstrukteur, sondern Schwärmer

Was aber ist dieser Källenius nun für einer? In aller Kürze: Ola Källenius, Jahrgang 1969, ist ein Schwede ohne schwäbischen Akzent (aber mit schwäbischer Ehefrau), das Paar hat drei Kinder im Teenager-Alter. Anfang vorigen Jahres war der 1,95-Meter-Mann in den Vorstand berufen worden, was damals schon als Signal gedeutet wurde – und auch so gemeint war. Der Betriebswirt (Studium in St. Gallen) kam 1993 zu Daimler (als High Potential in der internationalen Nachwuchsgruppe) und hat seither die wichtigsten Ecken im Konzern gesehen: Werksleiter im amerikanischen Tuscaloosa, Leiter des Formel-1-Motoren-Werks im britischen Brixworth, Geschäftsführer von Mercedes-AMG, der Kraftprotz-Abteilung im Konzern. Seit 2015 wirkt er als „oberster Verkäufer“ – so hat er selbst die Aufgabe als Vertriebsvorstand definiert.

Der gegenwärtige Konzernchef Dieter Zetsche will spätestens zum Jahreswechsel 2019/2020 ausscheiden.

Kein Anlass ist ihm zu blöd, als dass er nicht versucht, eigenhändig ein paar Autos zu verkaufen. Auch wenn er vermutlich keinen Motor konstruieren kann, davon schwärmen kann er unübertroffen. Wenn der Skandinavier die neue E-Klasse preist, gibt er erst dann Ruhe, wenn die Welt einsieht: Ein schöneres, klügeres Auto hat die Menschheit noch nicht gesehen. Ehrlicherweise ist zu sagen, dass es selten so leichtfiel, die Modelle der Stuttgarter zu loben – das erkennen selbst die Konkurrenten in Ingolstadt und München an.

Macho-Zeiten neigen sich dem Ende entgegen

Privat fährt Familie Källenius einen GLC, also einen der neuen SUV von Mercedes, auch wenn die Rückbank für die drei Jungs reichlich klein ist. Notfalls sitzt seine Frau hinten, damit der nach dem Vater geratene Älteste vorne die Füße ausstrecken kann. Sicher ist, dass mit dem Schweden ein neuer Führungsstil in die Mercedes-Hallen einzieht, inklusive skandinavischer „Duz-Kultur“: „Hi, ich bin der Ola, freut mich, dass du da bist“, so begrüßt Källenius für gewöhnlich Leute, die neu dazustoßen in seinen Tross. Ein Jürgen Schrempp, stolz auf sein Rambo-Image, hätte als Daimler-Chef seinerzeit nie so gesprochen, das ist gewiss. Aber auch in der Autoindustrie neigen sich die Macho-Zeiten dem Ende entgegen.

Ola Källenius bei der Weltpremiere des neuen Mercedes-Benz GLC – auch privat das Auto des Schweden.

Seit Dieter Zetsche seinen gesamten Vorstand zur Bildungsreise mit ins Silicon Valley geschleppt hat, ticken sie eh anders in Stuttgart. Plötzlich reden sie unentwegt von Digitalisierung und Disruption. Wer dort jetzt noch Krawatte trägt, hat entweder den Schuss nicht gehört oder outet sich bewusst als Mann vergangener Zeiten. Zetsche ist praktisch nur noch mit offenem Hemd unterwegs, selbst beim hochoffiziellen Neujahrsempfang neulich in Berlin. Wer was werden will, tut es ihm nach.

Zu diesen neuen Zeiten passt Ola Källenius wie gemalt: ein Familienmensch, smart, vielsprachig, rhetorisch versiert, angenehme Umgangsformen. Den Untergebenen lässt er eine lange Leine, entscheidet im Zweifel trotzdem knochentrocken. Dabei wirkt er immer einen Tick frischer, als man es in einem Traditionskonzern gewohnt ist. „Wir verkaufen künftig keine Autos, sondern ein Lebensgefühl“, hat Källenius als Parole ausgegeben. Es brechen neue Zeiten an beim Erfinder des Automobils.

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