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Konzern-Aufspaltung : Daimler will nicht mehr Daimler sein

Ein Elektro-Lastwagen eActros von Mercedes-Benz Bild: dpa

Großumbau in Stuttgart: Der Daimler-Konzern will sein Lastwagen- und Bus-Geschäft abspalten und noch dieses Jahr an die Börse bringen. Das verbleibende Unternehmen soll in Mercedes-Benz umbenannt werden.

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          Daimler soll ein komplett neues Unternehmen werden. Geplant ist die Aufspaltung des Geschäfts in zwei unabhängige Unternehmen. Dazu soll Daimler Trucks, also das Lastwagen- und Bus-Geschäft, abgespalten und noch dieses Jahr mehrheitlich an die Börse gebracht werden. Der Stuttgarter Konzern wiederum soll in Mercedes-Benz umbenannt werden und sieht sich dann als „weltweit herausragender Hersteller von Autos im Luxussegment“ mit Führungsanspruch bei elektrischen Antrieben und Fahrzeugsoftware.

          Susanne Preuß
          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Diesen grundsätzlichen Umbau hätten Vorstand und Aufsichtsrat beschlossen, teilte das Unternehmen am späten Mittwochnachmittag mit – kurz darauf setzte die Aktie zu einem Höhenflug an. Binnen Minuten lag der Kurs der Daimler-Aktie um 5 Prozent über dem Vortagesniveau. Seit dem Vorabend hatte es schon Spekulationen gegeben, dass der Aufsichtsrat die Weichen für einen Börsengang der Truck-Sparte stellen würde, und schon das allein stieß bei Analysten auf positiven Widerhall. 

          „Dies ist ein historischer Moment für Daimler und der Anfang für eine tiefgreifende Umgestaltung des Unternehmens“, lässt sich Ola Källenius, der seit knapp zwei Jahren amtierende Vorstandschef des Traditionskonzerns zitieren, und er fügt zur Erklärung an, die beiden entstehenden Konzerne arbeiteten in verschiedenen Branchen mit verschiedenen Kundengruppen, Technologiepfaden und Kapitalanforderungen. „Mercedes-Benz ist die wertvollste Luxus-Automarke“, sagte Källenius, „Daimler Truck liefert den Kunden eine Vielzahl von branchenführenden Transportlösungen und Dienstleistungen.“ Tatsächlich machen Lastwagen der Marke Mercedes nur einen sehr kleinen Teil des Nutzfahrzeug-Geschäfts von Daimler aus.

          „Bald gibt es zwei Dax-Konzerne mit Mercedes-Stern“: Daimler-Chef Ola Källenius und Betriebsratschef Michael Brecht im F.A.S.-Interview

          „Wir sind überzeugt: mit einem unabhängigen Management werden beide Einheiten künftig noch schneller agieren, ehrgeiziger investieren sowie Wachstum und Kooperationen gezielter vorantreiben können“, fasste Källenius zusammen.

          Klare Zustimmung zu den Plänen kam auch von Michael Brecht, dem Gesamtbetriebsratschef von Daimler – obwohl in der Vergangenheit ein Börsengang der Truck-Sparte durch die Betriebsräte immer abgelehnt worden war. Nun klingt die Einordnung anders. „Die Transformation unserer Industrie schreitet schnell voran. Damit wir Schritt halten können, müssen wir mutiger und schneller Investitionen in Innovationen tätigen“, wird Brecht jetzt in der Mitteilung des Unternehmens zitiert. Dazu wird ein zusätzlicher Innovationsfonds mit 1,5 Milliarden Euro für die Truck-Sparte eingerichtet: „Das bringt zusätzliche Perspektiven für unsere Standorte und sichert Beschäftigung.“ Zudem, so betont der Betriebsratschef, bleibe die sogenannte „Zukunftssicherung“ in Kraft, die den Daimler-Mitarbeitern in Deutschland eine Beschäftigung bis Ende des Jahrzehnts zusichert.

          Technisch erfolgt die Aufteilung des Unternehmens, indem die Daimler-Aktionäre entsprechend ihrer bisherigen Beteiligung an dem Stuttgarter Unternehmen mit Daimler-Truck-Aktien ausgestattet werden. Daimler wolle eine Minderheitsbeteiligung an Daimler-Truck behalten, heißt es. Details müssen noch erarbeitet werden, ebenso ist noch offen, wie groß der an der Börse notierte Anteil sein soll. Alle Einzelheiten will Daimler in einer außerordentlichen Hauptversammlung im dritten Quartal 2021 vorstellen und den Aktionären zur Zustimmung vorlegen.

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