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„Lokalisierung“ der Produktion : Daimler-Werk in Russland eröffnet

Daimler-Chef Zetsche, der russische Präsident Putin und der deutsche Wirtschaftsminister Altmeier bei der Eröffnung der neuen Fabrik. Bild: dpa

In Russland sind die wirtschaftlichen Aussichten eher trüb. Trotzdem hat Daimler in der Nähe von Moskau eine neue Fabrik eröffnet. Das hat vor allem etwas mit der russischen Wirtschaftspolitik zu tun.

          Im Industriepark Jessipowo 40 Kilometer nordwestlich von Moskau sind Birken und Nadelbäume einer Fabrik gewichen. Sie soll den russischen Markt für Mercedes-Automobile, der aus Gründen der Einkommensverteilung vor allem ein Moskauer Markt ist, mit Limousinen der E-Klasse und SUV-Geländewagen versorgen. Am Mittwoch war Einweihung. Im dunklen Saal, zu sphärischen Klängen, die Triumphfanfaren wichen, stand Präsident Wladimir Putin zwischen dem Daimler-Vorstandsvorsitzenden Dieter Zetsche und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. Schiebetüren öffneten sich, eine E-Klasse-Limousine erschien, Herren und Publikum klatschten. Eine Bassstimme erklärte das Werk für eröffnet. Jubel.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Daimler hatte seit 2013 mit Moskau über das Werk verhandelt. Damals galt es als eine Frage der Zeit, bis Russland der größte Absatzmarkt in Europa würde. 2013 wurden noch 2,8 Personenwagen und leichte Nutzfahrzeuge verkauft. Dann sank der Ölpreis stark und die Wirtschaftslage trübte sich ein. 2018 wurden, nach zwischenzeitlich noch niedrigeren Werten, in Russland laut der Association of European Businesses wieder 1,8 Millionen Personenwagen und leichte Nutzfahrzeuge verkauft, mit den günstigen Marken Lada, Kia und Hyundai auf den ersten Plätzen. Mercedes liegt mit knapp 38.000 verkauften Automobilen auf Platz 15.

          Eine Mehrwertsteuererhöhung und Verbraucherskepsis trüben die Aussichten; die Realeinkommen der Russen sinken das fünfte Jahr in Folge. Ford beendet demnächst die Herstellung seiner Personenwagen in Russland. Aber in Jessipowo gab es keine Misstöne. Zetsche und Altmaier sprachen von „großem Potential“ und Exportchancen. Putin sagte, man werde weiter Projekte wie das Mercedes-Werk unterstützen und rühmte die Investitionen von knapp 260 Millionen Euro. Das Werk werde „die Kompetenz der russischen Autoindustrie verbessern“. Tausend Arbeitsplätze entstehen, bis zu 25.000 Fahrzeuge sollen im Jahr gefertigt werden.

          Moskau versucht seit Jahren, die Autoproduktion in Russland auszubauen, einerseits mit hohen Einfuhrzöllen für Bauteile und Fahrzeuge, andererseits mit Subventionen und Verkaufshilfen für im Land produzierte Autos. Die „Lokalisierung“ haben BMW in Kaliningrad und Volkswagen in Kaluga schon lange vollzogen. Mercedes-Benz produziert schon in Nischnij Nowgorod Kleintransporter. Der „Spezialinvestitionsvertrag“ für das Werk nahe Moskau folgte im Februar 2017, Baubeginn war im Juni 2017.

          Putin selbst setzte lange auf Mercedes-S-600-Pullman-Limousinen, nutzt seit 2018 aber ein „vaterländisches Erzeugnis“ namens „Aurus“, mit dem er nun auch bei Mercedes einrollte. Es soll mit einem von Porsche entwickelten Motor und einem früheren Daimler-Manager an der Spitze Mercedes im Luxus-Segment Konkurrenz machen.

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