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Modellprojekt in Berlin : Daimler und Siemens planen voll digitalisierte Autofabrik

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Der Stern soll wieder strahlen: Markenzeichen von Mercedes an einem Kühlergrill Bild: obs

Daimler und Siemens wollen gemeinsam eine voll digitalisierte Produktion von Elektroautos aufbauen. Das Traditionswerk soll zum Zukunftswerk werden.

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          Die Daimler-Pkw-Tochter Mercedes-Benz und Siemens planen zusammen eine voll digitalisierte Modellfabrik für den schwäbischen Autobauer in Berlin. Das fast 120 Jahre alte Mercedes-Werk in Marienfelde soll mit dem Umbau im Wandel von konventionellen Antrieben zu klimaschonenderen Elektroautos erhalten bleiben. Der „Digital Factory Campus“ werde zum Vorreiter für alle 30 Mercedes-Werke weltweit, sagte Mercedes-Produktionschef Jörg Burzer am Montag. „Wir digitalisieren den gesamten Produktionsprozess und die Lieferketten, nicht nur Bruchstücke davon oder nur einzelne Anlagen“, hob Siemens-Vorstand Cedrik Neike hervor, der das Geschäft mit der Industrieautomatisierung (Digital Industries) bei dem Münchner Technologiekonzern leitet.

          Siemens und Daimler investieren jeweils einen zweistelligen Millionenbetrag in den Umbau. Wie der Stuttgarter Autobauer Anfang März angekündigt hatte, soll das bisher auf Dieselmotoren spezialisierte Traditionswerk in Berlin ab diesem Jahr zum „Kompetenzzentrum für Digitalisierung“ umgebaut werden. Es werde eine Anlauffabrik entstehen, in der Komponenten für Elektroautos und auch ganze Fahrzeuge mit Pilotcharakter gebaut werden. Wie viele der rund 2400 Beschäftigten an Bord bleiben, ist offen. Die Investitionssumme deutet auf eine Verkleinerung hin, denn normalerweise kosten Werksumbauten zumindest Hunderte Millionen Euro. Daimler hatte auf notwendige „personelle Anpassungen“ hingewiesen, die sozialverträglich gestaltet werden sollen. „Wie viele Beschäftigte wir in Berlin 2025/26 und darüber hinaus haben werden, wird sich zeigen“, sagte Mercedes-Vorstand Burzer.

          Die IG Metall und der Betriebsrat hatten vor einem Kahlschlag gewarnt, falls die Motorenfertigung ersatzlos gestrichen würde. Die Kooperation für den Standort sei zu begrüßen, erklärte der Berliner IG-Metall-Chef Jan Otto. „Aber die Beschäftigten brauchen schnell Klarheit, was das für die künftige Zahl der Arbeitsplätze heißt.“ Mehr als zehntausend neue Jobs will in der Region unterdessen der amerikanische Elektroautobauer Tesla schaffen, der in Grünheide sein erstes Werk in Europa errichtet.

          Daimlers „Digital Factory Campus“ werde eine Blaupause dafür, wie Bandarbeiter der Motorenproduktion zu IT-Facharbeitern umgeschult würden, erklärte Burzer. Viele der Mercedes-Beschäftigten hätten eine Affinität für Digitalisierung. „Wir wollen die Kolleginnen und Kollegen, die an den Bändern arbeiten, qualifizieren, damit sie digitale Applikationen entwickeln können“, etwa zur Steuerung der Autoproduktion und zur Energieeinsparung. Die Programmier-Plattform „Mendix“ von Siemens, die ohne umfassende IT-Kenntnisse zu bedienen ist, soll ihnen das erleichtern. Damit werde die Software-Entwicklung mit der Anwendung in der Fabrik direkt verzahnt, sagte Neike. So könnten Millionen Daten täglich besser ausgewertet werden. „Wer in der Produktion arbeitet, weiß am besten, wo der Schuh drückt.“ Der Marke mit dem Stern soll das Geld sparen helfen. „Das bringt uns massivste Vorteile auf der Effizienzseite“, sagte Burzer.

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