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In der Verwaltung : Daimler streicht mindestens 10.000 Stellen

Der Mercedes-Stern auf der Konzernzentrale von Daimler in Stuttgart Bild: AFP

Der Stuttgarter Autokonzern will seine Verwaltung effizienter gestalten. Dafür soll eine niedrige fünfstellige Zahl an Mitarbeitern den Betrieb verlassen – am liebsten freiwillig.

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          Wie andere Autohersteller auch wird Daimler in den nächsten Jahren Tausende Stellen streichen, um „die Konzernstruktur zu verschlanken und damit Effizienz und Flexibilität zu steigern“, wie es in einer Mitteilung des Stuttgarter Konzerns heißt. Man wolle 1,4 Milliarden Euro sparen, hatte Vorstandschef Ola Källenius schon vor zwei Wochen berichtet. Nun konkretisierte der Daimler-Personalvorstand Wilfried Porth, es gehe um Abbau von Arbeitsplätzen in einem niedrigen fünfstelligen Bereich auf der ganzen Welt. 

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          „Wir reden hier über ein Paket für die Mitarbeiter in der Verwaltung,“ betonte Porth. Von den rund 300.000 Daimler-Beschäftigten haben mehr als 175.000 ihren Arbeitsplatz in Deutschland. Allein 6000 Mitarbeiter hat die neu gegründete Holding Daimler AG, was nicht nur von Investoren, sondern zuletzt auch von Vorstandschef Ola Källenius als latent überdimensioniert betrachtet wird.

          Es gebe aktuell keine Pläne für Personalabbau in der Produktion, sagte Personalvorstand Porth. Sollte auch dies notwendig werden, würde man mit dem Betriebsrat darüber verhandeln. Unklar bleibt vorerst, wie stark Forschung und Entwicklung von den Effizienzbemühungen betroffen sein werden. Einerseits investiert Daimler viel in Zukunftstechnologien. Andererseits gibt es schon die Aussage, dass neue Generationen von Verbrennungsmotoren nicht mehr entwickelt würden.

          Freie Tage statt Geld

          „Wir werden die Maßnahmen so sozialverträglich wie möglich gestalten“, verspricht Personalvorstand Porth. Der zugesagte Schutz vor betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland bis Ende 2029 bleibe unberührt. Dem Betriebsrat reicht diese Zusage allein nicht: „Die Belegschaft braucht eine klare und nachvollziehbare Vorwärtsstrategie“, fordert Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht. Er warnt zudem vor einer Leistungsverdichtung durch den Personalabbau: „Die Transformation zieht neue und zusätzliche Aufgaben für die Beschäftigten nach sich. Das Management muss aufzeigen, welche Themen in Zukunft nicht mehr gemacht werden sollen und wie Komplexität reduziert werden kann.“

          Die mit dem Betriebsrat ausgehandelten Eckpunkte für den Abbau in der Verwaltung setzen stark auf das Prinzip Freiwilligkeit. Die natürliche Fluktuation werde genutzt, um freiwerdende Stellen zu streichen, heißt es von Daimler. Zudem wird den Mitarbeitern in der Verwaltung der Abschied mit einem Abfindungsprogramm schmackhaft gemacht, und die Möglichkeiten zur Altersteilzeit sollen erweitert werden. Außerdem sind Anreize geplant für Beschäftigte, die vorübergehend ihre Arbeitszeit reduzieren.

          Und nicht zuletzt soll die T-Zug genannte Möglichkeit zur Umwandlung von Geld in freie Tage ausgeweitet werden: während bisher nur Schichtarbeiter und Mitarbeiter mit familiären Pflichten die Chance dazu hatten, soll die Regelung nun allen offen stehen, wenn für die Freistellung kein Kapazitätsersatz nötig ist. Neben den freiwilligen Maßnahmen für die Stammbelegschaft nutzt Daimler zudem die Möglichkeit, befristete Verträge nicht mehr zu verlängern und Zeitarbeit im Umfang zu verringern.

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