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Schwaches Geschäftsjahr : Daimler streicht Dividende und Prämien zusammen

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Der Daimler-Vorstand am Mittwoch auf der Bilanzpressekonferenz in Stuttgart Bild: Reuters

Der Gewinn des Stuttgarter Autokonzerns ist im vergangenen Jahr wie erwartet eingebrochen. Das bekommen Anleger und Mitarbeiter zu spüren. Daimler-Chef Dieter Zetsche will gegensteuern.

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          Der operative Gewinn von Daimler ist vergangenen Jahr um 22 Prozent auf 11,1 Milliarden Euro eingebrochen. Unterm Strich verdienten die Stuttgarter sogar 29 Prozent weniger. Der Auto- und Lkw-Hersteller will nach dem schwachen Vorjahr jetzt stärker auf die Kosten achten.

          „Für Daimler war 2018 ein Jahr mit starkem Gegenwind“, sagte der scheidende Konzernchef Dieter Zetsche am Mittwoch in Stuttgart. Bereits im vergangenen Jahr war die Pkw-Marge mit 7,8 Prozent unter den mittelfristigen Prognosekorridor von 8 bis 10 Prozent gerutscht – und auch 2019 geht der Dax-Konzern nur von 6 bis 8 Prozent aus. „Damit können und wollen wir nicht zufrieden sein“, sagte Zetsche. „Deshalb haben wir begonnen, umfassende Gegenmaßnahmen zu erarbeiten.“

          Es dürfte aber noch etwas dauern, bis diese fruchten. „Unser Anspruch ist, bis 2021 wieder in unseren angestrebten Renditekorridor von 8 bis 10 Prozent zu kommen“, sagte Zetsche. Bereits 2017 hatte Daimler bei Mercedes ein neues Sparprogramm aufgelegt, dass einen Schub von 4 Milliarden Euro über die nächsten Jahre bringen sollte. Details zu weiteren möglichen Maßnahmen wurden zunächst nicht genannt. „Das Umfeld bleibt 2019 äußerst herausfordernd“, sagte Zetsche. Das Kerngeschäft sei allerdings wettbewerbsfähig, damit könne der Konzern seine Zukunft selbst gestalten.

          Kündigungen zunächst ausgeschlossen

          Zetsche übergibt bei der Hauptversammlung im Mai die Führung an Entwicklungschef Ola Källenius. Auf seiner letzten Bilanzpressekonferenz musste der Vorstandschef aber wegen des Gewinneinbruchs im Vorjahr den Aktionären eine Kürzung der Dividende auftischen. Die Anteilseigner sollen für das abgelaufene Jahr mit 3,25 Euro je Papier 40 Cent weniger Ausschüttung erhalten als im Vorjahr. Der auf die Aktionäre entfallende Gewinn war um 29 Prozent auf 7,25 Milliarden Euro eingebrochen. Die Aktie fiel kurz nach dem Handelsstart um 1,7 Prozent.

          Auch die Daimler-Mitarbeiter bekommen weniger Prämie. Die rund 130.000 Tarifbeschäftigten des Konzerns erhalten in diesem Jahr nur 4965 Euro Ergebnisbeteiligung nach 5700 im Vorjahr. Grundlage für die Ermittlung der Prämie ist eine Berechnungsformel, die den Gewinn vor Zinsen und Steuern und die Umsatzrendite miteinander verknüpft. Betriebsbedingte Kündigungen sind bei dem Konzern zumindest bei der Stammbelegschaft in Deutschland erst einmal ausgeschlossen. Der Betriebsrat hatte 2017 eine neue Jobsicherung bis Ende 2029 ausgehandelt. Weltweit beschäftigte der Konzern zuletzt knapp 300.000 Mitarbeiter.

          Zuletzt drückte unter anderem der Zollstreit zwischen Amerika und China auf die Gewinne, außerdem belasteten aber auch Dieselrückrufe, absehbare Kosten für das früher verwendete Kältemittel R134a und die Einführung des neuen Abgas- und Verbrauchsstandards WLTP.

          Hoffnungen auf Lkw-Geschäft

          Insgesamt soll der Konzernumsatz in diesem Jahr leicht zunehmen – das heißt um zwischen 2 und 7,5 Prozent. Das im Vorjahr deutlich eingebrochene Ergebnis will Daimler nun wieder leicht steigern, zwischen 5 und 15 Prozent. Dabei ist der voraussichtliche Sonderertrag aus der Gründung des Carsharing-Joint-Ventures mit BMW bereits enthalten. Belasten dürfte hingegen ein mittlerer dreistelliger Millionenbetrag für die Verselbstständigung der Sparten. Bedeutend höhere Materialkosten und negative Wechselkurseffekte kommen hinzu.

          Weiter besser laufen soll es allerdings in der zweitwichtigsten Sparte, bei den schweren Lkw. Hier rechnet Daimler 2019 mit einer Umsatzrendite von 7 bis 9 Prozent (VJ 7,2). Schon im Vorjahr hatte die Sparte wegen des Booms auf den Lkw-Märkten vor allem in Nordamerika besser abgeschnitten. Analyst Jose Asumendi von der amerikanischen Bank JPMorgan sprach in einer ersten Reaktion mit Blick auf den Gesamtkonzern von einem vorsichtigen Ausblick. Er will nun weitere Details zu den geplanten Kostensenkungen abwarten.

          Die Trucks und Vans sorgten zusammen mit der Finanzsparte dafür, dass der Umsatz im Jahr 2018 konzernweit um 2 Prozent auf 167,4 Milliarden Euro stieg. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern ging allerdings unerwartet kräftig um 22 Prozent auf 11,1 Milliarden Euro zurück. Der Autokonzern gab neben den Sonderkosten auch viel Geld für neue Modelle und neue Technik wie Elektroantriebe aus.

          Im Gesamtjahr verfehlte Daimler beim für die Dividende wichtigen freien Geldzufluss aus dem Fahrzeugbaugeschäft das Ziel, den Auszahlungsbetrag der Vorjahresdividende in Höhe von insgesamt 3,9 Milliarden Euro zu erreichen. Am Ende stand ein positiver freier Mittelzufluss von 2,9 Milliarden Euro. In diesem Jahr sollen die Zuflüsse leicht steigen.

          Daimler verfüge weiter über hohe Geldbestände und eine robuste Bilanz, sagte Finanzchef Bodo Uebber. „Damit wir auch in Zukunft konsequent in weiteres Wachstum und neue Technologien investieren können, müssen wir unsere Effizienz weiter verbessern und daran arbeiten, Daimler so flexibel wie möglich aufzustellen.“ 2019 und 2020 werde Daimler knapp 15 Milliarden Euro in Sachanlagen sowie mehr als 18 Milliarden in Forschungs- und Entwicklungsprojekte investieren.

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