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Transformation : Daimler stellt Smart-Werk Hambach zum Verkauf

Hier sollen Bald keine Smart mehr vom Band rollen: Die Produktion am Standort Hambach Bild: dpa

Weil in der Krise weniger Autos nachgefragt werden, wird der Standort für Daimler immer mehr zur Belastung. Auch in anderen Bereichen treibt der Autobauer die Transformation voran.

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          Der Umbau der Autowirtschaft hat viele Facetten. An einem einzigen Tag verkündete Daimler einerseits, man beteilige sich an dem chinesischen Batteriezell-Spezialisten Farasis, der in der Nacht an die Börse gegangen sei. Einige Stunden später verkündete der Stuttgarter Fahrzeugkonzern andererseits das Ende des Werks Hambach als Daimler-Standort. Es wird ein Käufer gesucht – „mit dem Ziel, dem Standort eine bestmögliche Zukunftsperspektive zu geben.“  

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Betroffen davon sind 1600 Mitarbeiter, die aktuell im lothringischen Hambach noch den Kleinstwagen Smart herstellen. Ohnehin werden nur noch die beiden elektrischen Zweisitzer (als Cabrio und geschlossen) dort produziert, mit mäßigem Erfolg. Nur noch 117.000 wurden im vergangenen Jahr abgesetzt, im ersten Quartal 2020 sogar nur noch 5900. Der chinesische Autohersteller Geely, dessen Eigentümer Li Shufu der größte Daimler-Aktionär ist, will Smart als reine Elektromarke positionieren und in China produzieren.  

          Für den Standort Hambach hatte dagegen der frühere Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche eine Zukunftsvision gezeichnet, mit der er gerade in Frankreich auf große Gegenliebe stieß: künftig sollten dort elektrische Mercedes-Kompaktwagen hergestellt werden, lautete der Plan, den Zetsche vor zwei Jahren öffentlichkeitswirksam dem französischen Präsidenten in Champs-Elysee vortrug. 500 Millionen Euro Investitionen wurden damals angekündigt, um das Werk zu modernisieren und zu erweitern, das auch bei seiner Einweihung 1997 schon höchste Politprominenz nach Lothringen gezogen hatte, den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl und Frankreichs Präsident Jacques Chirac. 

          Daimler und Farais bauen strategische Partnerschaft aus

          Jetzt aber wird Hambach für Daimler zur Belastung, weil die Kapazitäten durch die Corona-Krise ohnehin viel zu groß sind. Der Rückbau aber wird teuer. Einen dreistelligen Millionen-Eurobetrag plant Daimler für die Restrukturierung in Hambach vorerst ein. Im weiteren Verlauf könnten weitere Belastungen hinzukommen, heißt es in einer Mitteilung von Daimler. Eine Abwertung der Beteiligung wird im zweiten Quartal verbucht, das werde aber keine Auswirkung auf den Free Cash Flow des Industriegeschäfts haben. Detaillierte Zahlen zum zweiten Quartal legt Daimler erst am 23. Juli vor.   

          Die Transformation des Geschäfts wird freilich auch ein bedeutendes Thema auf der Hauptversammlung der Daimler AG in der kommenden Woche sein. Der seit gut einem Jahr amtierende Vorstandsvorsitzende Ola Källenius hat bei seinem Amtsantritt schon das Programm „Ambition 2039“ verabschiedet, mit dem die Produktion und auch die Produkte schnell CO2-neutral werden sollen. „Wir treiben die Transformation weiter mit Hochdruck voran“, lässt sich Källenius in der Mitteilung zum beabsichtigten Verkauf des Smart-Werks zitieren. 

          Dieser Satz könnte ebenso in der einige Stunden zuvor von Daimler verbreiteten Mitteilung zu einem scheinbar ganz anderen Thema stehen – zum Einstieg beim chinesischen Batteriezellen-Hersteller Farasis Energy. Im Zuge des Börsengangs von Farasis habe man einen Anteil von 3 Prozent erworben, heißt es. Damit werde die strategische Partnerschaft zwischen Daimler und Farasis untermauert, die Mercedes die sichere Belieferung mit Batteriezellen und Farasis Planungssicherheit für den Kapazitätsaufbau biete.

          Schon im vergangenen Jahr wurde vereinbart, dass Farasis in Bitterfeld-Wolfen in Sachsen-Anhalt ein Werk für Batteriezellen baut und dort bis zu 2000 neue Arbeitsplätze schafft. Die Fabrik, die ausschließlich für die Belieferung von Mercedes gedacht ist, wurde von vornherein als CO2-neutrale Fabrik konzipiert. Der Grundstückskauf für die Fabrik sei vollzogen, mit dem Bau soll in der zweiten Jahreshälfte begonnen werden. Stärker als bisher will der Stuttgarter Konzern offenbar Einfluss auf die künftig verwendeten Zell-Technologien nehmen.  

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