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Daimler schließt Fabriken : Mexiko hat Vorrang vor Kanada

Daimler-Nutzfahrzeugvorstand Andreas Renschler: Auf einen Markteinbruch in Europa ist Daimler besser vorbereitet Bild: AP

Der Nutzfahrzeugmarkt in Nordamerika ist längst eingebrochen. Jetzt zieht Daimler Konsequenzen: die Werke in Kanada werden geschlossen, mehr als 2300 Mitarbeiter verlieren ihren Job. Künftig wird der Konzern seine Produktion ins Niedriglohnland Mexiko verlagern.

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          Eine Neuordnung des Nutzfahrzeuggeschäfts soll der Daimler AG Ergebnisverbesserungen von 900 Millionen Dollar im Jahr einbringen - allerdings erst vom Jahr 2011 an. Dies soll vor allem durch die Schließung zweier Fabriken in Kanada und die Verlagerung der Produktion an mexikanische Standorte erreicht werden. Außerdem gibt Daimler die Marke Sterling auf, wodurch ein eigener Vertrieb und eine eigene Verwaltung überflüssig werden.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Die Belegschaft von Daimler Trucks Nordamerika schrumpft von jetzt 20.400 auf knapp 17.000 Mitarbeiter, weil 1200 Stellen in der Verwaltung sowie 2300 Fabrikarbeitsplätze in Kanada eingespart werden, wie es seitens des Stuttgarter Konzerns heißt. Bis die Einsparungen realisiert sind, rechnet Daimler aber mit Kosten von 600 Millionen Dollar. Die Hälfte davon entfällt auf Abfindungen für die Mitarbeiter sowie für Händler. In die Ergebnisrechnung dieses Jahres werden 350 Millionen Dollar einbezogen, der Rest verteilt sich auf die nächsten drei Jahre. An der Börse verzeichnete die Daimler-Aktie im insgesamt sehr positiv gestimmten Aktienmarkt schon vor Veröffentlichung der Pläne überproportionale Kursgewinne.

          Nachfrageeinbruch in Nordamerika

          Mit Kursen von zeitweise mehr als 29 Euro hat sich die Daimler-Aktie damit wieder sehr deutlich von ihrem am Freitag erreichten Allzeit-Tief bei 21,06 Euro abgesetzt. Die Neustrukturierung des Nordamerika-Geschäfts fällt in eine Zeit des drastischen Absatzrückgangs. Während vor zwei Jahren in Nordamerika noch fast eine halbe Milliarde Lastwagen verkauft wurden, waren es im vergangenen Jahr gut ein Drittel weniger, Tendenz weiter fallend, wie Daimler-Nutzfahrzeugvorstand Andreas Renschler in einer Telefonkonferenz unter Verweis auf gestiegene Sprit-Kosten in Kombination mit düsteren Konjunkturperspektiven darlegte. Den Weltmarktführer Daimler, der in Nordamerika bisher mit den Marken Freightliner (Marktanteil 23 Prozent) und Western Star (unter einem Prozent Marktanteil) sowie mit Sterling (gut 4 Prozent Marktanteil) arbeitete, traf die Nachfrageschwäche mit einem Rückgang von 37 Prozent härter als die Konkurrenz.

          Sterling-Werk im kanadischen St. Thomas: 1400 Mitarbeiter verlieren hier ihren Arbeitsplatz

          Die Zielvorgaben des Konzerns für die Rendite dürfte der Geschäftszweig längst nicht mehr erfüllen, auch wenn Details dazu bei Daimler nicht mitgeteilt werden. „Im Rahmen unserer Gobal Excellence Strategie streben wir grundsätzlich Rentabilität auf Benchmark-Niveau an“, sagte Renschler lediglich. Auf einen Markteinbruch in Europa wäre Daimler besser vorbereitet, weil die Produktion der Mercedes-Laster deutlich flexibler sei, versicherte Renschler. Derzeit sind die deutschen Lastwagen-Werke aber noch stark ausgelastet, sogar samstags wird produziert.

          Mehr als 2300 Mitarbeiter verlieren ihren Job

          Ein Teil der Kosteneinsparungen erzielt Daimler durch eine Verlagerung der Produktion in das Niedriglohnland Mexiko, wo im Februar 2009 ein Werk in Saltillo eröffnet wird. Der Produktionsanteil an Niedrigkostenstandorten verdoppelt sich damit für die nordamerikanische Lastwagensparte, weil Daimler gleichzeitig zwei kanadische Werke schließt: jeweils mit Auslaufen der Tarifverträge endet die Produktion im März 2009 in St. Thomas, wo von 1400 Mitarbeitern die Sterling-Laster produziert wurden und im Juni 2010 in Portland, wo 900 Beschäftigte bisher die hochpreisigen Lastwagen von Western Star sowie Militärfahrzeuge der Marke Freightliner herstellen.

          Für die Marke Sterling, die Daimler nun einstellt, betrieb der Konzern bisher eine eigene Vertriebsorganisation. Bei der Übernahme vor einem Jahrzehnt habe man geglaubt, die unterschiedlichen Zielgruppen damit optimal bedienen zu können.

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