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Daimler präsentiert : Wenn der Laster leise in die Stadt kommt

26 Tonnen und 200 Kilometer Reichweite schafft der neue Daimler-Lastwagen. Bild: dpa

Mit dem „Urban eTruck“ will Mercedes das Elektrozeitalter für Laster beginnen. Was Tesla-Chef Musk gerade als Vision vorstellte, gibt es in Stuttgart nun in echt.

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          Ein paar Tage lang hatte Tesla wieder einmal die volle Aufmerksamkeit. Der Elektroauto-Pionier werde bald auch elektrisch betriebene Busse und Lastwagen anbieten, kündigte Tesla-Chef Elon Musk in seinem Blog an.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Wahrscheinlich ungewollt verschaffte Musk damit einer Veranstaltung in Stuttgart unerwartet großen Zuspruch: hunderte von Journalisten aus aller Welt wollten dabei sein, als Daimler den ersten elektrischen Mercedes-Lastwagen zeigte, „urban eTruck“ genannt.

          Im Gegensatz zu Musks Visionen gibt es diesen Lastwagen nämlich schon in echt, mit seinen 26 Tonnen schafft er 200 Kilometer mit einer Batterieladung. Das Publikum kann ihn im  Herbst auf der Automesse IAA Nutzfahrzeuge in Hannover sehen, Anfang des nächsten Jahrzehnts soll der Elektro-Laster in Serie gehen.

          „Jetzt haben wir die Königsklasse angepackt“

          „Bis jetzt gibt es noch niemanden, der mit E-Mobilität Geld verdient, aber jetzt ist die Zeit reif“, sagte Wolfgang Bernhard, Nutzfahrzeug-Vorstand der Daimler AG während der Premiere auf der Einfahrbahn am Mercedes-Stammsitz Untertürkheim. Die Technik habe große Fortschritte gemacht und gleichzeitig sei ein Markt im Entstehen.

          Weil immer mehr Menschen in Städten wohnen und dort immer mehr Güter transportiert werden müssen, steige das Interesse daran, dies möglichst  leise und emissionsfrei zu tun. Schon gibt es Metropolen, die Verbrennungsmotoren aus dem Stadtzentren verbannen wollen – entsprechend wachse der Bedarf, die Versorgung über Elektro-Lastwagen sicherzustellen.

          „Unsere Kunden wollen ihr Geschäft zukunftssicher machen und suchen das Gespräch mit uns“, berichtete Bernhard. Erste Erfahrungen mit dem Kleinlaster Fuso Canter, der in der Elektroversion seit dem Jahr 2014 auf seine Alltagstauglichkeit getestet werde, seien positiv. „Jetzt haben wir die Königsklasse im Verteilerverkehr angepackt.“

          Der Elektrolaster ist nicht einfach ein umgebauter Lastwagen, wie er von anderen Herstellern teilweise schon gezeigt wurde, wurde nun betont. Vielmehr sei das Antriebskonzept  völlig neu ausgedacht. Dabei profitiert die Truck-Sparte von Entwicklungen innerhalb des Konzerns. Für die Achse greift man auf die eines Mercedes-Hybrid-Busses zurück, die Energie kommt über die gleichen  Lithium-Ionen-Batterien, wie sie die Personenwagen-Sparte einsetzt.

          Trotz dieser Vorteile ist der Elektro-Laster noch alles andere als ein gutes Geschäft. „Wir sind auf der Wirtschaftlichkeitsseite noch nicht dort, wo wir sein wollen“, umschrieb Bernhard das Problem. Er sehe derzeit auch noch keine Perspektive, mit dem Anschaffungspreis für einen Elektrolastwagen unter den Preis eines herkömmlich angetriebenen Lastwagens zu kommen. Gleichwohl registriere Daimler Trucks Interesse aus der ganzen Welt. Und immerhin seien 10 Prozent aller Lastwagen im städtischen Verteilerverkehr eingesetzt, für die der jetzt vorgestellte Mercedes-Laster geschaffen sei.

          Wesentlich für die Kunden sei die Reichweite, erklärte Sven Ennerst, Entwicklungschef der Daimler Truck-Sparte. Für eine typische Tagestour im Verteilerverkehr seien 200 Kilometer völlig ausreichend, und diese wolle man bis zur Serienreife des Elektrolasters schaffen – „und zwar bei voller Zuladung“.  Diese ist bisher noch um 700 Kilo niedriger als bei einem vergleichbaren Laster mit Verbrennungsmotor, wobei schon der Öko-Bonus eingerechnet ist, den die EU gewährt: demnach dürfen Laster mit alternativen Antrieben ihre Nutzlast um eine Tonne höher ansetzen als solche mit Verbrennungsmotor.

          Allein die Batterien des jetzt vorgestellten Mercedes-Lasters bringen es auf 2,5 Tonnen, insgesamt wiege der elektrische Antriebsstrang 1,7 Tonnen mehr als das, was vom herkömmlichen verzichtbar sei, erklärte Ennerst, versprach aber: „Wir werden das Thema noch sehr aggressiv angehen, um Gewichtsgleichheit herzustellen.“

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