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Chinesischer Staatskonzern : Daimler-Partner kündigt Milliardeninvestition an

  • Aktualisiert am

Mercedes ist in China beliebt. Bild: dpa

Der chinesische Unternehmer Li Shufu wird größter Daimler-Aktionär. Kurz darauf bestätigt Daimler, seine Fertigung in Fernost auszubauen – allerdings nicht mit ihm.

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          Kurz nachdem ein chinesischer Unternehmer größter Aktionär von Daimler wird kündigt der Autohersteller eine Milliarden-Investition im Reich der Mitte an - mit einem anderen Konzern dort. Gemeinsam mit dem staatlichen chinesischen Automobilunternehmen BAIC werde Daimler umgerechnet mehr als 1,9 Milliarden Dollar ausgeben, um die Produktionskapazitäten auf dem größten Automarkt der Welt auszubauen. Damit solle die wachsende Nachfrage in dem Land bedient werden.

          Ein Daimer-Sprecher erläuterte, dazu werde ein existierender Standort von BAIC umgebaut. Dieser solle dann in der bereits bestehende Gemeinschaftsunternehmen Beijing Benz Automotive eingebracht werden.

          Am Wochenende wurde bekannt, dass der chinesische Milliarden Li Shufu, der den Autokonzern Geely gründete und führt, beinahe zehn Prozent aller Anteile an Daimler erworben hat. Er teilte mit, eine Allianz anzustreben, die sich vor allem auf autonomes Fahren und Elektromobilität fokussieren solle. Der chinesische Unternehmer wolle sich damit wappnen gegen zunehmende Konkurrenz aus der Technologie-Branche.

          Wer ist Li Shufu? Hier entlang geht es zum märchenhaften Aufstieg eines Bauernjungen.

          Die Bundesregierung bestätigte, dass sich der neue Großaktionär in der kommenden Woche mit dem Wirtschaftsberater von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Lars-Henrik Röller, treffen wird. Li Shufu teilte seinerseits zudem mit, kein großer Autokonzern könne den anstehenden Wettstreit ohne Partnerschaften gewinnen. Um die Technologieführerschaft übernehmen zu können, müsse man umdenken und Stärken bündeln und teilen. „Diese Vision spiegelt sich in meiner Investition bei Daimler wider.“ Aus seinem Umfeld  verlautete, Li gehe davon aus, dass nur etwa zwei oder drei Hersteller den Wandel der Branche überleben würden. Deshalb habe er Zugang zu einem Konzern mit einem technologischen Vorsprung gesucht.

          Li werde sich vollständig an die Regeln des Stuttgarter Autobauers halten und dessen Werte und Firmenkultur respektieren, teilte sein Konzern mit. Die Stuttgarter erklärten: „Daimler kennt und schätzt Li Shufu als chinesischen Unternehmer mit besonderer Kompetenz und Zukunftsorientierung, mit dem man den industriellen Wandel konstruktiv diskutieren kann.“

          Noch sei nicht ganz klar, was Li wolle und wie es funktioniere könne, sagte Analyst Max Warburton vom Analysehaus Bernstein Research. Mit dem Schritt verfolge Li aber ein größeres Ziel. Nachdem China die europäische Autoindustrie gestützt habe, wolle es nun direkten Zugang zu Technologie, Marken und Gewinn.

          Ein Daimler-Sprecher sagte wiederum, die nun angekündigte Investition mit dem Partnerunternehmen BAIC hätten nichts mit dem Einstieg von Li Shufu in das in Stuttgart beheimatete Traditionsunternehmen zu tun. In dem Werk sollen verschiedene Mercedes-Modelle produziert werden, auch Elektroautos.

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