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Trotz Dieselkrise : Daimler fängt sich wieder

Die Schwäche der schweren Trucks belastet Daimler. Bild: dpa

Nach einem Verlust im zweiten Quartal wirkt die Lage des Autokonzerns mittlerweile entspannter. Die Aktionäre reagieren geradezu euphorisch.

          2 Min.

          Die Nachrichten aus dem Daimler-Konzern haben an der Börse deutliche Bewegung verursacht. Um mehr als 5 Prozent stieg der Kurs der Daimler-Aktie nach der Vorlage der Zahlen am Donnerstagmorgen und erreichte mit Werten um 53 Euro ein Niveau, das zuletzt vor einem halben Jahr erreicht wurde. Allerdings gab es auch differenziertere Stimmen, etwa von Max Warburton vom amerikanischen Analysehaus Bernstein: Die vorgelegten Quartalszahlen seien nur ein Stück Routinearbeit vor dem im November anstehenden bedeutsamen Kapitalmarkttag. Er sehe aber positive Signale, wie das neue Management die Geschäfte führe.

          Susanne Preuß
          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Fakt ist, dass Daimler im dritten Quartal durch einen Absatzrekord in der Autosparte die Pessimisten Lügen strafte: Fast 605.000 Mercedes-Autos wurden verkauft, 8 Prozent mehr als im Vorjahr, die Zuwächse bei Vans und Bussen waren sogar noch größer. Nur in der Truck-Sparte läuft es schlechter.

          Den Konzern-Umsatz konnte Daimler durch den Verkaufserfolg um 8 Prozent auf 43,3 Milliarden Euro steigern und ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern von 2,7 Milliarden Euro erwirtschaften, ebenfalls 8 Prozent mehr als im Vorjahr. Nachdem der Traditionskonzern aus Stuttgart im zweiten Quartal das erste Mal seit einem Jahrzehnt einen Verlust ausgewiesen hatte, sind das Werte, die über den Erwartungen der Analysten lagen.

          Kein U-Turn

          „Wir sind auf dem richtigen Weg“, urteilte der seit Mai amtiere Daimler-Finanzvorstand Harald Wilhelm, der die Zahlen aus dem dritten Quartal den Investoren und Journalisten in Telefonkonferenzen präsentierte, aber klar sei auch: „Wir müssen die Herausforderungen angehen, die vor uns liegen. Wir müssen nachschärfen.“ In der schriftlichen Pressemitteilung wird auch der ebenfalls seit Mai amtierende Daimler-Vorstandschef Ola Källenius zitiert, der sich aber ansonsten nicht weiter äußerte: „Um die Transformation in den nächsten Jahren zu meistern, müssen wir die Anstrengungen noch erheblich steigern: Wir müssen unsere Kosten deutlich reduzieren und den Cash Flow konsequent stärken.“

          Details dazu will der Daimler-Vorstand erst im November auf Kapitalmarkt-Veranstaltungen in London und New York erläutern. „Es geht darum, mit den Investoren den Dialog zu führen, das ist der Schwerpunkt“, sagte Finanzvorstand Wilhelm auf Nachfrage. Zeitnah würden dann die Mitarbeiter und die Öffentlichkeit informiert, kündigte Wilhelm an und dämpfte zugleich die Erwartungen: „Wir haben keinen U-Turn in der Strategie vor. Wir müssen schärfen und priorisieren.“

          Trucks und Diesel bereiten Sorgen

          Für das Jahr 2019 rechnet Daimler weiterhin mit einem Absatz auf Vorjahresniveau, wobei der Umsatz leicht steigen dürfte. Das operative Ergebnis (vor Zinsen und Steuern) wird – nachdem im zweiten Quartal sogar ein Verlust verbucht wurde – deutlich unter dem Vorjahreswert liegen. Für die Mercedes-Sparte, die eigentlich im langfristigen Mittel eine Umsatzrendite von 10 Prozent bringen soll, sind aktuell 3 bis 5 Prozent avisiert.

          Schlechter als von Daimler prognostiziert entwickelt sich das Geschäft mit Lastwagen in Europa und Nordamerika. Man komme von einem sehr hohen Niveau, relativierte Finanzvorstand Wilhelm die Entwicklung. Gleichwohl rechnet Daimler Trucks jetzt mit leichtem Absatzrückgang fürs Gesamtjahr und nur noch mit einer Umsatzrendite eher am unteren Rand eines Korridors von 6 bis 8 Prozent.

          Auch der Dieselskandal macht sich in diesem Jahr deutlich bemerkbar. Nachdem absehbar war, dass die Staatsanwaltschaft Stuttgart einen Bußgeldbescheid verhängen würde, musste der Konzern im zweiten Quartal die Rückstellungen anpassen, was entsprechend auf das Ergebnis durchschlug. Die Zahlung der 870 Millionen Euro an die Staatskasse wird wiederum im vierten Quartal die Liquidität entsprechend schmälern.

          Zahlungen dieser Art könnten theoretisch auch künftig noch auf Daimler zukommen. Weil einige Rechtsfälle im Zusammenhang mit der Manipulation von Abgasanlagen anhängig sind, deren Ausgang aber ungewiss ist, weist der Konzern in seinem Risikobericht darauf hin, ohne konkretere Angaben zu machen.

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