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Aktie im Plus : Daimler macht Verlust und bleibt doch zuversichtlich

Daimler-Chef Ola Källenius bleibt trotz schlechter Zahlen optimistisch. Bild: Picture-Alliance

Das erste Mal seit einem Jahrzehnt macht Daimler Verlust. Der neue Chef Ola Källenius verweist allerdings auf teure Sondereffekte. Auch die Anleger bleiben zuversichtlich.

          Es war das erste Mal, dass Ola Källenius als neuer Daimler-Chef die Halbjahreszahlen des Konzerns verkündete. Es sei „alles andere als zufriedenstellend“, dass Daimler innerhalb weniger Wochen die Prognosen gleich zweimal nach unten korrigieren musste, räumte Källenius in einer Telefonkonferenz mit Journalisten ein. Schon im nächsten Satz verbreitete er aber Zuversicht: „Wir erwarten eine starke Verbesserung im zweiten Halbjahr, weil wir ein starkes Produktportfolio haben. Unsere Pipeline ist voll.“

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          In allen Teilen des Konzerns seien Effizienzprogramme gestartet worden, über deren Details man aber erst im Herbst sprechen wolle. Dann werde er auf einem Kapitalmarkttag die langfristige Strategie für Daimler vorstellen, kündigte Källenius an. Klar ist: Man wird Hand an der Produktpalette angelegen, vielleicht einige Modelle komplett streichen, auf jeden Fall aber die Varianten im Antrieb reduzieren. Trotzdem betonte der Daimler-Chef, man werde an dem Versprechen festhalten, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen gebe. Für die indirekten Bereiche (also Mitarbeiter außerhalb der Produktion) gibt es sogar die Zusage, dass es auch keinen Personalabbau über Abfindungsprogramme geben werde.

          Sondereffekte belasten das Ergebnis

          Damit unterscheidet sich Daimler deutlich von anderen Herstellern, die angesichts einer allgemein nachlassenden Autonachfrage schon einen Belegschaftsabbau planen. Dabei weist der Stuttgarter Konzern zum ersten Mal seit einem ganzen Jahrzehnt einen Verlust auf. Das zweiten Quartal schließt mit einem Ergebnis vor Zinsen und Steuern von minus 1,6 Milliarden Euro (vor Zinsen und Steuern), während vor Jahresfrist noch ein positives Ergebnis von 2,6 Milliarden Euro ausgewiesen wurde.

          DAIMLER

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          Källenius relativierte diese Zahlen mit Verweis darauf, dass insgesamt 4,2 Milliarden Euro an Sondereffekten verbucht werden mussten. Ein erheblicher Teil davon entfällt auf den vom Kraftfahrt-Bundesamt verordneten Rückruf von Diesel-Autos, deren Abgasregelung nachgebessert werden muss. Ein weiterer Rückruf betrifft Airbags von Takata, die möglicherweise fehlerhaft sein könnten.

          Den Umsatz steigerte Daimler zwar um 5 Prozent auf 42,7 Milliarden Euro, allerdings vor allem, weil das Geschäft mit Lastwagen gut lief. Einen leicht steigenden Umsatz erwartet Daimler nun auch für das Gesamtjahr, das Ergebnis werde deutlich unter dem Vorjahr liegen.

          Der neue Mercedes-Benz GLE, präsentiert von Britta Seeger, Vorstandsmitglied der Daimler AG.

          Die erwartete kurzfristige Verbesserung von Umsatz und Ergebnis sieht der neue Daimler-Chef vor allem darin, genau jene Autos besser verfügbar zu machen, die stark gefragt sind und gute Renditen bringen, nämlich vor allem die Geländemodelle GLE und GLS: „Wir könnten jedes Auto sofort verkaufen“, betonte Källenius. Allerdings hätten einige Lieferanten bei der schnellen Anlaufkurve nicht mithalten können.

          Den Anlegern reicht die Zuversicht des neuen Daimler-Chefs offenbar für eine tendenziell positive Einschätzung. Nach einem verhaltenen Start kletterte der Kurs der Daimler-Aktie am Vormittag um fast zwei Prozent auf über 49 Euro.

          Analysten reagierten unterschiedlich. Während der DZ-Bank-Analyst Punzet den Wert der Daimler-Aktie angesichts der drastisch schlechteren Gewinnaussichten nur noch bei 38 Euro sieht, kommt Patrick Hummel von UBS auf einen Wert von 52 Euro, und Marc Andre Tonn von Warburg Research belässt seine Einschätzung bei 54 Euro und rät entsprechend, die Aktie zu halten. Am Vortag hatte der Daimler-Kurs schon deutlich zugelegt, nachdem der langjährige chinesische Partner Baic sich mit 5 Prozent an Daimler beteiligt hatte.

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