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Krise bei Daimler : Der Dieselskandal holt nun auch Mercedes ein

Mercedes musste 60.000 Autos des Typs GLK wegen vermutlich illegaler Abschalteinrichtungen zurückrufen Bild: dpa

Böses Erwachen bei Daimler: Nach einer Serie von Rekordmeldungen schlagen die Folgen des Dieselskandals auf Mercedes durch – und münden in einen Milliardenverlust.

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          Die Serie von Rekordmeldungen aus dem Hause Daimler ist noch nicht lange her, jetzt aber geht es stramm abwärts: Das zweite Quartal hat der Autokonzern aus Stuttgart mit einem Milliardenverlust abgeschlossen. Lag das Ergebnis vor Zinsen und Steuern vor einem Jahr noch bei 2,6 Milliarden Euro, stehen jetzt 1,6 Milliarden Euro unterm Strich.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Hauptgrund dafür ist der Dieselskandal – dafür stellt Mercedes nun noch einmal weitere 1,6 Milliarden Euro zurück. Einen Verlust im gesamten Jahr erwartet Daimler nicht, aber jedenfalls ein Konzernergebnis deutlich unter dem Vorjahreswert. Mit dieser Mitteilung schockte der Konzern am Freitagmorgen zum zweiten Mal innerhalb von drei Wochen die Anleger. Entsprechend heftig war die Reaktion. Zum Start des Börsenhandels notierte die Daimler-Aktie um 4,5 Prozent unter dem Vortageswert und riss auch die Titel der anderen Autohersteller mit. Die Papiere von BMW und Volkswagen fielen um bis zu 1,5 Prozent.

          Hausgemachte Probleme schlagen durch

          Dabei sind die Gründe für die Ergebniswarnung keineswegs nur im erwarteten Branchenabschwung zu sehen, sondern in großen Teilen hausgemacht. Gleich drei Faktoren reißen noch tiefere Löcher in die Ergebnisrechnung, als man das bei Daimler noch vor drei Wochen erwartet hat, als schon einmal die Gewinnprognose korrigiert wurde. Damals, Ende Juni, reagierte Daimler auf die Anordnung des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA), 60.000 Autos des Typs Mercedes-Benz GLK wegen mutmaßlich illegaler Abschalteinrichtungen zurückzurufen.

          Zwar hält Mercedes die eingebaute Steuersoftware für gesetzeskonform. Die Einschätzung, das auch gerichtlich durchfechten zu können, könnte sich durch diesen Rückruf aber geändert haben, und das wiederum könnte der Grund für eine Erhöhung der Rückstellungen sein. Offiziell hält sich das Unternehmen mit Erklärungen zurück. In der Pflichtmitteilung ist sehr allgemein von einer „Neueinschätzung im Zusammenhang mit laufenden behördlichen und gerichtlichen Verfahren und Maßnahmen betreffend Mercedes-Benz Dieselfahrzeuge in verschiedenen Regionen“ die Rede.

          Strafe für Manipulationen zu erwarten

          Prinzipiell ist auch damit zu rechnen, dass Daimler wie zuvor schon VW, Audi und Porsche sowie Bosch als Lieferant der Steuerungen ein Bußgeld für die Manipulationen erhält. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat sich dazu aber noch nicht geäußert. Eine weitere Milliarde hat Daimler für einen weiteren Rückruf zurückgestellt, der nichts mit dem Diesel-Skandal zu tun hat, sondern mit den Airbags von Takata, die in den verschiedensten Autofabrikaten in aller Welt schon Probleme bereitet und sogar zu tödlichen Unfällen geführt haben.

          Bei Mercedes habe man keine Fehler im Kontext mit den Airbags gefunden, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Weil bei neuen Tests im Labor einige Auffälligkeiten festgestellt worden seien, habe man sich „höchstvorsorglich“ zu einem Rückruf der betreffenden Fahrzeuge entschieden. Für Rückrufe wegen Takata-Airbags hat Daimler seit dem Jahr 2015 schon 675 Millionen Euro ausgegeben.

          Kooperation mit Nissan ist ein Flop

          Der dritte Faktor für die schlechteren Erwartungen ist auf den X-Klasse genannten Pickup von Mercedes zurückzuführen. Der Pritschenwagen, der in Kooperation mit Nissan seit 2017 in Spanien hergestellt wird, war von vornherein ein Flop. Die Produktion in Argentinien wurde gar nicht erst hoch gefahren. „Der Pick-up lässt sich preislich und kostenseitig in den lateinamerikanischen Märkten nicht darstellen“, sagte der damalige Finanzvorstand Bodo Uebber bei der Vorlage der Geschäftszahlen zum ersten Quartal.

          Jetzt steht nach Informationen der F.A.Z. das Modell komplett vor dem Aus. Ein Sprecher des Konzerns wollte sich nicht dazu äußern. Das wiederum dürfte damit zusammen hängen, dass man die Partner Renault und Nissan nicht unnötig verärgern will. In der Mitteilung von Daimler heißt es deshalb lediglich, eine „heute vom Vorstand im Rahmen der Überprüfung und Priorisierung des Produktportfolios getroffene Entscheidung“ werde das Ergebnis des Geschäftsfelds Vans im zweiten Quartal mit rund einer halbe Milliarde Euro negativ beeinflussen.

          Autoabsatz schleppend

          Ungeachtet der Sondereinflüsse läuft das Kerngeschäft nicht gut. Im ersten Halbjahr 2019 hat Mercedes 1,13 Millionen Autos verkauft, das sind 4,6 Prozent weniger als vor einem Jahr. In China, dem größten Einzelmarkt für Daimler, wurde im ersten Halbjahr mit knapp 345.000 verkauften Autos zwar ein leichtes Plus von 1,3 Prozent erzielt, aber im Juni war der Absatz nur noch magere 0,1 Prozent besser als voriges Jahr. Im Gegensatz dazu vermeldeten BMW und Audi vor wenigen Tagen eine positive Entwicklung in China. 

          Den stärksten Rückgang mit 8,8 Prozent verbucht Mercedes in Nordamerika. Im Heimatmarkt Deutschland zeigt der Trend abwärts: für das Halbjahr errechnet sich ein Minus von 2,7 Prozent, im Juni aber wurden 6,2 Prozent weniger Autos verkauft. Begründet werden die Rückgänge vor allem mit Modellwechseln im wichtigen Segment der SUV. Im ersten Halbjahr wurden 367.000 der geländegängigen Mercedes-Autos verkauft, 13,3 Prozent weniger als voriges Jahr. „Für das dritte Quartal gehen wir von Absatzimpulsen durch die neuen SUVs mit dem Stern aus“, wird Daimler-Vorständin Britta Seeger in einer Mitteilung zitiert.

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