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Umstrukturierung : Daimler verspricht sichere Arbeitsplätze bis 2030

Neue Struktur: Konzernchef Dieter Zetsche verwandelt Daimler in eine Holding. Bild: Reuters

Der Automobilkonzern Daimler wird zur Holding. Im neuen Gewand macht er der Belegschaft einige Zusagen. Und eine davon klingt fast zu gut, um wahr zu sein.

          Daimler wappnet sich für die Umbrüche der Fahrzeugbranche mit einer neuen Struktur. „Daimler steht vor einer besonderen Herausforderung: Einerseits sind wir so erfolgreich wie nie zuvor, andererseits verändert sich unser Geschäft wie nie zuvor“, erläutert Konzernchef Dieter Zetsche den Anlass für die neue Aufstellung, die vom Vorstand der Daimler AG am Montag beschlossen wurde. Für die Mitarbeiter, die den Wandel gestalten müssen, gibt es einen „Interessenausgleich“: sichere Arbeitsplätze bis 2030 in Deutschland, Milliardenbudgets für Investitionen hierzulande und eine deutliche Aufstockung des Pensionsvermögens.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Geplant sind jeweils rechtlich selbständige Einheiten für die drei dominanten Geschäftsfelder Auto, Nutzfahrzeuge und Dienstleistungen, jeweils mit Sitz in Deutschland. Die übergreifenden Aufgaben bleiben in einer Holding. Allein um die ersten Schritte zu tun und alle rechtlichen, steuerlichen und finanziellen Fragen zu klären, braucht Daimler einen dreistelligen Millionenbetrag. Letztlich entschieden wird frühestens auf der Hauptversammlung 2019.

          Börse reagiert verhalten

          Die Reaktion an der Börse fiel verhalten aus. Der Kurs der Daimler-Aktie stieg in einem freundlichen Börsenumfeld um knapp ein Prozent. Zahlreiche Analysten reagierten positiv auf die Ankündigung der Holding-Struktur und bekräftigten ihre Aktieneinstufungen, mit Kurszielen teils deutlich über dem aktuellen Kursniveau von knapp 69 Euro. Mit dem Umbau könne die Transparenz gesteigert und Mehrwert für die Aktionäre geschaffen werden, schrieb beispielsweise JP-Morgan-Analyst Jose Asumendi in einer ersten Reaktion und bekräftigte sein Kursziel von 85 Euro.

          Die Nachricht vom Umbau kam für die Profi-Anleger allerdings nicht überraschend. Schon vor drei Monaten hatte Zetsche in einer Telefonkonferenz zu den Halbjahresergebnissen berichtet, dass eine Holdingstruktur geprüft werde. Seit vielen Jahren gibt es entsprechende Vorschläge von Analysten, die darauf hinweisen, dass die einzelnen Teile des Konzerns wertvoller seien als das Ganze. Bei Daimler heißt es, die neue Struktur ziele nicht auf Börsengänge ab. Es sei nicht geplant, sich von einzelnen Geschäftsbereichen zu trennen.

          Es gehe auch nicht um ein Sparprogramm und nicht um Effizienz und schon gar nicht habe man die Absicht, Arbeitsplätze abzubauen, wird bei Daimler betont – sondern darum, die Wachstums- und Ergebnispotentiale in den jeweiligen Märkten noch besser zu erschließen. „Wir wollen die Zukunft von Daimler aus einer starken Position heraus sichern. Dazu müssen wir nicht nur so nah wie möglich am Puls der Kunden sein, sondern auch so schnell und flexibel wie möglich auf neue Marktentwicklungen und ein sich fundamental änderndes Wettbewerbsumfeld reagieren können“, erklärt Bodo Uebber. Der 58 Jahre alte Finanzvorstand hat als Chef der bereits eigenständigen Sparte Daimler Financial Services auch die Verantwortung für die neuen Mobilitätsdienstleistungen, mit denen sich Daimler in Konkurrenz zu neuen Wettbewerbern wie Uber und dergleichen begibt. Uebber gilt als Kandidat für die Position des künftigen Holding-Chefs. Gut möglich ist aber auch, dass Dieter Zetsche diese Aufgabe selbst übernehmen möchte. Der aktuelle Vertrag des heute 64 Jahre alten Daimler-Chefs läuft bis Ende 2019, der von Bodo Uebber ebenso.

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