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Daimler-Chrysler : Gesucht wird - Mister Mercedes

„Mister Mercedes” war er nie: Eckhard Cordes Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Die Automarke mit dem Stern braucht eine Identifikationsfigur: Wer folgt auf Dieter Zetsche, der den Mercedes-Chefposten für etwa ein Jahr von Eckhard Cordes übernommen hat? Ein Name hält sich hartnäckig: Thomas Weber.

          Wer wird eigentlich der neue Mister Mercedes? Keine Frage wird unter Automanagern in diesen Tagen so heiß diskutiert wie diese. Dabei kann sie erst seit diesem Donnerstag offiziell gestellt werden. Denn erst am Donnerstag hat Daimler-Chrysler den Rücktritt von Eckhard Cordes vom Amt als Mercedes-Vorstand bestätigt.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Fakten hatte der Mercedes-Boß schon vor drei Wochen geschaffen. Als Konzernchef Jürgen Schrempp seinen vorzeitigen Abschied erklärte, bot auch Cordes seinen Rücktritt an. Der Schrempp-Freund machte am 29. Juli sogar Kasse, löste seine Aktienoptionen im Volumen von mehr als 3 Millionen Euro ein. Spätestens von dem Tag an wußte jeder in der Konzernzentrale in Stuttgart-Möhringen, daß die Automarke mit dem Stern einen neuen Mann an der Führungsspitze braucht.

          Wer stellt die neue S-Klasse vor?

          Nun wird Dieter Zetsche, der designierte Daimler-Chrysler-Chef, auch Mercedes führen. Dem Manager mit dem markanten Schnauzbart, der fünf Jahre bei Chrysler in Amerika verbracht hat, soll Zeit gegeben werden, um in aller Ruhe einen Kandidaten auszusuchen, um genau zu beobachten, welcher Manager seine jeweilige Position nur von Schrempps Gnaden und wer sie qua Kompetenz errungen hat.

          Übernimmt das Steuer: Dieter Zetsche

          Doch Beobachter fragen sich: Soll der amtierende Chrysler-Chef Zetsche allen Ernstes in drei Wochen auf der bedeutendsten Automobilmesse der Welt, der IAA, als Mercedes-Chef unter dem amtierenden Vorstandsvorsitzenden Jürgen Schrempp auftreten? Wer wird die neue S-Klasse, die wichtigste Produktvorstellung aus dem Hause Mercedes auf absehbare Zeit, vornehmen? Was macht Schrempp überhaupt auf der IAA? Daß Schrempp, über dessen plötzlichen Abgang ohnehin allerlei Spekulationen kursieren, schon Anfang September ausscheiden könnte statt erst zum Jahresende, gilt indes als unwahrscheinlich.

          Kostendrücker und Erbsenzähler scheiden aus

          Gerade weil vieles bei Daimler-Chrysler unklar ist, läßt sich trefflich debattieren. Das beginnt mit der Frage, wer überhaupt den Titel "Mister Mercedes" verdient hat. Eckhard Cordes ist so eigentlich nie betitelt worden. Er ist im vergangenen Oktober als Ersatzmann für Wolfgang Bernhard angetreten, dem wenige Tage vor seinem Amtsantritt die Tür gewiesen wurde. Seither hat er zwar eifrig Zahlenkolonnen analysiert, Probleme benannt und Ziele formuliert (7Prozent Umsatzrendite bis 2007), aber zur Identifikationsfigur ist er in der Zeit nicht geworden. "Er hat kein Benzin im Blut", sagen viele - sprich: Er wäre nie Mister Mercedes geworden.

          Im Umkehrschluß heißt das: Auf den Fluren der Konzernzentrale und an den Fließbändern der Mercedes-Produktion wird erwartet, daß der Kandidat die Werte der Marke - Innovation, Qualität, Solidität - repräsentiert. Kostendrücker und Erbsenzähler scheiden damit von vornherein aus. Unter den internen Kandidaten hält sich lediglich ein Name hartnäckig: Thomas Weber, derzeit Forschungs- und Entwicklungsvorstand. Der 51 Jahre alte Ingenieur hat das gut funktionierende Werk Rastatt geleitet, wo jetzt die A-Klasse und B-Klasse für beste Auslastung sorgen. Außerdem, so wird argumentiert, könnte Daimler-Chrysler den Posten des Entwicklungsvorstands auf diese Weise ganz elegant einsparen.

          Münchener Schickeria statt Schwabenland

          Was allerdings gegen diese Wahl sprechen könnte, ist die Tatsache, daß Weber schon oft im Gespräch für den Posten war, aber dann erst Bernhard und schließlich auch Cordes berufen wurden. Weber würde im Ruf stehen, nur dritte Wahl zu sein. Er gilt zwar als anerkannter Fachmann, ist aber gewiß nicht der Typ, der siegessicher in die Kameras lächelt, um Nobelkarossen anzupreisen. Weber könnte ja noch über sich selbst hinauswachsen, wenn er denn berufen würde, hält man ihm zugute - andere waren ja auch erst etwas farblos. Im internen Blickfeld sind zudem Volker Stauch, Werksleiter in Untertürkheim, und Harald Schuff, Leiter Finanzen-Controlling im Daimler-Vertrieb. Beide haben immerhin schon unter Zetsche gearbeitet.

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