https://www.faz.net/-gqe-8vivx

Angriff auf den Diesel : Daimler-Chef sieht Fahrverbote als Eigentor

„Gerade in Baden-Württemberg, wo wir die modernsten Dieselmotoren der Welt herstellen, sollten sich die politisch Verantwortlichen bewusst sein, worauf Wachstum und Wohlstand fußen“, schreibt Dieter Zetsche. Bild: AFP

In Stuttgart gilt vom nächsten Jahr an ein Fahrverbot an Tagen mit hoher Luftbelastung für fast alle Diesel-Autos. Daimler-Chef Zetsche sagt jetzt mit klaren Worten, was er davon hält.

          1 Min.

          Es wird schwierig in den Städten für Besitzer von Diesel-Autos. In Stuttgart gilt an Tagen mit großer Luftbelastung schon im nächsten Jahr ein Fahrverbot für alle Modelle, die nicht die modernste Schadstoff-Norm Euro 6 erfüllen. Ein Aufschrei aus der Industrie, allen voran von den Autoherstellern und den Zulieferern, blieb aus.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Doch im Hintergrund pflegt man durchaus klare Töne. So hat Bosch-Aufsichtsratschef Franz Fehrenbach in einem Brief an den Ministerpräsidenten Kretschmann das Fahrverbot als „wirtschaftspolitisch verheerend“ und „umweltpolitisch fragwürdig“ gegeißelt. Dieter Zetsche wiederum, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG, hat in einem Beitrag im Intranet die Mitarbeiter des Autoherstellers über die Position des Unternehmens aufgeklärt. Das Fahrverbot sei nicht nur eine bittere Pille für die Besitzer älterer Diesel-Fahrzeuge, es sei auch nicht zielführend, schreibt er.

          „Sie als Mitarbeiter und wir als großes Unternehmen mit rund 80.000 Kolleginnen und Kollegen in der Region Stuttgart sind auf eine funktionsfähige Infrastruktur und eine kalkulierbare Verkehrssituation angewiesen“, schreibt Zetsche und spricht damit die Lebenswirklichkeit seiner Belegschaft an.

          Die fühlt sich offenbar bestätigt in ihrer Meinung. Die 719 Mitarbeiter, die den Beitrag des Chefs im Intranet bewertet haben (bis Freitagvormittag), vergaben im Durchschnitt 4,66 von möglichen 5 Sternen.

          „Fahrverbote halten wir für keine gute Lösung. Für den Wirtschaftsstandort Stuttgart sind sie ein Eigentor: Sie beeinträchtigen die Wirtschaft, den Handel und den Pendlerverkehr“, schreibt der Daimler-Chef und greift die Landesregierung deutlich an: „Gerade in Baden-Württemberg, wo wir die modernsten Dieselmotoren der Welt herstellen, sollten sich die politisch Verantwortlichen bewusst sein, worauf Wachstum und Wohlstand fußen.“

          Weitere Themen

          McDermott geht nach Kalifornien

          Früherer SAP-Chef : McDermott geht nach Kalifornien

          Bill McDermott hatte überraschend seinen Posten bei SAP abgegeben, nun hat der Amerikaner einen neuen Führungsposten bei ServiceNow in Kalifornien. Sein Vorgänger geht zu Nike.

          Topmeldungen

          Das britische Unterhaus am Dienstag Abend

          Johnson-Zeitplan abgelehnt : Brexit zum 31.Oktober nahezu ausgeschlossen

          Das britische Parlament hat den Gesetzesrahmen für den Brexit-Deal im Grundsatz gebilligt. Unmittelbar nach diesem Zwischenerfolg lehnte das Unterhaus jedoch den Zeitplan von Boris Johnson ab. EU-Ratspräsident Tust will eine Verlängerung der Brexit-Frist empfehlen.
          Mal wieder Münchner Mitarbeiter des Abends: Robert Lewandowski

          3:2 in Piräus : Bayern retten sich ins Ziel

          Die Bayern geraten bei Olympiakos Piräus früh in Rückstand und unter Druck – aber auf Torjäger Lewandowski ist Verlass. Für die Münchner Abwehr gilt das beim 3:2-Sieg schon wieder nicht.

          AKK-Vorstoß : Gezielte Überrumpelung

          Annegret Kramp-Karrenbauer hat den Koalitionspartner mit ihrem Syrien-Vorstoß schwer düpiert. Jetzt muss sie ihre Idee so seriös weiterentwickeln, dass sie dem Vorwurf entgeht, es sei ihr nur um die eigene Profilierung gegangen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.