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Dachdecker in Not : 132.000 Menschen fordern Exportverbot für Holz

Dachdecker errichten mit Holz den Dachstuhl für ein Haus in einem hessischen Neubaugebiet. Bild: dpa

Ein Dachdecker hat Aufträge, aber kein Material mehr. Viel Zuspruch erhält er für seinen Appell, ein Exportverbot für Holz auszusprechen. Die Bundesregierung lehnt das aber ab.

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          „Uns geht das Holz aus“: Der Rohstoff werde aktuell zu hohen Preisen ins Ausland verkauft, vor allem nach China und in die USA. Unternehmer in Deutschland wie Holzbauer, Schreiner, Zimmerleute und Dachdecker hätten zwar volle Auftragsbücher, aber keine Materialien, schreibt Daniel Neuhaus. Die Preise seien bis um das Fünffache gestiegen. „Es drohen Lieferengpässe, Insolvenzen, Entlassungen und Kurzarbeit.“ Mehr als 132.000 Menschen haben die Klage des Bonner Dachdeckermeisters und seine Forderung nach einem Exportstopp für Bauholz schon unterstützt.

          Bernd Freytag
          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Mainz.

          Zehn Mitarbeiter beschäftigt der Handwerksmeister, aber das Arbeiten wird nach seinen Worten immer schwieriger. „Wir wollen arbeiten, aber mit wochenlangen Lieferzeiten, bei stetig steigenden Preisen wird das immer aussichtsloser“, schreibt er. Sein Appell: Helft mit, dass Handwerk bezahlbar bleibt. Helft mit, dass es nach Verzögerungen nicht auch noch zu Baustopps kommt. Stoppt den Abverkauf von Holz ins Ausland!

          Holz ist nicht das einzige knappe Material am Bau. Stahl, Sand, elektrische Bauteile, selbst Kunststoffrohre für die Gas- und Wasserinstallation fehlen. Der Mangel treibt die Baupreise. Tatsächlich ist Holz in Deutschland nicht knapp. Weil viele von Trockenschäden und Käferbefall in Mitleidenschaft gezogene Bäume gefällt werden mussten, ist die Menge des eingeschlagenen Rohholzes im vergangenen Jahr von 69 Millionen auf mehr als 80 Millionen Kubikmeter gestiegen – so viel wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Gut die Hälfte dieser „Ernte“ war nach Daten des Statistischen Bundesamtes jedoch auf Schadholz zurückzuführen, dürfte sich so also nicht mehr wiederholen.

          40 Prozent des Nadelschnittholzes wird exportiert

          Dass die Holzpreise trotz der zeitweisen Überversorgung dennoch steigen, liegt an der starken globalen Nachfrage. Rundholz, also unbearbeitete Stämme, wandern zu einem großen Teil nach China. Die Chinesen zahlen zum einen mehr. Zum anderen arbeiten die deutschen Sägewerke an ihren Kapazitätsgrenzen, könnten also nicht noch mehr Rundholz verarbeiten. Die Stämme müssten in Nasslagern teuer gelagert werden. Zugleich exportieren die Sägewerke immer mehr bearbeitetes Bauholz nach Amerika, wo sie zurzeit erheblich bessere Preise bekommen. Auf rekordhohe 40 Prozent ist die Exportquote des am Bau gefragten Nadelschnittholzes gestiegen.

          Erschwerend kommt hinzu, dass die Bauholznachfrage in Deutschland auf einem Höhepunkt ist. Nach Angaben von „Holzbau Deutschland“, dem Interessenverbund der deutschen Zimmerer, ist die Holzbauquote im vergangenen Jahr erstmals über 20 Prozent gestiegen. Holz gilt als „klimapolitische Schlüsselressource“, um den klimaschädlichen Zement zu verdrängen. Die Bauminister von Bund und Ländern haben deshalb bereits die Bauvorschriften angepasst, sodass seit einiger Zeit auch mehrgeschossige Häuser bei entsprechenden Brandschutzmaßnahmen aus Holz gebaut werden können. Die erheblichen Preissteigerungen und die unsichere Versorgungslage kommen also doppelt zur Unzeit.

          Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und die Parteikollegin und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner lehnen ein Exportverbot für Holz dennoch ab. Die Bundestagsfraktion des Regierungspartners SPD hat sich hingegen Anfang Mai dafür ausgesprochen. Sollte sich die Lage nicht entspannen, sei ein Exportstopp zu prüfen. Auch eine Reihe von sozialdemokratischen Landesministern, wie Till Backhaus aus Mecklenburg-Vorpommern, die saarländische Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger und ihr Amtskollege Wolfgang Tiefensee aus Thüringen plädieren für zeitweilige Exportbeschränkungen. Die Landesregierung von Bayern, dem waldreichsten Bundesland, lehnt ein Ausfuhrverbot hingegen ab.

          Russland hat Exportverbot erlassen

          Die Holzwirtschaft selbst ist gespalten. Der deutsche Forstwirtschaftsrat, der die Waldbesitzer vertritt, lehnt ein Exportverbot ab. Sollte die Trockenheit anhalten, könnte abermals viel Käferholz anfallen, sagte sein Sprecher. Dann sei man über die Exportmöglichkeiten noch dankbar. Der deutsche Holzwirtschaftsrat, der die Holzverarbeitende Wirtschaft vertritt, zeigt sich zurückhaltender. Zwar lehne man grundsätzlich regulatorische Eingriffe ab, zumal die Mangelsituation zum großen Teil der Pandemie geschuldet sei, sagt Rats-Geschäftsführer Denny Ohnesorge. Zugleich müsse man die protektionistischen Vorstöße anderer Länder und deren Auswirkungen auf den deutschen Markt beobachten. Russland etwa habe ein Exportverbot für Holz erlassen. Und dass die Nachfrage nach deutschem Holz in Amerika steige, liege auch an den Strafzöllen der Amerikaner auf Holz aus Kanada. Nur in Europa gebe es bislang keine Maßnahmen.

          Holzexporte kritisch zu hinterfragen, fordert auch der Bund Deutscher Zimmermeister. Vor allem in Länder, die selbst keine nachhaltige Forstwirtschaft betreiben, sei ein gezieltes Exportverbot wünschenswert. „Wir sollten sicherstellen, dass die Länder, in die wir unseren wertvollen Rohstoff Holz exportieren, auch die gleichen ökologischen und nachhaltigen Leitprinzipien einhalten wie wir“, sagt der Verbandsvorsitzende und bayerische Zimmermeister Peter Aicher. „Es macht doch keinen Sinn, Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft weltweit zu exportieren und die Ökobilanz hierzulande dadurch zu verschlechtern. Daher müssen lange Transportwege grundsätzlich kritisch hinterfragt werden.“

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