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D.A.L.F.A. : Die geheime Machtzentrale in München

  • -Aktualisiert am

Das Preysing-Palais in München Bild: Picture-Alliance

Es ist eine der vornehmsten Adressen in der Stadt: das Preysing-Palais in München. Hinter einer mysteriösen Abkürzung verbergen sich die gemeinsamen Büros von fünf einflussreichen Aufsichtsräten, die sich austauschen – nur informell, versteht sich.

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          Michael Diekmann ist zurück bei der Allianz: Seit zwei Wochen ist der Manager, der zwölf Jahre als Vorstandsvorsitzender den Versicherungskonzern leitete, im Aufsichtsrat, wiederum als Vorsitzender. Diekmann hat soeben die zwei Jahre Wartezeit („Cooling-off“-Periode) hinter sich, die der deutsche Corporate-Governance-Kodex vorgibt. Vorstandschefs sollen nicht, wie früher oft üblich, sofort in den Aufsichtsrat einziehen, weil sie sonst versucht sein könnten, die von ihnen bestimmte Strategie als Kontrolleur zu weitgehend zu verteidigen.

          Henning Peitsmeier
          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Er habe sich „die letzten zwei Jahre fit gehalten", sagte Diekmann Anfang des Monats auf der Allianz-Hauptversammlung den Aktionären. Seine Statur legt das in der Tat nahe. Und nicht nur physisch hat sich der 62 Jahre alte Manager auf Trab gehalten, auch geschäftlich war er in der Zwischenzeit aktiv: nicht zuletzt in einer Bürogemeinschaft, die in München und auch in ganz Deutschland sehr ungewöhnlich ist. Bis vor einiger Zeit nannte sie sich „A.L.F.A“, inzwischen heißt sie „D.A.L.F.A Munich Office“. Das D hat Diekmann beigesteuert, als Initial seines Nachnamens. Und auch der Rest des Namens setzt sich so zusammen.

          Die anderen Büromitglieder sind die Aufsichtsräte Ann-Kristin und Paul Achleitner, der frühere Siemens-Vorstandsvorsitzende Peter Löscher und der Chefaufseher der Deutschen Börse, Joachim Faber. Ein illustres Büro-Quintett also, das im Preysing-Palais, einem Rokoko-Bau, an der Residenzstraße Quartier bezogen hat. Es ist eine der vornehmsten unter den vielen vornehmen Adressen in München.

          „Chinese Wall“ nötig

          Die Fünf gehören durchweg der ersten Reihe von Deutschlands Wirtschaftsführern an, kennen einander gut aus ihren Tätigkeiten seit vielen Jahren. Sie seien eng befreundet und vertrauten einander, heißt es in Münchner Finanzkreisen. Sie pflegten eine lockere Bürogemeinschaft, teilten ein Sekretariat und die IT-Infrastruktur. Gleichwohl greifen die Manager regelmäßig auf die Büros ihrer ehemaligen Arbeitgeber zurück – und Diekmann nimmt in der Allianz-Zentrale in der Königinstraße ja gerade seinen Platz in neuer Rolle ein. Er wird sich dort übrigens, so mutmaßen Beobachter, nicht mit der Rolle des reinen Aufsehers begnügen, sondern stärker im Geschehen von Europas größtem Versicherungskonzerns mitmischen.

          Unabhängig davon können sich die Fünf im Preysing-Palais informell treffen, ohne vorher Termine ausmachen zu müssen. Zusammen vereinen sie immerhin ein knappes Dutzend Dax-Mandate aufeinander, in verschiedenen Branchen: von Versicherern über Autos bis zur Medizin, von der Allianz über BASF und Bayer, Daimler und Deutscher Bank bis hin zu Siemens und Fresenius. Dass sich zwischen den fünf Aufsichtsräten keine engere Zusammenarbeit ergeben darf, sie ihre Mandate strikt von einander trennen müssen, versteht sich von selbst: Es muss also, wie das in der Geschäftswelt so schön heißt, eine „Chinese Wall“ geben.

          Aber mancher in der Münchener Finanz- und Industrieszene stutzt doch. Einen unangenehmen Beigeschmack habe das schon, sagt ein Manager. Man könne glauben, „D.A.L.F.A“ habe die frühere Deutschland AG wieder nachgebaut, sagt ein anderer. So sind nicht alle Unternehmen, welche von den fünf Managern kontrolliert werden, durchweg glücklich über den D.A.L.F.A.-Club. Denn natürlich weiß jeder, dass eine formale Trennung nicht alles ist. Manager, die einander so lange kennen und vertrauen, können sich auch informell austauschen. Ein stilvolles Büro in bester Lage der bayrischen Landeshauptstadt macht es möglich.

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